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22.06.2016

01:26 Uhr

Dieselgate

Erster US-Anleiheinvestor verklagt VW

Der amerikanische Pensionsfonds Boston Retirement System hat Volkswagen in den USA verklagt. Durch die Folgen des Abgasskandals sehe sich die Gruppe geschädigt. Die Klage ist die erste eines Anleiheinvestors.

VW ist dabei, eine Sammelklage der Autobesitzer beizulegen, ebenso wie eine zivilrechtliche Klage des Justizministeriums und der Umweltbehörde EPA dpa

Volkswagen

VW ist dabei, eine Sammelklage der Autobesitzer beizulegen, ebenso wie eine zivilrechtliche Klage des Justizministeriums und der Umweltbehörde EPA

New YorkIm Diesel-Skandal macht eine weitere Gruppe an Klägern Druck auf VW. Der amerikanische Pensionsfonds Boston Retirement System (BRS) hat VW in den USA verklagt. BRS hatte vor dem Bekanntwerden der Abgasmanipulationen Anleihen des Wolfsburger Autobauers gekauft und sieht sich durch die Folgen des Skandals geschädigt.

Es ist die erste Klage eines Anleiheinvestors. Sie ist als Sammelklage angelegt. Dabei geht um festverzinsliche Wertpapiere im Wert von gut acht Milliarden Dollar, die VW in drei separaten Schritten in den USA ausgegeben hat, wie aus der Klageschrift hervorgeht.

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Die Anleihen hätten nach Bekanntwerden der „Dieselgate“-Affäre im September 2015 Hunderte Millionen an Wert eingebüßt, argumentiert die New Yorker Kanzlei Labaton Sucharow, die die Klage für den Pensionsfonds eingereicht hat. Zu den Beklagten gehören neben der Volkswagen AG auch die US-Tochter sowie die amerikanische Finanzierungssparte, der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn und der ehemalige VW-Amerika-Chef Michael Horn.

„Volkswagen hat US-Investoren und Regulierer mit den manipulierten Abgassystemen getäuscht und gleichzeitig Milliarden von Investoren am amerikanischen Kapitalmarkt eingesammelt“, argumentiert Labaton-Partner Thomas Dubbs. Mit der Klage „wollen die Anleihe-Investoren entschädigt werden.“

Konzernchef Matthias Müller: „Volkswagen ist mehr als Diesel“

Konzernchef Matthias Müller

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Vor der Hauptversammlung denkt der VW-Boss laut über den Diesel-Ausstieg nach. Im Interview kündigt er zudem ein neues Vergütungssystem an und spricht über Details des Konzernumbaus und den Einfluss von Ferdinand Piëch.

VW ist in den USA gerade dabei, eine Sammelklage der Autobesitzer beizulegen, ebenso wie eine zivilrechtliche Klage des Justizministeriums und der Umweltbehörde EPA. Details der Einigung müssen am 28. Juni bei Gericht vorgelegt werden.

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