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06.11.2015

17:15 Uhr

Dieselgate-Affäre

VW-Betriebsrat legt sich mit dem Vorstand an

Volkswagen kommt nicht zur Ruhe. Im Abgas-Skandal wirft die Arbeitnehmervertretung dem Vorstand Konzeptlosigkeit und einseitige Sparwut auf Kosten der Belegschaft vor – ausgerechnet kurz vor einem wichtigen Treffen.

Der VW-Konzernbetriebschef übt scharfe Kritik an der Unternehmensspitze. ap

Bernd Osterloh

Der VW-Konzernbetriebschef übt scharfe Kritik an der Unternehmensspitze.

WolfsburgMitten in der Aufarbeitung des VW-Abgasskandals droht ein massiver Konflikt zwischen dem mächtigen Betriebsrat und der Unternehmensspitze. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh äußerte scharfe Kritik an VW-Konzernchef Matthias Müller. „Der Betriebsrat wird bewusst außen vor gelassen. Der Vorstand verkündet Sparmaßnahmen einseitig und ohne Grundlage“, sagte Osterloh am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. In einem Brief an die Belegschaft, welcher der dpa vorlag, schrieb Osterloh: „Wer die Axt bei Volkswagen an die demokratischen Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten legen will, der gefährdet den sozialen Frieden und die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens.“

Osterloh schloss zudem einen Wechsel als Personalchef in den Vorstand aus - darüber war lange spekuliert worden. Seine massive Kritik am Top-Management kommt kurz vor einem Treffen des VW-Aufsichtsrats am kommenden Montag. Der neue VW-Chef Müller hatte wegen der immensen Kosten des Abgas-Skandals angekündigt, den Sparkurs bei Volkswagen zu verschärfen.

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Osterloh vermisst ein schlüssiges Gesamtkonzept zur Bewältigung der Affäre, wie er der Belegschaft schrieb. In dem Brief richtet sich Osterloh an Konzernchef Müller und VW-Markenchef Herbert Diess mit den Worten: „Wir können nur an die Herren Müller und Diess appellieren, gerade in diesen Tagen die Einigkeit zwischen Beschäftigten und Management nicht weiter durch Sprachlosigkeit auf eine Zerreißprobe zu stellen.“

Auf dpa-Anfrage sagte Osterloh, der lange als Nachfolger für den Ende November ausscheidenden Personalvorstand Horst Neumann gehandelt wurde: „Ein Wechsel auf den Posten des Personalvorstands kommt für mich nicht infrage. Wir erleben derzeit, wie der Vorstand agiert und dabei die Interessen der Beschäftigten vollkommen außer Acht lässt.“

Osterloh betonte: „In einer solchen Situation der Unsicherheit lasse ich meine Kolleginnen und Kollegen, die mich gewählt haben, um Ihre Interessen zu vertreten, nicht allein.“ Er fügte an: „Jetzt geht es um den maximalen Schutz der Beschäftigten, die anscheinend doch die Krise zahlen sollen, die andere verursacht haben.“

Am Sonntagabend treffen sich laut dpa-Informationen die Aufsichtsräte des sogenannten „Sonderausschusses Dieselmotoren“. Unter Führung von VW-Großaktionär Wolfgang Porsche beraten sie die jüngste Lage. Mit dabei ist dort auch Osterloh. Am Montag treffen sich in Wolfsburg morgens die sechsköpfige Spitze des Aufsichtsrats und später dann alle 20 Kontrolleure.

Im Brief an die Mitarbeiter schreibt Osterloh über die Aufsichtsratssitzung, der Betriebsrat werde „dem Vorstand sämtliche Fragen zur Planungsrunde stellen, die momentan unbeantwortet sind. Hier geht es um die Zukunft unserer Arbeitsplätze und die Zukunft unseres Unternehmens!“ Man wolle wissen, wie und welche Zukunftsthemen bei Volkswagen künftig Vorrang genießen sollen.

Die Arbeitnehmerseite im VW-Aufsichtsrat hat, verankert in besonderen Bestimmungen, das ungewöhnliche Druckmittel, Weichenstellungen zu blockieren. Dazu zählen Modellentscheidungen oder Werkserweiterungen.

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dpa

Kommentare (5)

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Herr Tante Mila

06.11.2015, 17:47 Uhr

Auch für Herrn Osterloh gilt, als Mitglied des Aufsichtsrates, dessen Kontrolle sich derzeit hauptsächlich in nachträglicher Besserwisserei äußert, sollte man lieber die Klappe halten und die Verantwortlichen konsequent zur Rechenschaft ziehen.

Und die Mitarbeiter sind keineswegs so unschuldig wie hier dargestellt wird, denn irgendjemand muss die Software ja programmiert und eingebaut und die Tests manipuliert haben. Hat sich jemand geweigert oder den Mund aufgemacht? Offenbar nicht. Die Zeche zahlen im Moment hauptsächlich die Aktionäre (auch bekannt als Unternehmenseigentümer)!

Frau Monika Forro

06.11.2015, 18:00 Uhr

Herr Knecht,
Die Aktionäre zahlen die Zeche gewiss nicht 'hauptsächlich'.
Es sind der Staat, die Mitarbeiter, die Kunden, die gesamte Branche und die Umwelt, die die Zeche ebenfalls mitzählen.
Osterloh macht das, wozu er verpflichtet ist und gewählt wurde.
VW ist nicht der einzige Konzern, der es nicht schafft seine Mitarbeitern die Konzernstrategie zu vermitteln. In schwierigen Zeiten erweist sich das häufig als Bumerang. Müller darf man deswegen getrost auch nur als Notlösung sehen, bis sich besseres findet oder ihn weitere Skandale bzw. Betrügereien zu Fall bringen werden. VW ist sicherlich für weitere Ueberaschungen gut.

Herr otto r. kristek

06.11.2015, 18:46 Uhr

Die zeche bezahlen wir steuerzahler.
denn der konzern wirt auf längere sicht die kosten und und ...als verluste ausweisen und die dann über steuern, abgaben finanzhilfen einsparen ersetzen und somit auch die steuerzahlenden nichteigentümer an den betrugsfolgen beteiligen

schuld hat aber die bundeskanzlerin
die regeln für die wirtschaft s"offiziellen" ablehnt und
töhnt: : " ich setzte auf die freiwilligkeit der wirtschaft "
als ob auch nur eine führungs"kraft" möglichkeiten zur gewinn maximierung auslassen würde
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