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15.10.2015

16:55 Uhr

Dieselgate

VW ruft europaweit 8,5 Millionen Diesel zurück

Neuer Tiefschlag für Volkswagen: Das Kraftfahrt-Bundesamt lehnt für Deutschland den Plan des Konzerns für einen freiwilligen Rückruf ab. Die Folge: Volkswagen ruft die betroffenen Diesel-Fahrzeuge aus ganz Europa zurück.

Anordnung vom Kraftfahrt-Bundesamt

VW muss Millionen Autos zurückrufen

Anordnung vom Kraftfahrt-Bundesamt : VW muss Millionen Autos zurückrufen

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Berlin/FlensburgMillionen Autofahrer müssen wegen des VW-Abgas-Skandals im nächsten Jahr mit ihrem Diesel in die Werkstatt. Der Volkswagen-Konzern ruft im Abgas-Skandal in ganz Europa rund 8,5 Millionen Diesel-Fahrzeuge zurück. 2,4 Millionen davon entfallen auf Deutschland, wie der Konzern am Donnerstag in Wolfsburg mitteilte.
Zuvor hatte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) einen verpflichtenden Rückruf für alle 2,4 Millionen Fahrzeuge mit manipulierter Software in Deutschland angeordnet, wie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Donnerstag in Berlin sagte. Die Großaktion soll Anfang 2016 starten und dürfte sich über Monate hinziehen. Eine freiwillige Reparatur reichte der Behörde nicht aus. Die Halter der betroffenen Wagen müssen erst aktiv werden, wenn sie Post erhalten haben.

Das Bundesamt werde „den Beginn und den Fortgang der Rückrufaktion überwachen“, sagte Dobrindt. Bis Ende Oktober muss Volkswagen der Behörde nun die geplante neue Software für die 2,0-Liter-Modelle vorstellen, bis Ende November die Lösungen für die Fahrzeuge mit 1,6 Litern und 1,2 Litern Hubraum. Betroffen ist vor allem die Kernmarke mit dem VW-Logo, aber auch die VW-Schwestern Audi, Seat, Skoda und einige VW-Nutzfahrzeuge zählen zum Kreis der Marken im Rückruf.

Das KBA hält die Software in den betroffenen Diesel-Fahrzeugen des VW-Konzerns für illegal. Die Behörde vertrete die Auffassung, dass es sich um eine „unzulässige Abschalteinrichtung handelt“, sagte Dobrindt. Er erläuterte, dass 2,4 Millionen Fahrzeuge betroffen sind. Ursprünglich war von 2,8 Millionen Wagen hierzulande die Rede gewesen - dies ergab sich aus den ursprünglichen Zulassungen. Inzwischen seien aber rund 400 000 Wagen nicht mehr unterwegs.

Die Rückrufaktion sei für jeden Halter verpflichtend, sagte Dobrindt. Für konkretere Aussagen zum Zeitplan sei es noch zu früh, da viele technische Details der Nachbesserung in den Werkstätten noch zu klären seien. Die betroffenen Autofahrer bekommen demnächst Post, in den Schreiben wird dann das weitere Vorgehen erklärt. Für den genauen Ablauf in den Werkstätten stünden zudem noch Prüfungen der von Volkswagen vorgeschlagenen Nachbesserungspläne an.

VW-Sparvorschläge

Die fiktive Sparliste

Volkswagen steht mit der Bewältigung des Abgasskandals vor der größten Bewährungsprobe seit dem Wiederaufbau des Wolfsburger Werkes nach dem Jahr 1945. Die finanziellen Belastungen für Bußgelder und Schadensersatz könnten sich auf bis zu 40 Milliarden Euro belaufen, meinen Brancheninsider. Es könnte aber auch doppelt so teuer werden. Daher stehen einige liebgewonnene Posten des Konzerns auf dem Prüfstand. Das ist die fiktive Sparliste.

Das Marketing: Die Party ist vorbei

Feierlichkeiten waren bei Volkswagen bislang vom Allerfeinsten: Auf der Bühne standen gerne mal Robbie Williams, Lenny Kravitz, Mark Knopfler, Lang Lang oder die Pet Shop Boys. Und im Publikum tummelten sich Hollywood-Hüne Ralf Möller oder Sport-Ikonen wie Günter Netzer und Hans-Joachim Stuck. Die Musik für die üppigen Inszenierungen kam von Produzent Leslie Mandoki. Und der Kabarettist Django Asül sorgte für gute Laune. All das wird künftig genauso wenig passend erscheinen wie die Konzernabende im Vorfeld großer Automessen. Weit über tausend Gästen wurde dabei stets ein anderthalbstündiges Happening mit Licht und Showeffekten präsentiert, in dem alle Marken des Konzerns ihre Innovationen präsentierten. Kein anderer Hersteller betreibt nur annähernd einen solchen Aufwand der Selbstinszenierung. So kann Volkswagen auch getrost darauf verzichten. Genauso wie auf die Mini-Autoshows zur Hauptversammlung und zur Bilanzpressekonferenz. Eine zweite Halle im Stil einer Mini-IAA wird angesichts der Sparzwänge sicher kein Aktionär oder Journalist vermissen.

Die Gehälter: Das große und kleine Leiden

Der Aufschrei kam prompt: Die zu erwartenden Einschnitte dürfen nicht zulasten des kleinen Mannes gehen. Dass der kleine wie der große Mann bei Volkswagen künftig weniger in der Tasche haben wird, ist jedoch realistisch. Auffallen wird dies bei den Vorständen, die zuletzt ein Festgehalt zwischen einer und zwei Millionen Euro pro Jahr hatten. Durch eine einjährige variable Vergütung, eine mehrjährige variable Vergütung und eine Vergütung über vier Jahre kam Ex-Chef Martin Winterkorn im vergangenen Jahr sogar auf ein Gesamtsalär von 15,8 Millionen Euro. Andere Mitglieder im Vorstand verdienten um die sieben Millionen Euro. Bei allen dürfte in diesem Jahr mangels Erfolg weit weniger herauskommen. Aber auch das Gros der Belegschaft wird leiden müssen. Eine Ergebnisbeteiligung von 5 900 Euro bekam jeder Mitarbeiter für das vergangene Jahr bei der Marke VW, dazu zwölf Gehälter und ein kleines Urlaubsgeld. Da das Ergebnis schrumpfen wird, sinkt auch die Ergebnisbeteiligung. Die 1 545 Euro, die es immer im November quasi als Weihnachtsgeld gibt, sollen jedoch gezahlt werden.

Das Sponsoring: Der Werksclub steht auf dem Prüfstand

Beim Pokalfinale 2015 demonstrierte der Volkswagen-Konzern seine ganze Fußballmacht: Nicht nur, weil der Werksklub VfL Wolfsburg am Ende den Titel gewann, sondern auch weil selbst der Gegner Borussia Dortmund mit einem VW-Logo auf dem Ärmel auflaufen musste. Der Konzern ist nämlich auch Sponsor des gesamten Wettbewerbs. Mit dem Ausbruch des Abgasskandals soll das Pokal-Sponsoring nun auf den Prüfstand gestellt werden. Beim Werksklub VfL Wolfsburg soll nicht zu stark gespart werden. Für die Bundesliga ist das Volkswagen-Desaster indes ein Problem. Immerhin unterstützt der Konzern 21 von 36 Bundesligavereinen. Am VfL Wolfsburg, dem FC Bayern und dem FC Ingolstadt ist Volkswagen sogar direkt beteiligt. Wie stark der Sparkurs ausfallen wird, ist allerdings noch nicht klar. Die Verträge, die unter dem zurückgetretenen VW-Chef Martin Winterkorn geschlossen wurden, sind unabhängig von der Krise weiterhin gültig.

Die Modelle: Das Ende der Ladenhüter

Der kleine, sportliche Zweisitzer Eos war das erste Opfer – schon vor dem Abgasskandal. Weil er nicht den nötigen Erfolg beim Kunden hatte, wurde er aus dem Programm genommen. Die Luxuslimousine Phaeton könnte es als nächstes treffen. Die für Ende kommenden Jahres geplante Neuauflage ist mehr als fraglich. Das sind aber nicht die einzigen Nischenmodelle, bei denen ein hoher Aufwand nicht mit den Verkaufszahlen korreliert. Das Sportcoupé Scirocco hatte Volkswagen nach 16 Jahren Pause 2008 wieder aufgelegt. Die Verkaufszahlen blieben mit etwa jeweils 23.500 Stück in den vergangenen beiden Jahren jedoch überschaubar. Deutlich mehr, nämlich mehr als 90.000 Stück, wurden zuletzt vom Beetle verkauft, einer Reminiszenz an den kultigen Käfer. Kult sollte auch der Beetle wieder sein. Schließlich war es auch BMW gelungen, den Mini mit einem neuen Konzept zu reaktivieren. Doch verkauft der sich mehr als 300.000 Mal pro Jahr.

Die Aktion dürfte sich bis weit ins nächste Jahr ziehen. Mit dem verpflichtenden Rückruf schaltet sich das KBA stark ein und überlässt ihn nicht allein dem Konzern. Europas größter Autobauer hatte Ende September in Aussicht gestellt, einen umfangreichen Katalog mit „technischen Lösungen und Maßnahmen“ zur Bewältigung des Skandals an das Bundesamt zu senden.

VW plant demnach für die von Manipulationen betroffenen Autos mit 2,0 Litern Hubraum reine Software-Lösungen, bei Motoren mit 1,6 Litern Zylindervolumen sei zudem „mit großer Sicherheit“ zusätzlich eine Anpassung in der Motortechnik nötig - also ein Eingriff nicht nur über die Programmierung. Diese Lösung für die 1,6-Liter-Motoren sei nicht vor September 2016 zu erwarten, sagte Dobrindt. Was mit den kleineren 1,2-Liter-Motoren geschieht, blieb zunächst vage.

Der VW-Konzern betont, dass alle neuen Diesel mit der Abgasnorm Euro 6 nicht von dem Skandal betroffen sind. Zudem seien auch diejenigen Wagen, die nun im Rückruf stehen, technisch sicher und fahrbereit.

VW-Spitzentreffen in Leipzig: Was VW-Chef Müller beim Krisengipfel erwartet

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Die Top-Führungskräfte von Volkswagen treffen sich am Donnerstag hinter verschlossenen Türen in Leipzig. Eigentlich geht es um die Neuausrichtung des Konzerns – doch auf einmal stehen wieder Personalfragen im Brennpunkt.

Der Minister betonte, er gehe davon aus, dass VW in der Lage sei, das Problem zu lösen. „Ob jede einzelne Maßnahme, die jetzt vorgeschlagen ist, geeignet ist dafür, müssen die Fachleute des KBA entsprechend entscheiden.“ Die Anordnungen der Behörde würden vor allem „auch den zeitlichen Faktor betreffen“. VW habe zugesichert, dass den Kunden durch die Umrüstungen keine Kosten entstünden.

Unterdessen kündigte auch Österreich einen verpflichtenden Rückruf an. Dort müssen 363.000 Fahrzeuge in die Werkstatt, beim Zeitplan orientiere man sich an Deutschland, hieß es im österreichischen Verkehrsministerium. Die betroffenen Autofahrer müssten von Porsche Austria verständigt werden.

Kommentare (59)

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Herr Marc Otto

15.10.2015, 10:08 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Marc Otto

15.10.2015, 10:10 Uhr

Und mit der VW Sache geht man ganau so vor.

WIKO war ein dummer aufgeblasener Typ, der von Osterloh, BR und Weil, MP Niedersachsen nur vorgeschoben wurde. Und der naive Herr Porsche hat sich diesen diabolischen Herren auch schnell an die Seite gestellt.

Aber wie üblich, NIE beseitigt man ein Übel an der Wurzel.

Herr stefan kinlel

15.10.2015, 10:10 Uhr

Nachdem nur ganz wenige Personen bei VW lt. Hr. Müller die Verantwortung für das Diesel-Desaster tragen und auch keine weiteren Themen zu erwarten sein dürften, kann man die Berichterstattung hier nun einstellen.
Nichts passiert, alles geklärt, nur weiter so. Und die VW-Beurlaubten kommen zügig zurück in alte Funktion. Alles perfekt in Dieselburg.

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