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16.04.2016

17:41 Uhr

Dieselgate und die Folgen

Volkswagen-Pkw ernennt eigenen Krisenmanager

Strafen, Schadensersatzforderungen, Rückrufe: Die Marke Volkswagen wurde durch den Diesel-Skandal schwer beschädigt. Ein neuer Krisenmanager soll die Pkw-Sparte des Konzerns in Europa wieder auf Kurs bringen.

Weltweit sind rund elf Millionen Fahrzeuge von den Abgas-Manipulationen betroffen. Reuters

VW in der Krise

Weltweit sind rund elf Millionen Fahrzeuge von den Abgas-Manipulationen betroffen.

BerlinZur Aufarbeitung des Abgasskandals hat der VW-Konzern einen eigenen Krisenmanager für seine Hauptmarke Volkswagen Pkw bestimmt. Der Leiter der Qualitätssicherung der VW-Marke, Manfred Bort, wurde zum „Beauftragten für die Bewältigung der Diesel-Thematik in Europa“ ernannt. Ein VW-Sprecher bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht der „Automobilwoche“. Markenchef Herbert Diess wolle damit „mehr Dampf auf den Kessel geben“, so das Magazin.

Europas größter Autobauer muss wegen Abgasmanipulationen von Diesel-Fahrzeugen, die durch die US-Umweltbehörde EPA öffentlich gemacht worden waren, mit Strafen und Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe rechnen. VW hat zugegeben, die Werte durch eine illegale Software geschönt zu haben. In den USA sind davon rund 580.000 Autos betroffen, weltweit rund elf Millionen.

Die juristischen Baustellen von VW

Aktionäre fordern Entschädigung

Die VW-Aktie stürzte nach dem Ausbruch der Abgas-Affäre ab, viele Anleger wollen sich ihre Verluste vom Unternehmen erstatten lassen. Ihr Argument: VW hätte deutlich früher über die Probleme informieren müssen, weil Kursabschläge drohten. Mittlerweile haben auch Großanleger entsprechende Klagen lanciert, darunter der größte US-Pensionsfonds Calpers und die Sparkassen-Fondstochter Deka. Der Vermögensverwalter AGI – eine Allianz-Tochter – erwägt die Teilnahme an einer Sammelklage. VW bekräftigte seine Auffassung, alle Pflichten befolgt zu haben.

Klagen einzelner VW-Besitzer

Weltweit wollen VW-Fahrer Schadenersatz einklagen. Das Landgericht Bochum urteilte in einem ersten deutschen Verfahren zwar, dass die Software-Manipulationen keine Pflicht zur Rücknahme der verkauften Autos nach sich ziehen. Manche Anwälte glauben jedoch, dies müsse noch keine Richtungsentscheidung sein. Enttäuschte VW-Kunden machen einen Wertverlust der Fahrzeuge geltend - etwa falls sich Leistungs- oder Verbrauchsdaten durch die notwendigen Umrüstungen verschlechtern. Volkswagen betonte allerdings mehrfach, alle betroffenen Autos seien „technisch sicher und fahrbereit“.

Sammelklagen

Viele Kanzleien buhlen darum, VW-Aktionäre und -Kunden vor Gericht vertreten zu dürfen. In den USA sind Sammelklagen ganz normal, in Deutschland können zumindest Aktionäre ein sogenanntes Musterverfahren beantragen. Dabei wird eine Klage verhandelt, an deren Ausgang sich dann andere Klagen orientieren. VW-Chef Matthias Müller hält das auch für ein Geschäftsmodell von Juristen: „Wir sehen dem ganz gelassen entgegen.“ Viele Autofahrer in Europa versuchen, ihre Verfahren über eine niederländische Stiftung bündeln zu lassen. Der US-Staranwalt Michael Hausfeld kündigte an, im Namen von Kunden und Unternehmen in Deutschland gegen den Konzern vorgehen zu wollen.

Klagen der US-Behörden

Zum Jahresbeginn hat das US-Justizministerium eine Klage gegen VW vorgelegt. Dabei geht es um die Manipulationen an Dieselautos, dem Konzern werden aber auch Tricksereien und Täuschung in der Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen. Theoretisch drohen laut der Klageschrift 45 Milliarden Dollar Strafe plus eine möglicherweise milliardenschwere Zahlung im Ermessen des Gerichts. VW will sich mit Verweis auf die laufenden Verfahren nicht dazu äußern. Berichten zufolge weitete das Ministerium seine Ermittlungen nun auf den Verdacht auf Bankbetrug und mögliche Steuergesetzes-Verstöße aus. Volkswagens US-Chef Michael Horn trat überraschend zurück.

Betrugsanzeigen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nach den Manipulationen von Stickoxidwerten gegen inzwischen 17 Beschuldigte wegen Verdachts auf Betrug und unlauteren Wettbewerb. Darunter ist nach wie vor kein Vorstandsmitglied. Gegen mindestens fünf Personen wird seit dem Herbst wegen möglicher CO2-Falschangaben ermittelt. Der Vorwurf lautet hier vor allem auf Steuerhinterziehung, weil sich die deutsche Kfz-Steuer stark am CO2-Ausstoß orientiert. Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass es noch länger dauert, bis Ergebnisse vorliegen. VW will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Die „Automobilwoche“ zitiert zudem aus einem Brief des Vertriebs- und Marketingchefs von VW Pkw in Deutschland, Thomas Zahn, an die Händler des Unternehmens. Demnach gebe es noch Nachholbedarf bei der Rückeroberung von Vertrauen. „Wir sind auf diesem Weg noch nicht so weit, wie wir es erhofft haben.“

Am Freitag hatte der Konzern seinen weltweiten Absatz für März vorgelegt und dabei einen Rückgang von 0,2 Prozent ausgewiesen. Die Marke Volkswagen verbuchte ein Minus von drei Prozent.

Von

rtr

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