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21.11.2014

03:50 Uhr

DIHK-Schätzung

Bahn-Streik kostet Wirtschaft bislang 500 Millionen

An diesem Freitag trifft sich die Bahn mit den Gewerkschaften GDL und EVG zu Tarifgesprächen. Zuvor warnte der DIHK-Geschäftsführer vor weiteren Streiks vor Weihnachten und einem noch größeren Schaden für die Wirtschaft.

EVG vs. GDL

Bahn will Gewerkschaften Angebot vorlegen

EVG vs. GDL: Bahn will Gewerkschaften Angebot vorlegen

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BerlinDie deutsche Industrie hat unmittelbar vor den Tarifgesprächen bei der Deutschen Bahn vor neuen Arbeitskämpfen gewarnt. „Die vielen Bahnstreiks sind schon jetzt ein Bremsklotz für die Konjunktur“, sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Verbandes DIHK, der „Bild“ vom Freitag laut Vorab-Ausgabe.

„Transport und Arbeitszeit fallen aus, ausbleibende Lieferungen sorgen für Engpässe“, sagte Wansleben. Streiks in der Vorweihnachtszeit wären besonders bitter, denn dadurch würden der Weihnachtsmarkt- und Einkaufstourismus ausgebremst, so der DIHK-Mann. Der Schaden durch die jüngsten Streiks bei der Bahn bezifferte Wansleben allein für die Wirtschaft bei mehr als einer halben Milliarde Euro.

Die längsten Streiks der deutschen Geschichte

Tarifkampf

Im Tarifstreit bei der Bahn hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL mehrfach gestreikt. Der längste Ausstand dauerte 109 Stunden im Güterverkehr und 98 Stunden im Personenverkehr, der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies noch moderat. Es folgt eine Zusammenstellung besonders langer Streiks in Deutschland.

1956/1957

1956/57 dauerte der Streik in der Metallindustrie in Schleswig-Holstein 16 Wochen. 34.000 Beschäftigte setzten sich für eine höhere Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Sie erreichten eine Aufstockung auf 90 Prozent des Nettoeinkommens.

1984

1984 streikten die Beschäftigten der Metallindustrie in Hessen und Baden-Württemberg sieben Wochen lang für die 35-Stunden-Woche. Die Drucker waren bundesweit sogar zwölf Wochen im Ausstand. Die Arbeitgeber reagierten mit massiven Aussperrungen. Am Ende wurde in beiden Branchen die 38,5-Stunden-Woche vereinbart.

1994

1994 legten 100.000 Drucker 17 Wochen lang die Arbeit nieder, um Vorruhestand-Regelungen und einen besseren Gesundheitsschutz sowie eine Gleichstellung von Frauen durchzusetzen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich am Ende nur, über diese Themen zu verhandeln.

2004

2004 blieben in Leverkusen die Busse 395 Tage lang in den Depots, weil die Mitarbeiter einer Tochterfirma der Kraftverkehr Wupper-Sieg (KWS) höhere Löhne verlangten.

2012/2013

2012/2013 streikten Beschäftigte des Verpackungsherstellers Neupack in Hamburg acht Monate lang, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Erreicht wurde eine tarifvertragsähnliche Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

2013

2013 legten Beschäftigte im Einzelhandel über einen Zeitraum von acht Monaten immer wieder die Arbeit nieder, bis Anfang 2014 die letzten Lohn-Abschlüsse unter Dach und Fach waren. In mehr als 950 Betrieben wurde vorübergehend nicht gearbeitet.

Die Bahn und die Gewerkschaften wollen am Freitag einen neuen Versuch zur Lösung des Tarifkonflikts unternehmen. Dafür will die Bahn der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Lokführergewerkschaft GDL jeweils ein Angebot unterbreiten. Mit beiden soll in Frankfurt nacheinander gesprochen werden.

Ziel der Bahn ist es, für eine Beschäftigtengruppe identische Tarifverträge unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft festzulegen. Die GDL will nicht nur für die Lokführer, sondern auch für ihre Mitglieder im übrigen Zugpersonal verhandeln und hat dafür bereits mehrfach gestreikt.

Von

rtr

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