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19.05.2017

17:28 Uhr

Dieselgipfel in Stuttgart

Mit dem Fuß auf der Bremse

VonMartin-W. Buchenau

Carl Benz hat einst in Baden-Württemberg das Auto erfunden. 130 Jahre später richtet Ministerpräsident Kretschmann auf dem Autogipfel über dessen Zukunft. Über Fahrverbote für Dieselfahrzeuge schweigt er lieber.

Dieselgipfel in Stuttgart

Ministerpräsident Kretschmann: „Wir müssen eine schnelle Lösung finden“

Dieselgipfel in Stuttgart:  Ministerpräsident Kretschmann:„Wir müssen eine schnelle Lösung finden“

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StuttgartVor 130 Jahren wurde in Baden-Württemberg das Auto erfunden. Seither ist das Ländle der Motor der Autoindustrie in Deutschland – zumindest was Verbrennungsmotoren betrifft. Doch die Vorreiterrolle der Schwaben ist bei der Transformation der Industrie zum selbstfahrenden Elektroauto gefährdet. „Es steht viel auf dem Spiel“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) am Freitag im Marmorsaal des Neuen Schlosses in Stuttgart.

In die alten Gemäuer hatte Kretschmann die Autobosse geladen. Zu Gast waren unter anderen Daimler-Boss Dieter Zetsche, Bosch-Chef Volkmar Denner, Stefan Sommer von ZF und EnBW-Chef Frank Mastiaux. Insgesamt 40 Spitzen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik kamen in Stuttgart zusammen. Es soll der erste Schritt zu einer strategischen Partnerschaft sein, mit der das Ländle die Zeitenwende hin zur Elektromobilität als Klassenbester in der Bundesrepublik angehen will. Rund 230.000 Menschen arbeiten hier in der Autoindustrie. „Wir müssen das schnell und zügig klären, damit diese negativen Diskussionen mal beendet werden“, sagte Ministerpräsident Kretschmann. „Der Wandel vollzieht sich in rasendem Tempo.“

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Gas gibt vor allem die Stuttgarter Politik mit dem geplanten Fahrverbot für Dieselfahrzeuge, die die Abgasnorm Euro VI nicht einhalten. Über das heikelste Thema diskutierten die Teilnehmer allerdings nur am Rande. Zwar sind sich fast alle einig, dass für die technische Transformation viel Teamgeist zwischen Industrie, Wissenschaft und Politik gefragt ist, doch die Zusammenarbeit ist noch ungewiss. Wie belastbar das Experten-Team ist, wird sich bald bei der Frage der Nachrüstung alter Dieselfahrzeuge durch die Autohersteller zeigen.

Dabei geht um sechs Millionen Autos und um Hunderte Millionen Euro. Kretschmanns Verkehrsminister Winfried Hermann fordert, ebenso wie der grüne Oberbürgermeister von Stuttgart Fritz Kuhn, dass die Nachrüstung der Diesel mindestens soviel Luftverschmutzung einsparen muss wie Fahrverbote. Nur dann wolle er auf letztgenannte verzichten. Kretschmann weiß um die Explosivität des Themas und klammerte es deshalb aus. Auf die Frage nach Fahrverboten sagte er: „Wir brauchen da möglichst schnell eine Lösung.“

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Ministerpräsident Winfried Kretschmann lädt zum „Autogipfel“ nach Stuttgart. Mit dabei: Daimler, Bosch, Porsche, Audi und ZF. Die Stadt lebt vom Diesel und leidet unter ihm. Drohende Fahrverbote alarmieren die Branche.

Ein Fahrverbot wäre Gift für die Hersteller von Dieselautos. Bosch-Chef Denner mahnte kürzlich: „Es darf nicht passieren, dass der Umbruch der Branche durch nachteilige Regulierung zeitlich beschleunigt wird, ohne dass es schlüssige Antworten auf diese Fragen gibt.“ Bosch beschäftigt weltweit 50.000 Mitarbeiter in der Dieseltechnologie.

Es gibt jede Menge Zündstoff in der neuen Allianz zwischen Politik und Wirtschaft. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte: „Es ist besser man redet miteinander als übereinander.“ So gesehen war das Gipfeltreffen ein erster Schritt.

„Aber jetzt müssen Taten folgen, sonst ist der Zauber schnell verflogen“, warnte Autoprofessor Willi Diez. Wie schnell konkrete Lösungen aus den Arbeitskreisen kommen, hängt von der Besetzung ab. Die Autobosse haben angekündigt, ihre jeweiligen Entwicklungschefs schicken zu wollen. Doch Firmengeheimnisse werden sie sicherlich nicht mit den Konkurrenten teilen. Also wird es um die Themen Bildung, Ladeinfrastruktur und Projekte für Elektromobilität gehen.

Kommentare (6)

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Herr Gerd St

19.05.2017, 17:46 Uhr

Was solls... Investitionen sind immer der Willkür der Politik ausgeliefert, sei es der Biodiesel, Bioethanol, Sonnenenergie etc wo sogar erst große Subventionen gezahlt wurden und dann, als es unpopulär wurde, einfach mal den Hahn zudrehen.
Grundsätzlich wird jeder Politiker die Gunst der Stunde nutzen und ein aktuelles Thema besetzen, um eben auf dem Rücken dieses seine Lorbeeren ohne Rücksicht auf Verluste zu ernten.
Wenn es opportun ist, wird man eben auch gerne bewährte Technik und damit zehntausende Arbeitsplätze hinten runterkippen.
Und dies unter allen fadenscheinigen Gründen.
Denn die entscheidenen Politiker betrifft es nicht, weder Arbeitsplatzmässig noch kostenmässig.
Wendehälse wohin mal blickt.

Baron v. Fink

19.05.2017, 17:51 Uhr

Investitionen sind immer der Willkür der Politik ausgeliefert,.....

Ha Ha Ha der Wiz der Woche

Frau Edelgard Kah

19.05.2017, 17:56 Uhr

"Es fehlt nicht an Ladestationen, es fehlt an Elektroautos" meint Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn. Ich rate ihm zu längeren Spaziergängen in Stuttgart. Dann wird ihm nicht verborgen bleiben, dass es außer ganz wenigen Alibi-Stationen überhaupt keine Ladestationen gibt. Weder vor den fünfstöckigen Wohnblocks mit Mietwohnungen noch in den Wohnvierteln mit Eigenheimen und Gärten.

Wo nichts ist zum Batterieaufladen, fehlt nicht nur die Möglichkeit zu weiten Reisen. Ohne Strom kann man nicht einmal jeden Tag ein paar Kilometer ins Geschäft fahren. Ohne Strom läuft wirklich nichts. Auch bei Herrn Kuhn.

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