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07.01.2011

15:29 Uhr

Dioxin-Skandal

Die Grenzen der Selbstkontrolle

VonNils Rüdel

Offenbar schon seit März weiß die Futtermittelfirma Harles & Jentzsch von Dioxin in ihrem Produkt. Doch erst Ende Dezember wurde der Fall publik. QS, das Selbstkontrollorgan der Branche, hatte nach eigenen Angaben die ganze Zeit über keinen Schimmer – weil der „Systempartner“ aus Uetersen still hielt. Zweifel an der Effiktivität der Kontrollen weist das Institut zurück.

Huhn mit Ei: "Ungeheurer Energie-Push". Reuters

Huhn mit Ei: "Ungeheurer Energie-Push".

DÜSSELDORF. Im Skandal um Dioxin-verseuchtes Tierfutter stellt sich die Frage nach effektiveren Kontrollen. Am Freitag wurde bekannt, dass belastetes Industriefett der norddeutschen Firma Harles & Jentzsch schon neun Monate länger in der Produktionskette ist als bisher angenommen. Das Brancheninstitut Qualität und Sicherheit (QS) jedoch weist Zweifel an seinen Kontrollsystemen zurück. „Als wir von dem Vorfall erfuhren, haben wir sofort Maßnahmen ergriffen und unter anderem den Betrieb für Lieferungen ins QS-System gesperrt“, sagte Geschäftsführer Hermann-Josef Nienhoff Handelsblatt Online.

QS ist neben den staatlichen Lebensmittelüberwachern eine weitere Kontrollinstanz für die Landwirtschaft. Das Selbstkontrollorgan, gegründet nach dem BSE-Skandal 2011, vergibt Prüfsiegel an alle Futtermittelhersteller. Diese müssen ihre Ware dafür regelmäßig auf allen Produktionsstufen auf Dioxin untersuchen lassen.

„Bis zum 27. Dezember hatten wir von Harles & Jentzsch jedenfalls keine Meldung erhalten“, so Nienhoff weiter. „Sollte die Firma aber bereits früher erhöhte Dioxinwerte festgestellt haben, hätte sie uns das melden müssen.“ Die genauen Umstände prüfe unter anderem zurzeit die Staatsanwaltschaft.

Unterdessen sind die in den vergangenen Tagen bei Harles & Jentzsch sichergestellten Rückstellproben nach Angaben des Kieler Landwirtschaftsministeriums bis zu 77 Mal so hoch belastet wie der zulässige Dioxin-Grenzwert. Die Werte von zehn weiteren Proben reichten von 0,66 bis 58,17 Nanogramm. Der zulässige Grenzwert von 0,75 Nanogramm wurde in weiteren neun Fällen überstiegen.

Harles & Jentzsch hatte nach Ministeriums-Angaben bereits Ende März 2010 bei Proben eines privaten Labors ums Doppelte erhöhte Dioxinwerte festgestellt - die Behörden aber nicht informiert. Auch danach habe es weitere Auffälligkeiten gegeben. „Jede für sich hätte gemeldet werden müssen“, sagte ein Sprecher des schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministeriums. Das sei jedoch nicht geschehen. Die Firma wollte sich unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern.

So habe die niedersächsische Firma Wulfa-Mast, die den Fall durch eine Selbstanzeige am 23. Dezember ans Licht brachte, sich noch Wochen Zeit gelassen. Dem Kunden von Harles & Jentzsch lag das selbst in Auftrag gegebene Laborergebnis laut Ministerium bereits am 27. November vor. „Offenbar wollte Wulfa-Mast zulasten der Landwirte und Verbraucher Schaden für das eigene Unternehmen abwenden“, sagte der Kieler Agar-Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“.

QS-Geschäftsführer Nienhoff versicherte, das System der Qualitätssicherung habe funktioniert. Allerdings sei man als Selbstkontrollorgan eben auch auf die Zusammenarbeit mit den Betrieben angewiesen. „Wir können unsere Systempartner nur dazu anhalten, sich an die Verträge zu halten“, sagte Nienhoff. „Aber menschliche Fehler und auch kriminelle Energien können sie nie ganz ausschließen“.

Kommentare (8)

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Lutz

07.01.2011, 17:25 Uhr

Die Verantwortlichen gehören lebenslänglich wegen Tierquälerei und versuchten Totschlags in eine Zelle gesperrt.





Politiker

07.01.2011, 20:10 Uhr

Welcher Kriminelle zeigt sich selber an? Auch jetzt leben die Verantwortlichen in Saus und braus und brauchen keine Einschränkung ihres Lebensstandard zu befürchten. Täterschutz ist in Deutschland nämlich das höchste Gut dank unsere Politiker und Juristen!

Margrit Steer

07.01.2011, 22:54 Uhr

Wir brauchen Strafen wi in Rußland.
Aber was geschieht bei uns? Die bekommen ien wenig bußgeld was sie aus der Portokasse zahlen und führen ihre betreibe weiter.

Übrigens, wo sind denn jetzt die Grünen die zur Demo auffordern?
Seltsam, für einen bahnhof rennen sie aber wenn es um die Gesundheit der Menschen geht, sind sie ganz still.

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