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04.01.2011

10:29 Uhr

Dioxin-Skandal

Futter-Lieferant gesteht „leichtfertiges Handeln“

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit macht den Futterfett-Lieferant Harles & Jentzsch aus Schleswig-Holstein für die Belastung von Tierfutter mit Dioxin verantwortlich. Der Lieferant des mit Dioxin verseuchten Tierfutters hat Fehler bei der Herstellung eingeräumt. Deutschlands Bauern fürchten jetzt einen Millionenschaden.

HB HANNOVER/BERLIN. Durch die Kennzeichnung sei klar gewesen, dass die Ware nur für die technische Industrie, etwa zur Herstellung von Schmiermitteln, geeignet gewesen sei, sagte ein Sprecher des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit dem "Westfalen-Blatt".

Die Belastung von Tierfutter mit Dioxin geht offenbar auf leichtfertiges Handeln eines beteiligten Unternehmens zurück. Der Futtermittelhersteller Harles & Jentzsch aus dem schleswig-holsteinischen Uetersen habe die von einem niederländischen Unternehmen gelieferte Fettsäure zur Herstellung von Futterfett verwendet, sagte der Behrödensprecher der Zeitung. 527 Tonnen davon seien dann an sieben Futtermittelbetriebe in Niedersachsen, drei Futtermittelhersteller in Nordrhein-Westfalen und jeweils einen Hersteller in Hamburg und Sachsen-Anhalt gegangen. Diese Hersteller hätten Höfe unter anderem in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen und Brandenburg beliefert, sagte der Behördensprecher der Zeitung. Das belastete Tierfutter wurde an Legehennen, Puten, Schweine und Ferkel verfüttert.

Harles & Jentzsch kaufte nach eigenen Angaben jahrelang Reste aus der Biodieselherstellung sowie der Nahrungsmittelindustrie auf und verarbeitet sie für Viehfutter. "Wir waren leichtfertig der irrigen Annahme, dass die Mischfettsäure, die bei der Herstellung von Biodiesel aus Palm -, Soja- und Rapsöl anfällt, für die Futtermittelherstellung geeignet ist", sagte Geschäftsführer Siegfried Sievert dem "Westfalen-Blatt".

Das Unternehmen erklärte, das Dioxin stamme aus Fettsäure von einer Anlage der Biodiesel-Firma Petrotec im niedersächsischen Emden, die anschließend zu etlichen Tonnen Futtermittel verarbeitet worden sei. Die Petrotec AG erklärte am Montagabend, die an einen niederländischen Händler gelieferte Fettsäure sei allein zur technischen Verwendung und nicht für die Produktion von Viehfutter bestimmt gewesen.

Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat am Dienstag ein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche von Harles & Jentzsch eingeleitet. Dies sei das Ergebnis der Vorprüfungen, sagte Oberstaatsanwalt Ralph Döpper. Es bestehe der Anfangsverdacht des Verstoßes gegen das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittel-Gesetzbuch. "Es geht um das Herstellen und Inverkehrbringen von Futtermitteln, die die menschliche Gesundheit beeinträchtigen können." Die Ermittlungen liefen mit Hochdruck.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hält die Erklärungen von Harles & Jentzsch für unglaubwürdig. Sie sagte der "Bild"-Zeitung, die Hintergründe der Dioxin-Belastungen müssten jetzt rasch aufgeklärt werden. "Die Erklärungsversuche von Seiten der Verursacher sind aus meiner Sicht wenig glaubwürdig." Aigner begrüßte es, dass sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hat. "Das ist ein Fall für die Justiz."

Kommentare (7)

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Denkerist

04.01.2011, 13:22 Uhr

Warum werden die Tiere nicht einfach mit Futter von der Weide gefüttert?
Warum wird der verbraucher immer mehr betrogen?
Das sog. verbraucherschutzministerim versagt total. Wo bleiben die rechte der bürger, wenn sie richtiges Fleisch und keine ergebnisse der industrie essen wollen.
Pausenlos Skandale und nichts geschieht. Alles für die gewinne der Konzerne.
in anderen Ländern geht es auch!

WPitz

04.01.2011, 13:22 Uhr

Die Sachlage ist wohl völlig klar: Gewinngier ist mit Gaunermethoden befriedigt. Wie immer wird die Justiz eine "brutalstmögliche" Geldstrafe verhängen die aus der Portokasse bezahlt wird, kein Mensch wird vorbestraft sein, nur der dumme Michel muß das Gift schlucken, und die öffentlichen Schwätzer sind natürlich wieder mal höchst betroffen im Labern.

jaja

04.01.2011, 15:14 Uhr

"Wir waren leichtfertig der irrigen Annahme, dass die Mischfettsäure, die bei der Herstellung von biodiesel aus Palm -, Soja- und Rapsöl anfällt, für die Futtermittelherstellung geeignet ist"

Obwohl ausreichend darauf hingewiesen wurde, das dem nicht so ist.
Obwohl sich die Firma seit 20 Jahren mit der Herstellung und Konfektionierung dieser Vorprodukte, auch für dem technischen bereich, beschäftigt.

Obwohl ein eigenes Labor am Standort existiert und somit genügend Fachwissen vorhanden sein dürfte.

Obwohl nach nach iSO 9001 Zertifiziert und Überwacht und mit dem QS - für geprüfte LEbENSMiTTEL werbend.

Und trotzdem wusste keiner so wirklich genau bescheid?

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