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09.12.2016

03:22 Uhr

Dieselgate in den USA

Volkswagen soll Beweise vernichtet haben

Eine US-Behörde will Volkswagen nicht vom Haken lassen. Die FTC wirft VW vor, nach dem Abgasskandal beweiskräftige Mobiltelefonspeicher gelöscht zu haben. Mit ihrem Konter konnten die VW-Anwälte in den USA nicht landen.

Viele Baustellen: Beim Rechtsstreit nach dem Abgasskandal von VW in den USA geht es auch um die Beseitigung von Beweismitteln. dpa

Volkswagen

Viele Baustellen: Beim Rechtsstreit nach dem Abgasskandal von VW in den USA geht es auch um die Beseitigung von Beweismitteln.

San FranciscoIm „Dieselgate“-Rechtsstreit fordert die US-Handelsbehörde weitere Schritte, um das Verschwinden von Beweismitteln bei VW aufzuklären. Es gebe glaubhafte Hinweise, dass bei Volkswagen absichtlich belastendes Material zerstört worden sei, teilten Anwälte der Federal Trade Commission (FTC) am Donnerstag dem für zahlreiche US-Zivilklagen gegen VW zuständigen Gericht in San Francisco mit.

VW wies den Verdacht zurück. Die Behauptungen seien Teil eines seit langem andauernden Konflikts um juristische Offenlegungspflichten, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage.

Weltweite Untersuchungen von Behörden im Abgas-Skandal

Untersuchungen

...bei der Abgasbehandlung zogen weltweit Untersuchungen von Behörden nach sich. Ähnlich wie das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gingen die Behörden in Frankreich und Großbritannien vor. Die Regierung in Paris stellte bei eigenen Nachmessungen an 86 Modellen deutliche Abweichungen und Normverstöße fest.

Weitere Betrugssoftware...

...konnte die eingerichtete Kommission allerdings nicht nachweisen - auch wenn sie mangels ausreichender Informationen mancher Anbieter nicht ausschließen wollte, dass es sie gibt. Die französischen Autohersteller legten daraufhin ähnlich wie in Deutschland Pläne vor, um die Emissionswerte zu verbessern.

Auch das britische Verkehrsministerium...

...fand bei der Nachmessung von knapp 40 verschiedenen Automodellen keine Hinweise auf betrügerische Manipulationen wie bei VW. Jedoch lagen die Stickoxid-Werte im realen Straßenbetrieb um ein Vielfaches über den Prüfstandswerten.

In den Vereinigten Staaten...

...durchleuchtete die Umweltbehörde EPA die Branche, konnte aber nach eigenen Angaben bislang nur bei Volkswagen Fehlverhalten feststellen. Neben den Wolfsburgern nahmen die Aufseher bislang nur Daimler besonders unter die Lupe. Im April forderte das Justizministerium nach Klagen von US-Anwälten die Stuttgarter auf, das Zustandekommen der offiziellen Abgaswerte in den USA intern und unter Einbeziehung der Behörden zu untersuchen - noch ohne Ergebnis.

Südkorea...

...hatte im November nach dem Bekanntwerden der Abgas-Affäre bei VW ebenfalls verschärfte Untersuchungen an Diesel-Modellen von weiteren Unternehmen angekündigt. Abgesehen von Volkswagen warf die Regierung in Seoul auch Nissan die Manipulation von Abgaswerten vor.

In Japan...

...ordneten Behörden ähnliche Nachtests an. Neben Mitsubishi räumte auch Suzuki Motor ein, eine nicht zulässige Testmethode angewandt zu haben. Betroffen waren 26 Modelle.

In Russland...

...wurden Unterlagen über Abgaswerte von Daimler angefordert. Die Aufsichtsbehörden stellten aber keine Verstöße fest.

In den Niederlanden...

...wollte die Regierung Mitte 2016 über Schadstofftests informieren. Zuvor hatte das Umweltinstitut TNO im Auftrag der Regierung schon Emissionstests bei verschiedenen Modellen durchgeführt. In dem Bericht kam man zu dem Schluss, dass die Stickoxid-Werte auf der Straße vielfach höher waren als im Labor. Die Untersuchung zog bislang jedoch keine Konsequenzen nach sich.

In Italien...

...bekam Volkswagen von der Wettbewerbsbehörde eine Millionenstrafe aufgebrummt. Bei anderen Herstellern hätten Tests dagegen keine Hinweise auf Vorrichtungen zur Manipulation ergeben - auch nicht bei Fiat, hieß es aus dem Verkehrsministerium im Juni. Bei Nachtests des deutschen KBA war Fiat zuvor herausgestochen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht nun die EU-Kommission am Zug, Nachmessungen bei den Modellen durchzusetzen.

In dem FTC-Dokument ist unter anderem die Rede von 23 Mobiltelefonen, die „wichtigen Personen“ gehört hätten und die verschwunden oder deren Speicher gelöscht worden seien. Zudem will die Behörde, dass die Umstände der Kündigung eines Ex-Mitarbeiters von VW weiter aufgeklärt werden, der im März eine Whistleblower-Klage gegen Konzern eingereicht hatte. Der Mann gab damals an, er habe im VW-Rechenzentrum in Michigan versucht zu verhindern, dass Daten gelöscht werden. Der Konzern bezeichnet die Klage als unbegründet.

Die VW-Anwälte vertraten Gerichtsunterlagen vom November zufolge die Auffassung, es sei nicht ungewöhnlich, dass Mobiltelefone verloren gingen oder ihre Daten versehentlich gelöscht würden. Daran sei nichts „bemerkenswert“.

Abgasskandal: EU-Kommission leitet Verfahren gegen Deutschland ein

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Im Abgasskandal geht die EU-Kommission gegen Deutschland vor. Grund dafür sei, dass die Bundesrepublik die Automobilhersteller nicht mit Strafen belegt habe. Verkehrsminister Dobrindt weist die Vorwürfe zurück.

Das sieht man bei der FTC anders. Um den Dingen auf den Grund gehen zu können, hat die Behörde beim Gericht die nochmalige Befragung eines Zeugens beantragt, der bislang „unsinnige oder ausweichende“ Antworten gegeben habe. Der Mann habe unter anderem mehr als 250 Mal „ich weiß nicht“ geantwortet.

VW hatte am 18. September 2015 nach Vorwürfen der US-Umweltbehörde EPA eingeräumt, in großem Stil bei Abgastests betrogen zu haben. Bei rund 480.000 Dieselwagen hat sich der Konzern bereits mit US-Klägern auf einen Vergleich geeinigt, der bis zu 16,5 Milliarden Dollar (15,6 Milliarden Euro) kosten könnte. Bei über 80.000 größeren Dieselautos, die ebenfalls mit verbotener Abgastechnik ausgestattet sind, steht eine Einigung noch aus.

Der zuständige Richter Charles Breyer hatte sich zuletzt aber optimistisch hinsichtlich einer Lösung bis zur nächsten Anhörung am 16. Dezember gezeigt.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

09.12.2016, 14:24 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Herr Peter Müller

09.12.2016, 14:59 Uhr

Wenn es in den USA einen Super-Super-Gau gibt, dann haben ihn sich die WOLFSBURGER Experten hiermit erlaubt!

Es ist geradezu grauenvoll wie hier die gesamte deutsche Wirtschaft durch VW in den Schmutz gezogen wird. Das ist so einfach nicht mehr gut zu machen!

Als Insider muss ich sagen, daß es bei VOLKSWAGEN äußerst viele (aus meiner Sicht überbezahlte) "Verwalter" gibt, die keinen eigenen Wertbeitrag zum eigentlichen Produkt haben. Ein leistungsabhängiges Gehaltssystem ist im Gegensatz zu vergleichbaren OEMs nur in Ansätzen umgesetzt.

Die Gehälter des unteren und mittleren Managements sind exorbitant hoch.

Leistungsanreize existieren so gut wie nicht. Wichtigstes Gesprächsthema ist immer noch die Ausstattungsliste des nächsten Geschäftswagens!

Luxuriöse Vorruhestandsregelungen sollen den am Dieselbetrug mitverantwortlichen Ingenieuren demnächst den Aufstieg versüßen.

Aber gerade diese erfahrenen Spezialisten wissen, was in der Vergangenheit schief lief und sind für die Umstrukturierung unverzichtbar.

Volkswagen ist aus meiner Sicht ein überbordender Verwaltungsmoloch mit mindestens 30% Personalüberkapazität in den Bereichen Verwaltung und Entwicklung.

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