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05.01.2011

09:31 Uhr

Dioxin-Skandal

Die Spur führt zu altem Frittenfett

VonF. Schmid

Die Ursache für das dioxinversuchte Hühnerfutter ist offiziell noch ungeklärt - für Experten scheint sie allerdings klar. Die Spur führt zu versuchten Altfetten aus Indonesien und China, die in der Biodieselproduktion eingesetzt werden.

Mit Dioxin versuchte Eier: Experten vermuten die Ursache in altem Frittenfett. dpa

Mit Dioxin versuchte Eier: Experten vermuten die Ursache in altem Frittenfett.

DÜSSELDORF. Während offizielle Stellen die Ursache für das dioxinverseuchte Hühnerfutter nicht benannten, tippten Experten auf verseuchtes Altfett in der Biodieselproduktion. "Eigentlich kann das Dioxin nur so in den Prozess gelangt sein", sagte ein Chemiker eines führenden deutschen Forschungsinstituts, der nicht genannt werden wollte.

Die Firma Petrotec verwendet pflanzliche Fette, darunter auch Altfett aus Frittenbuden oder anderen Verwendungen, um daraus Biodiesel herzustellen. Bei der Produktion entstehen als Abfallprodukte Mischfettsäuren, die die Firma zur "technischen Verwendung", zum Beispiel zum Verbrennen, weiterverkauft. In Uetersen bei Harles & Jentzsch aber wurden diese für Tiernahrung verwendet.

Da in keinem dieser Prozesse die nötige Temperatur herrscht, um Dioxin entstehen zu lassen, ist eine Verseuchung während der Produktion bei Petrotec oder bei Harles & Jentzsch höchst unwahrscheinlich. Dagegen könnten Altfette aus anderen Quellen bereits mit Dioxin belastet sein, bevor sie in der Produktion verwendet werden. Fett, das sehr stark erhitzt wurde und mit Stoffen wie PVC in Verbindung war, ist dabei ein Risikofaktor.

Altfette werden lokal gesammelt, aber weltweit gehandelt. Sie kosten auf dem Weltmarkt viel weniger als frisches Raps- oder Palmöl. So kommt etwa altes Fett aus China oder Indonesien nach Europa. Diese Fette für die Herstellung von Biodiesel werden kaum auf belastende Substanzen überprüft. Solange diese als Bestandteile des Biodiesels verbrannt werden, ist dies weitestgehend unbedenklich. In die Nahrungsmittelkette dürfen sie allerdings nicht gelangen.

Kommentare (6)

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Romeo

05.01.2011, 10:42 Uhr

Man stelle sich vor: da wird altes, stinkendes Frittenfett auch China (Entfernung spielt ja keine Rolle) importiert, durchläuft mehrere betriebe in Europa und landet dann vermischt mit anderem Fett als Futter in deutschen Hühnerlegebatterien.

Jetzt wundere ich mich auch nicht mehr weshalb manche Hühnereier eine so schwache Schale haben und im Wasserkocher platzen.

andreas brusdeylins

05.01.2011, 10:44 Uhr

Das ist doch die Perversion in Reinkultur!!

biodiesel mit Dioxin verunreinigt! Dann hat "jeder" etwas davon - wir alle!!!
Der Dieselmotor und der Katalysator muessen erst noch erfunden werden, die das "Futter" vollstaendig verbrennen.



Weltenbummlerin

05.01.2011, 11:18 Uhr

Die Gier frist das Hirn, wenn noch vorhanden. Diese kranken "Manager" vergiften uns alle, um die Redite zu steigern. Der beamtenapparat und die Politik spielen mit und merken in ihrer Dummheit nicht, dass sie auch sich selbst schaden. Eine Revolution rückt immer mehr in die Nähe von Notwehr zum Erhalt des eigenen Lebens.

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