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20.12.2016

21:58 Uhr

Dieselgate in den USA

Audi und Volkswagen erreichen Einigung

VonStefan Menzel

Es ist ein entscheidender Tag vor allem für die Ingolstädter VW-Tochter Audi: In den USA gibt es eine vorläufige Einigung im Streit um 80.000 manipulierte Dieselmodelle, deren Motor Audi für den Konzern entwickelt hatte.

In den USA rückt die Entscheidung heran: Was muss die Ingolstädter Volkswagen-Tochter für die manipulierten Dieselmotoren an Entschädigung zahlen? Reuters

Audi kann sich nicht länger verstecken

In den USA rückt die Entscheidung heran: Was muss die Ingolstädter Volkswagen-Tochter für die manipulierten Dieselmotoren an Entschädigung zahlen?

DüsseldorfAudi und Volkswagen haben mit US-Behörden und den Rechtsanwälten der betroffenen Autofahrer eine vorläufige Einigung im Streit um 80.000 manipulierte Dieselfahrzeuge erreicht. Für etwa 20.000 Autos ist der Rückkauf durch den VW-Konzern geplant, für die restlichen 60.000 Autos ist eine Umrüstung vorgesehen. Außerdem können die Autofahrer mit einer Entschädigung rechnen. Genaue Beträge wurden noch nicht genannt. Die Einigung ist zunächst auch nur vorläufig. Volkswagen hat bis Ende Januar Zeit, mit den Klagegegnern die finale Einigung mit allen Details auszuarbeiten. Eine formale Vereinbarung muss bis zum 31. Januar vorgelegt werden. Danach werden die endgültigen Vorschläge noch einmal vom Gericht geprüft. Daher dürfte der gesamte Umrüst- und Entschädigungsplan erst im Frühjahr 2017 rechtskräftig werden.

„Ich bin sehr erfreut darüber, dass ich eine Einigung aller beteiligten Parteien verkünden kann“, sagte US-Richter Charles Breyer am Dienstagabend deutscher Zeit vor dem Bundesgericht in San Francisco. Es gebe eine Grundsatzeinigung in dem Fall, weitere Details müssten aber noch geklärt werden. Deshalb werde es am kommenden Donnerstag um 20 Uhr deutscher Zeit noch einmal eine zusätzliche Anhörung vor dem US-Gericht geben.

Die 80.000 Autos werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Etwa 20.000 Fahrzeuge (VW Touareg und Audi Q7) der Jahrgänge 2009 bis 2012 sollen vom VW-Konzern zurückgekauft werden. Zudem sind noch einmal Tests vorgesehen, ob vielleicht doch eine Umrüstung möglich ist, um die strengen US-Emissionswerte zu erfüllen.

Für die 60.000 Autos jüngerer Bauart sei die Umrüstung kein Problem. „Volkswagen hat zugesagt, dass das möglich ist“, betonte Richter Breyer. Sollte es wider Erwarten doch Probleme mit der Umrüstung geben, käme auch wieder ein Rückkauf durch Volkswagen und Audi in Betracht.

Die betroffenen Autofahrer können außerdem mit einer „angemessenen Entschädigung“ rechnen, so Richter Breyer weiter. Details wollte er nicht nennen, die Vertraulichkeit sei noch nicht aufgehoben. Die exakten Zahlen werden wahrscheinlich erst Ende Januar veröffentlicht.

Zudem gibt es eine Kompromisslösung zwischen den Rechtsanwälten der klagenden Autofahrer und dem Zulieferkonzern Bosch. Beide Seiten hätten eine Grundsatzeinigung erreicht, die Details sollen später veröffentlicht werden. Der Zulieferkonzern sei zur Zahlung von mehr als 300 Millionen Dollar an die Kläger bereit, die dem Stuttgarter Unternehmen aktive Mithilfe vorwerfen, sagte am Montag ein mit den Beratungen Vertrauter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Bosch hatte jegliche Verantwortung für den Einsatz der Software von sich gewiesen. Ein Bosch-Sprecher bestätigte am Abend die grundsätzliche Einigung, nannte aber ebenfalls keine Details.

„Die heute vom Gericht bekanntgegebene Einigung zwischen Volkswagen und den Umweltbehörden im Zusammenhang mit 3,0l-TDI-Fahrzeugen in den Vereinigten Staaten ist ein weiterer wichtiger Schritt nach vorne auf unserem Weg, die Dinge für unsere Kunden in Ordnung zu bringen“, sagte am Abend ein VW-Sprecher zu der vereinbarten Kompromisslösung. Volkswagen habe darüber hinaus eine Vereinbarung mit dem gerichtlich bestellten Steuerungskomitee der Kläger („Plaintiffs’ Steering Committee“) über die Entschädigungszahlungen getroffen, die die betroffenen Autofahrer bekommen sollen. Auch Volkswagen nannte dazu keine Details.

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Audi und Volkswagen hatten am Montag erfahren, dass sie noch einen Tag nachsitzen mussten. US-Richter Charles Breyer hatte die Entscheidung über einen Entschädigungs- und Umrüstplan für 80.000 betroffene Dieselkunden nach einer kurzen, nur wenige Minuten dauernden Anhörung auf den heutigen Dienstagabend vertagt.

Breyer äußerte sich allerding schon am Montag optimistisch, dass das die letzte Verlängerung in diesem komplizierten Verfahren sein würde. „Am Dienstag gibt es eine Lösung. Da bin ich sehr zuversichtlich“, sagte der Richter. Der Fall sei einfach sehr kompliziert, viele Details müssten ausgehandelt werden.

Der Richter ergänzte, dass an den vergangenen Tagen entscheidende Fortschritte gemacht worden seien. Ursprünglich hatte Breyer die letzte und finale Verhandlungsrunde schon für den 30. November angesetzt, dann für vergangenen Freitag. Jedes Mal hatte es dabei jedoch keine Einigung gegeben und die Schlussanhörung musste wie am Montag verschoben werden.

Kommentare (1)

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Herr Peter Müller

21.12.2016, 10:00 Uhr

Das ist wohl noch nicht ganz ausgestanden.

In weiteren Ländern will man gegen den Massen-Betrug vorgehen.

Großaktionäre sind hochgradig nervös und die "altgedienten" Mitarbeiter am Standort WOLFSBURG, die in letzter Zeit schon auf den bekanntermaßen sehr luxuriösen VOLKSWAGEN-Vorruhestand spekulierten, müssen wohl noch ein paar Jährchen dranhängen und beim Konzern-Umbau mit anpacken.

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