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21.06.2016

12:17 Uhr

Dieselgate

Weitere Mega-Klage gegen VW

VonVolker Votsmeier

Mehrere Pensions- und Staatsfonds haben beim Landgericht Braunschweig eine weitere Anlegerklage gegen Volkswagen eingereicht. Unter den Klägern ist einer der weltweit größten Fonds. Die Forderung: 700 Millionen Euro.

Abgasskandal

VW wird die Vergangenheit nicht los

Abgasskandal: VW wird die Vergangenheit nicht los

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DüsseldorfDer Pensionsfonds ist knapp 190 Milliarden US-Dollar schwer. Das California State Teachers' Retirement System gilt damit als größter Rentenfonds für Lehrer in den Vereinigten Staaten. Mit ihm bekommt jetzt der VW-Konzern mächtig Ärger: Der Pensionsfonds ist einer von zahlreichen Klägern, die sich zusammengeschlossen haben, um Schadensersatzansprüche gegen VW geltend zu machen.

Die neue Klage ist für VW auch deshalb so bedrohlich, weil sie von einem großen Prozessfinanzierer begleitet wird. Bentham Europe hat die Klage vorbereitet, die auf Prozesse spezialisierte US-Anwaltskanzlei Quinn Emanuel reichte sie nun bei Gericht ein. Neben der 700-Millionen-Euro-Klage ist eine weitere Klage bereits in Vorbereitung. Sie soll ein Volumen von rund einer Milliarde Euro haben. „Die angeblich fehlende Kenntnis des VW-Vorstands von der systematischen Abgasmanipulation ist aus unserer Sicht eine fadenscheinige Schutzbehauptung“, sagt Klägeranwältin Nadine Herrmann.

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Die Investoren werfen dem Konzern vor, in den Jahren 2008 bis 2015 die Steuerungssoftware in Dieselmotoren manipuliert zu haben. Darüber sei der Kapitalmarkt zu spät informiert worden. VW gab erst am 22. September eine erste Pflichtmitteilung, eine sogenannte Ad-hoc-Mitteilung, heraus. Die Aktie brach nach Bekanntwerden des Dieselgate-Skandals teilweise um 40 Prozent ein.

Die Klagewelle ließ nicht lange auf sich warten. Beim Landgericht Braunschweig gehen etliche private und institutionelle Investoren gegen VW vor. Der Streitwert summiert sich inzwischen auf viele Milliarden Euro. Unter den Klägern sind auch etliche Publikumsfonds wie eine Tochter des Versicherungskonzerns Allianz oder die Sparkassen-Tochter Deka. Auch der größte US-Pensionsfonds Calpers will Geld von VW.

Das Landgericht Braunschweig hat bereits angekündigt, die Klagen in einem Musterverfahren zusammenzufassen. Damit wird ein Kläger stellvertretend für alle anderen gegen VW auftreten. Sowohl die Klägeranwälte als auch der VW-Konzern selbst hatten ein solches Verfahren beantragt.

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Befeuert werden die Aktionärsklagen durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Gestern hatte die Behörde mitgeteilt, gegen den früheren VW-Chef Martin Winterkorn und den amtierenden Markenvorstand Herbert Diess wegen des Verdachts auf vorsätzliche Marktmanipulation zu ermitteln. Womöglich haben Winterkorn und Diess tatsächlich zu spät informiert und sich damit strafbar gemacht. Es gilt die Unschuldsvermutung. Doch allein die Tatsache, dass die Staatsanwälte einen Anfangsverdacht sehen, ist Wasser auf die Mühlen der Kläger.

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