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02.03.2016

20:14 Uhr

Dieselgate bei Volkswagen

Winterkorn war früh über Abgasskandal informiert

Bereits im Mai 2014 soll Martin Winterkorn über den Abgasskandal informiert gewesen sein. Dennoch weist der Konzern eine Verletzung seiner Ad-hoc-Pflicht vehement zurück. Nun rückt der Ex-Chef wieder in den Fokus.

Martin Winterkorn, Ex-Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, müssen auch eventuelle juristische Konsequenzen seines Handelns im Abgasskandal fürchten. dpa

Trotz Abgang weiter im Visier

Martin Winterkorn, Ex-Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, müssen auch eventuelle juristische Konsequenzen seines Handelns im Abgasskandal fürchten.

Hamburg/FrankfurtEx-Volkswagen -Chef Martin Winterkorn ist nach Konzern-Angaben frühzeitig über den Abgasskandal informiert worden. Bereits im Mai 2014 und damit fast eineinhalb Jahre vor Bekanntwerden der Affäre um manipulierte Diesel-Abgaswerte sei ein erster Vermerk an den damaligen Konzernchef erstellt worden, teilte Volkswagen am Mittwoch mit.

Dennoch hält der Wolfsburger Konzern Aktionärsklagen im Zusammenhang mit der Affäre für unbegründet. Die im Aktienrecht vorgeschriebene Pflicht zur Veröffentlichung potenziell aktienkursbewegender Erkenntnisse (Ad-hoc-Pflicht) sei nicht verletzt worden, da dem Vorstand erst am 18. September 2015 wesentliche Informationen rund um die Manipulation bekanntgeworden seien.

Aktionäre machen vor Gericht geltend, das Unternehmen habe zu spät darüber informiert. Sie begründen damit ihre Schadensersatzforderungen für erlittene Kursverluste. Die US-Umweltbehörde EPA hatte am 18. September vergangenen Jahres den Vorgang öffentlich gemacht. VW räumte die Manipulationen, die weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge betreffen, erst zwei Tage später ein – an einem Sonntag. Tags darauf stürzte die VW-Aktie um fast 20 Prozent ab, der größte Autokonzern Europas verlor binnen weniger Stunden zwölf Milliarden Euro an Börsenwert.

CO2-Schummeleien bei VW: Wer prüfte wen?

VW

TÜV Nord GmbH, Deutschland

Porsche

TÜV Nord GmbH, Deutschland (Abgas) und Luxemburg (Gesamtfahrzeug)

Audi

ATE EL s.a.r.l., Luxemburg

Seat

INTA, Madrid und IDIADA, Madrid, Spanien

Skoda

TÜV Süd Autoservice GmbH und Vehicle Certification Agency, Bristol, Großbritannien

Am 23. September nahm Winterkorn als Vorstandschef seinen Hut und zog sich später auch von allen anderen Ämtern in dem Konzern zurück. Zwei Tage später bestellte der Aufsichtsrat den früheren Porsche-Chef Matthias Müller an die Konzernspitze. Er soll die Aufklärung des Skandals vorantreiben, durch den VW in die tiefste Krise seiner Geschichte geraten ist.

Volkswagen stellt sich auf den Standpunkt, der Konzern habe bis zur Veröffentlichung durch die EPA „keinerlei Anzeichen für börsenkursrelevante Informationen“ gehabt. Bis zu diesem Zeitpunkt sei man von einer überschaubaren Zahl von etwa 500.000 betroffenen Fahrzeugen und Bußgeldern in einem zweistelligen oder unteren dreistelligen Millionen-Bereich ausgegangen.

Von dem später von der Behörde aufgerufenen Strafmaß von bis zu 18 Milliarden Dollar habe man damals keine Ahnung gehabt. Mittlerweile steht wegen der Volkswagen vom US-Justizministerium zur Last gelegten Verstöße gegen US-Umweltgesetze eine Summe von bis zu 46 Milliarden Dollar im Raum. Die Strafe dürfte nach Einschätzung von Juristen allerdings deutlich niedriger ausfallen, wie frühere Fälle vermuten lassen.

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