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27.01.2017

12:42 Uhr

Dieselskandal

VW-Kunden müssen Monate auf ihr Geld warten

Im Gegensatz zu Europa zahlt Volkswagen im Abgasskandal betroffenen US-Autofahrern eine Entschädigung – in der Theorie zumindest. Kunden klagen über Wartezeiten von mehreren Monaten. Eine Hinhaltetaktik von VW?

Viele amerikanische Kunden beklagen sich über Volkswagen. Trotz Geld-zurück-Garantie dauert die Rückzahlung der vom Diesel-Skandal betroffenen Fahrzeuge zu lange. Reuters, Sascha Rheker

Volkswagen

Viele amerikanische Kunden beklagen sich über Volkswagen. Trotz Geld-zurück-Garantie dauert die Rückzahlung der vom Diesel-Skandal betroffenen Fahrzeuge zu lange.

DetroitViele amerikanische Kunden des Autobauers Volkswagen erleben derzeit Bremsschwellen der besonderen Art: Wer nach dem Abgasskandal beantragt hat, dass VW das betroffene Auto zurückkaufen soll, wartet unter Umständen mehrere Monate auf sein Geld. Angesichts der massenhaften Anträge halten viele das für ganz normal - andere vermuten jedoch eine Hinhaltetaktik.

Er fühle sich nahezu abgewürgt, erklärt der 42-jährige Eric Larson aus Minneapolis, der drei Monate darauf gewartet hat, dass VW sein Auto zurückkauft. Es geht um einen schwarzen A3 der Luxusmarke Audi, Baujahr 2012. So schnell wie möglich versuchte er nach einem wegweisenden Vergleich vor Gericht, sein Auto abzugeben und meldete sich dafür online an. Dabei gab er zunächst unvollständige Dokumente ab, doch der Konzern versicherte ihm am 15. November, nun alle nötigen Unterlagen zu haben.

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Nach einem Monat Stille hieß es allerdings, Papiere zur Kreditabzahlung des Wagens müssten nachgereicht werden. Er faxte sie. Erst am 18. Januar kam die Antwort - mit einem Angebot von 27 500 Dollar. Er unterzeichnete und schickte es am Tag darauf zurück. Nun wartet Larson aber noch auf einen Termin zur Abgabe seines Autos - was nach VW-Angaben weitere 90 Tage dauern könnte. Für den Autobesitzer ist die Sache relativ klar. Er verdächtigt Volkswagen, den Rückkauf hinauszuzögern. Gängelei nach der Logik: Je mehr Kilometer die Kunden fahren, desto weniger muss der Konzern zahlen. Dieser weist das zurück.

Volkswagen selbst räumt die Verzögerungen ein, macht dafür aber die große Anzahl der Kunden verantwortlich, die den Rückkauf in Anspruch nehmen wollen. Ein Anwalt des Unternehmens teilte dem zuständigen Richter im Fall zum Abgasskandal mit, fast 400 000 Autobesitzer hätten sich in den ersten drei Monaten nach der Einigung für das Rückkaufverfahren angemeldet.

Die Kosten des Dieselskandals für Volkswagen

Teure Folgen

Für die jüngste Einigung mit US-Klägern in Sachen Dieselskandal muss der Volkswagen -Konzern eine weitere milliardenschwere Last schultern. Mindestens 1,2 Milliarden Dollar (umgerechnet 1,1 Milliarden Euro) muss der Konzern rund 80.000 Besitzern großer Dieselautos in den USA mit umweltbelastenden Drei-Liter-Motoren an Schadenersatz und für den Rückkauf eines Teils der Fahrzeuge bezahlen. Die Kosten könnten nach Gerichtsangaben auf umgerechnet bis zu 3,7 Milliarden Euro steigen, sollten die US-Umweltbehörden die Reparatur eines Großteils der Wagen nicht abnehmen. VW selbst geht davon aus, dass die Reparaturen genehmigt werden.

Knapp vier Milliarden Euro müssen die Wolfsburger bereits für Strafen und Bußen in den USA hinblättern. VW hat mitgeteilt, dass dies die bisherigen Rückstellungen übersteigt und die Ergebnisse 2016 belasten könne. Bisher hat der Konzern 18,2 Milliarden Euro für den Skandal um weltweit millionenfach manipulierte Abgaswerte bei Dieselautos zur Seite gelegt. Doch abschließend sind die Kosten noch nicht zu beurteilen. Analysten schätzen, dass der Skandal am Ende zwischen 25 und 35 Milliarden Euro kosten könnte. Die größte Unsicherheit geht von den vielen Anlegern aus, die VW vorwerfen, sie zu spät über Dieselgate informiert zu haben und deshalb Schadenersatz fordern.

Vergleich mit US-Kunden zu größeren Motoren

Kurz vor Weihnachten klopfte VW mit den US-Umweltbehörden einen Kompromiss über die Schadenersatzansprüche für etwa 80.000 Diesel-Wagen mit 3,0-Liter-Motoren fest. Ein Viertel der Geländewagen von Audi, VW und Porsche soll zurückgekauft und weitere knapp 60.000 umgerüstet werden, sobald die Behörden die Freigabe für die technische Lösung erteilen. Die Höhe der Kosten bezifferte Volkswagen nun mit etwa 1,2 Milliarden Dollar. Zuvor waren sie auf eine Milliarde Dollar geschätzt worden. Schultern muss die Kosten die Tochter Audi, weil sie die 3-Liter-Motoren entwickelt hat. Der nächste Gerichtstermin zur vorläufigen Genehmigung ist für den 14. Februar angesetzt.

Strafzahlung in den USA

Mit dem US-Justizministerium einigte sich Volkswagen Anfang Januar auf eine Strafzahlung von 4,3 Milliarden Dollar. Das ist deutlich mehr, als andere Autobauer für Verfehlungen in den USA hinlegen mussten, und auch mehr, als Analysten erwartet hatten.

Vergleich mit US-Kunden zu kleineren Motoren

Im Oktober einigte sich VW mit Hunderten Sammelklägern, Behörden und US-Bundesstaaten über die Höhe der Entschädigung für Käufer von Autos mit den kleineren 2,0-Liter-Dieselmotoren. Das kostet den Konzern bis zu 15,3 Milliarden Dollar (14,5 Milliarden Euro). Der größte Teil entfällt auf den Rückkauf der bis zu 475.000 Fahrzeuge, für den gut zehn Milliarden Dollar reserviert sind. Die tatsächlichen Kosten hängen aber davon ab, wie viele Dieselbesitzer ihre Wagen zurückgeben. Bis vor Weihnachten hatten 104.000 Besitzer in den Rückkauf eingewilligt. Eine Alternative ist die Reparatur der Fahrzeuge. Bisher hat VW die Genehmigung für die Umrüstung von rund 70.000 Autos mit 2,0-Liter-Motor.

Zahlreiche US-Bundesstaaten wollen zudem zivilrechtlich versuchen, einen höheren Schadensersatz durchzusetzen, weil sie mit dem Vergleich nicht zufrieden sind. Dabei geht es um Hunderte Millionen Dollar.

Entschädigung für US-Händler

Seinen rund 650 US-Händlern zahlt VW insgesamt 1,21 Milliarden Dollar Entschädigung, weil sie seit fast einem Jahr keine Dieselautos mehr verkaufen durften. Der Vereinbarung zufolge kauft VW unverkäufliche Diesel-Autos von den Händlern zurück, hält an Bonuszahlungen fest und verzichtet für zwei Jahre auf geforderte Umbauten.

Rückrufe in Europa

Ein großer Brocken ist auch die Umrüstung der rund 8,5 Millionen Dieselautos in Europa. Kostenschätzungen reichen von gut einer bis drei Milliarden Euro.

Entschädigung auch in Europa?

Bundesweit klagen Autobesitzer vor mehreren Gerichten wegen überhöhter Stickoxidwerte auf Rückabwicklung des Kaufs oder Schadensersatz. Allein vor dem Landgericht Braunschweig sind knapp 226 solcher Klagen anhängig. Die auf Verbraucherschutzverfahren spezialisierte Onlineplattform MyRight, die mit der US-Kanzlei Hausfeld zusammenarbeitet, reichte zu Jahresbeginn die erste Musterklage ein. Eine finanzielle Entschädigung der Kunden in Europa lehnt VW ab, obwohl sich Forderungen nach einem ähnlichen Vergleich wie in den USA mehren. Sollten diese dennoch fällig werden, könnte das Volkswagen wegen der viel größeren Zahl betroffener Kunden im Vergleich zu den USA finanziell ruinieren, fürchten Experten. Der Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler geht von einem Wertverlust in einer Größenordnung von 500 Euro je Fahrzeug aus.

Vergleich in Kanada

Kanadischen Kunden zahlt VW 2,1 Milliarden kanadische Dollar an Schadenersatz für Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung

Aktionärsklagen

Weltweit sieht sich Volkswagen zudem mit milliardenschweren Schadensersatzklagen von Investoren und Kleinaktionären konfrontiert. Die Inhaber von Aktien und Anleihen werfen Volkswagen vor, zu spät über das Ausmaß des Abgasskandals informiert zu haben und wollen einen Ausgleich für Kursverluste durchsetzen. Zu den Klägern gehören große US-Pensionsfonds, der Norwegische Staatsfonds, aber auch der Versicherungskonzern Allianz und die Dekabank. Auch die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen klagen wegen Kursverlusten von Pensionsfonds. Beim Landgericht Braunschweig liegen mehr als 1500 Klagen über insgesamt 8,8 Milliarden Euro vor. Dazu soll es ein Musterverfahren vor dem OLG Braunschweig geben. Anlegerklagen muss sich VW auch in den USA stellen.

Teure Anwälte

Die Scharen an Anwälten, die Volkswagen weltweit wegen des Dieselskandals beschäftigt, kosten ebenfalls viel Geld. Der Autoexperte Pieper geht von bis zu einer Milliarde Euro aus, sein Kollege Ellinghorst schätzt die Anwaltskosten auf mehrere hundert Millionen. Auch gegnerische Anwälte muss VW bezahlen – zum Beispiel 175 Millionen Dollar an Juristen, die in den USA die 475.000 Auto-Besitzer mit manipulierten 2,0-Liter-Motoren vertreten hatten.

Quelle: Reuters

Auch eine Anwältin der Autobesitzer hat Verständnis. Die Anfragen seien überwältigend gewesen, sagt Elizabeth Cabraser. Die Situation sei wie bei einer Hausparty, die einen Tag dauere „und jeder Gast kommt in den ersten fünf Minuten.“

Im Oktober hatte der Richter Charles Breyer in San Francisco einer Vereinbarung der Autobesitzer, der US-Regierung und dem Autobauer zugestimmt. Darin erklärte VW, bis zu zehn Milliarden Dollar ausgeben zu wollen, um die vom Dieselskandal betroffenen Autos zurückzukaufen. Diese waren so programmiert, dass sie während staatlicher Abgastests weniger Emissionen ausstießen als dann tatsächlich auf der Straße.

Kommentare (3)

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Herr Thomas Behrends

27.01.2017, 13:45 Uhr

Bei dem unmöglichen Staatskonzern Volkswagen AG verhält es sich wie ich es während eines Betriebsorganisations-Studiengangs von meinem Dozenten vernahm:

Der Kunde steht im Mittelpunkt unseres Interesses ...

... und damit Jedem im Weg!

So in etwa muss es bei VW zugehen!

Account gelöscht!

27.01.2017, 13:56 Uhr

VW war noch nie 1. Wahl, entsprechend wird auch mit demUmgang der VW-Kunden verfahren.

Herr Tante Mila

27.01.2017, 15:04 Uhr

Herr Derkach muss auf eine Uni-Kurs verzichten, weil das Geld nicht da ist? Sehr interessant. Was hätte er denn gemacht ohne Abgasskandal und Rückgabemöglichkeit für das Auto? Manche Beschwerden der armen, armen US-Kunden sind einfach nur noch grotesk.

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