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12.04.2016

15:22 Uhr

Dieselgate

VW muss Passat-Rückruf verschieben

Sorgenkind Passat. Die Rückrufpläne von Volkswagen im Zuge des Diesel-Skandals haben einen weiteren Dämpfer erhalten. Wegen schier unlösbarer Probleme bei der Software-Umrüstung will VW nun den Zeitplan ändern.

Volkswagen muss seine Pläne für den Diesel-Rückruf abändern. dpa

Abgasuntersuchung bei Golf-Diesel

Volkswagen muss seine Pläne für den Diesel-Rückruf abändern.

WolfsburgDer Diesel-Rückruf des VW-Passats infolge der Abgas-Krise droht nun endgültig zum Desaster zu werden. Trotz wochenlanger Nachprüfungen sowie Nachbesserungen an der neuen Software ist es Volkswagen bislang nicht möglich, die vorgegebenen Grenzwerte einzuhalten. Nach Angaben eines VW-Sprechers will der Autobauer nun den bisherigen Rückrufplan ändern und andere Fahrzeuge - darunter den Golf - früher in die Werkstätten rufen.

„Wir werden jetzt mit dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sprechen und überlegen, wie wir das nächste Cluster konkret vorziehen können“, hieß es am Dienstag aus Wolfsburg auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Wann die ersten Golf-Modelle dann in den Werkstätten auftauchen könnten, sei letztlich aber abhängig von einer Genehmigung der Behörde. Aus Konzernkreisen war zu hören, dass optimistische Stimmen noch auf grünes Licht im April hofften.

Die juristischen Baustellen von VW

Aktionäre fordern Entschädigung

Die VW-Aktie stürzte nach dem Ausbruch der Abgas-Affäre ab, viele Anleger wollen sich ihre Verluste vom Unternehmen erstatten lassen. Ihr Argument: VW hätte deutlich früher über die Probleme informieren müssen, weil Kursabschläge drohten. Mittlerweile haben auch Großanleger entsprechende Klagen lanciert, darunter der größte US-Pensionsfonds Calpers und die Sparkassen-Fondstochter Deka. Der Vermögensverwalter AGI – eine Allianz-Tochter – erwägt die Teilnahme an einer Sammelklage. VW bekräftigte seine Auffassung, alle Pflichten befolgt zu haben.

Klagen einzelner VW-Besitzer

Weltweit wollen VW-Fahrer Schadenersatz einklagen. Das Landgericht Bochum urteilte in einem ersten deutschen Verfahren zwar, dass die Software-Manipulationen keine Pflicht zur Rücknahme der verkauften Autos nach sich ziehen. Manche Anwälte glauben jedoch, dies müsse noch keine Richtungsentscheidung sein. Enttäuschte VW-Kunden machen einen Wertverlust der Fahrzeuge geltend - etwa falls sich Leistungs- oder Verbrauchsdaten durch die notwendigen Umrüstungen verschlechtern. Volkswagen betonte allerdings mehrfach, alle betroffenen Autos seien „technisch sicher und fahrbereit“.

Sammelklagen

Viele Kanzleien buhlen darum, VW-Aktionäre und -Kunden vor Gericht vertreten zu dürfen. In den USA sind Sammelklagen ganz normal, in Deutschland können zumindest Aktionäre ein sogenanntes Musterverfahren beantragen. Dabei wird eine Klage verhandelt, an deren Ausgang sich dann andere Klagen orientieren. VW-Chef Matthias Müller hält das auch für ein Geschäftsmodell von Juristen: „Wir sehen dem ganz gelassen entgegen.“ Viele Autofahrer in Europa versuchen, ihre Verfahren über eine niederländische Stiftung bündeln zu lassen. Der US-Staranwalt Michael Hausfeld kündigte an, im Namen von Kunden und Unternehmen in Deutschland gegen den Konzern vorgehen zu wollen.

Klagen der US-Behörden

Zum Jahresbeginn hat das US-Justizministerium eine Klage gegen VW vorgelegt. Dabei geht es um die Manipulationen an Dieselautos, dem Konzern werden aber auch Tricksereien und Täuschung in der Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen. Theoretisch drohen laut der Klageschrift 45 Milliarden Dollar Strafe plus eine möglicherweise milliardenschwere Zahlung im Ermessen des Gerichts. VW will sich mit Verweis auf die laufenden Verfahren nicht dazu äußern. Berichten zufolge weitete das Ministerium seine Ermittlungen nun auf den Verdacht auf Bankbetrug und mögliche Steuergesetzes-Verstöße aus. Volkswagens US-Chef Michael Horn trat überraschend zurück.

Betrugsanzeigen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nach den Manipulationen von Stickoxidwerten gegen inzwischen 17 Beschuldigte wegen Verdachts auf Betrug und unlauteren Wettbewerb. Darunter ist nach wie vor kein Vorstandsmitglied. Gegen mindestens fünf Personen wird seit dem Herbst wegen möglicher CO2-Falschangaben ermittelt. Der Vorwurf lautet hier vor allem auf Steuerhinterziehung, weil sich die deutsche Kfz-Steuer stark am CO2-Ausstoß orientiert. Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass es noch länger dauert, bis Ergebnisse vorliegen. VW will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Mit Blick auf das Sorgenkind Passat brauchen die Besitzer der rund 160.000 2,0-Liter-Fahrzeuge, die in dieser Welle von der illegalen Software befreit werden sollen, weiter viel Geduld. Parallel zu den Golf-Plänen würden die Nachprüfungen beim Passat weitergehen. „Dies wird aber noch einige Wochen dauern. Zudem müssen wir die Software weiter überarbeiten, um die Fahrzeuge den Vorgaben entsprechend umrüsten zu können“, erklärte der Sprecher.

Zum Zeitkorridor beim Passat wollte sich VW aber nicht äußern. Wie zu hören war, könnte sich der Rückruf noch bis in den Juni verzögern. Eigentlich sollte er schon Anfang März anlaufen. Doch das KBA verweigert seit Wochen die Freigabe. Offizielle Gründe nennen dafür weder VW noch das KBA. Nach dpa-Informationen gab es wiederholt Probleme mit Verbrauchswerten. Demnach soll der Diesel-Verbrauch nach dem Aufspielen der neuen Motorsoftware leicht gestiegen sein. Darüber hinaus soll das Amt von Volkswagen neben den obligatorischen Prüfstandskontrollen auch zeitintensive Straßentests verlangt haben.

Boni-Streit bei VW: Für Volkswagen tickt die Uhr

Boni-Streit bei VW

Für Volkswagen tickt die Uhr

Die Entscheidung um die Boni für die VW-Vorstände ist verschoben. Viel wichtiger wäre indes eine Einigung mit den US-Behörden. Erst dann kann sich der Konzern richtig an die Aufarbeitung des Dieselskandals machen.

Mitglieder des Aufsichtsrates äußerten sich enttäuscht. „Das ist eine Katastrophe, schon wegen der Außenwirkung“, sagte einer der Aufseher. Letztlich sei aber eine nachhaltige Umrüstung wichtiger als die Einhaltung von Zeitplänen. Im Konzern sorgen die wochenlangen Verzögerungen dennoch für Sorgenfalten. Der Vorstand soll aber bereits die klare Ansage gemacht haben, dass der Diesel-Rückruf trotzdem wie geplant in diesem Jahr abgeschlossen werden soll.

Der Rückruf infolge der Diesel-Affäre hatte im Januar zunächst mit dem VW-Pickup Amarok begonnen. Von den rund 8500 Autos konnte bereits ein Großteil überarbeitet werden. In der vergangenen Woche hatte das KBA zudem die Freigabe für die ersten Modelle von Audi und Seat gegeben. Die Besitzer von rund 90.000 Audi A4, A5, A6 und Q5 sowie dem Seat Exeo dürften in den kommenden Tagen Post bekommen und dann Werkstatttermine vereinbaren. Weltweit hatte Volkswagen bei mehr als elf Millionen Autos die verbotene Software eingebaut, die bei Tests die Verbrauchswerte nach unten korrigieren. In Deutschland müssen deshalb rund 2,5 Millionen Autos umgerüstet werden.

Von

dpa

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