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06.03.2006

10:11 Uhr

Dofasco-Zukauf

Thyssen-Krupp könnte Autosparte opfern

Thyssen-Krupp hat die Übernahme des kanadischen Stahlkochers Dofasco im Blick. Um den milliardenschweren Zukauf zu stemmen, könnte der deutsche Konzern seine Autozuliefer-Sparte versilbern. Doch es ist fraglich, ob die Düsseldorfer einen Käufer finden würden.

HB FRANKFURT. Die geschätzten Einnahmen aus einem Verkauf in Höhe von rund 3 Mrd. Euro würden die Kriegskasse von Thyssen-Krupp entscheidend stärken, berichtet das „Wall Street Journal Europe“ am Montag unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Kreise. Neben Autozulieferern könnten nach dem Bericht auch Finanzinvestoren an der Sparte interessiert sein.

Ein Unternehmenssprecher bekräftigte am Montag lediglich, dass es Restrukturierungsbedarf für die Autosparte in den USA gebe. Derzeit würden verschiedene Optionen geprüft. Dabei gehe es neben Umstrukturierungen auch um mögliche Kooperationen oder den Verkauf einzelner Gesellschaften. Der Sprecher verwies jedoch darauf, dass dies nichts mit dem möglichen Kauf des kanadischen Stahlherstellers Dofasco zu tun habe. Die Finanzierung von Dofasco laufe völlig unabhängig von der Automotive-Restrukturierung, sagte er. Weiter wollte er sich zu dem Zeitungsbericht nicht äußern.

Thyssen-Krupp hatte sich unlängst mit dem Weltmarktführer Mittal darauf verständigt, Dofasco für rund 4,6 Mrd. Dollar zu übernehmen, sobald die Kanadier zu Mittal gehören. Mittal hat eine feindliche Kaufofferte für den luxemburgischen Stahlkonzern Arcelor vorgelegt, der im Bietergefecht um Dofasco den Thyssen-Krupp-Konzern ausgestochen hatte. Arcelor wehrt sich gegen eine Übernahme durch Mittal und will seine Position auf dem Stahlmarkt mit Hilfe der Neuerwerbung Dofasco ausbauen.

Branchenkreise rechnen laut „Wall Street Journal Europe“ jedoch nicht damit, dass Thyssen-Krupp seine Autozuliefersparte schnell auf dem Weltmarkt unterbringen kann. Grund seien die aktuellen Schwierigkeiten der Branche. Alleine in den USA hatten in jüngster Zeit vier Zulieferer, Gläubigerschutz beantragt, darunter Branchenprimus Delphi und Dana. Die Autozulieferer leiden unter hohen Materialkosten und zunehmenden Druck ihrer Kunden.

Die Autozuliefersparte von Thyssen-Krupp, die mit rund 42 500 Mitarbeitern vor allem Komponenten für Fahrwerk, Karosserie und Antriebsstrang herstellt, hatte im Geschäftsjahr 2004/2005 einen Umsatz von 7,63 Mrd. Euro und einen Gewinn vor Steuern und Anteilen Dritter von 49 Mill. Euro erwirtschaftet.

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