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01.10.2012

08:27 Uhr

Dominanz der Erdölbranche

In Norwegen wird der Öl-Reichtum zum Problem

Die Erdölfunde vor der Küste bescheren Norwegen großen Wohlstand. Doch der Boom hat Schattenseiten. Die Geschäftswelt ist ganz auf die Ölindustrie ausgerichtet. Außerhalb der Branche haben es Firmen schwer, zu wachsen.

Ölvorkommen bescheren Norwegen enormen Reichtum – doch die Wirtschaft des Landes ruht auf keinen anderen Standbeinen. dpa

Ölvorkommen bescheren Norwegen enormen Reichtum – doch die Wirtschaft des Landes ruht auf keinen anderen Standbeinen.

New York/Oslo Das 1969 vor der Küste Norwegens gefundene Erdöl hat dem Land einen schier unermesslichen Reichtum beschert. Doch der Öl-Boom, den Beobachter mit dem Goldrausch in den USA Ende des 19. Jahrhunderts vergleichen, hat sich für einige eher zu einem Fluch als zu einem Segen entwickelt.

„Es ist wie ein Erdbeben, eine Katastrophe“, sagt Per Swensen, der Bürgermeister von Meloey, einem nördlich des Polarkreises gelegenen Bezirks, dessen 6600 Einwohner sich auf 755 verteilen. Vom Ölreichtum kommt in Meloey nicht viel an und der Solarkonzern Renewable Energy hat aus Kostengründen im März Produktionsanlage mit 200 Mitarbeitern in Glomfjord geschlossen. „Das hat dramatische Konsequenzen“, sagt Swensen.

Orte wie Glomfjord sind Opfer der wachsenden wirtschaftlichen Kluft, die durch das Erdöl in Norwegen geschaffen wurde. Einerseits wurden durch den Boom aus einigen Fischerdörfern reiche Wohnorte, deren Immobilienpreise es mit Zürich und Tokio aufnehmen können. Andererseits ist es nirgendwo in Europa teurer, ein Geschäft zu betreiben. Alle anderen Branchen haben es also sehr schwer, in dem Land etwas aufzubauen.

Die Staaten mit dem größten Öldurst

Rang 10

Taiwan

Der Inselstaat importiert rund 1,0 Millionen Fass Öl am Tag. Ein Fass (Barrel) Öl entspricht rund 159 Litern. Taiwan rangiert auf dem zehnten Platz der Ölverbraucher.

Quelle: Internationale Energieagentur (EIA), Stand: August 2012

Rang 9

Italien

Die Bewohner des Stiefelstaats importieren rund 1,3 Millionen Fass Öl am Tag.

Rang 8

Spanien

Die gleiche Menge Rohöl führt Spanien ein. Dort sind es 1,3 Millionen Barrel am Tag.

Rang 7

Frankreich

Etwas mehr importieren die Nachbarn nördlich der Pyrenäen: Dort sind es 1,7 Millionen Fass Öl täglich.

Rang 6

Südkorea

Noch etwas mehr Öl schnappt sich Südkorea. Das Land importiert 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 5

Deutschland

Der Öldurst Deutschlands ist ähnlich groß wie von Südkorea: 2,3 Millionen Fass Öl importieren die Deutschen täglich.

Rang 4

Indien

Die gleiche Menge des Energieträgers wie Deutschland führt Indien ein. Das aufstrebende Land kommt auf 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 3

Japan

Deutlich mehr Volumen des Energieträgers führen die Japaner ein. Dort sind es 4,3 Millionen Fass täglich. Der Inselstaat ist damit der drittgrößte Ölimporteur der Welt.

Rang 2

China

Noch mehr des Rohstoffs holt die Volksrepublik ins Land. 5,5 Millionen Fass importieren die Chinesen täglich.

Rang 1

USA

Mit Abstand das meiste Erdöl importieren die USA: Mit 8,7 Millionen Fass täglich liegen die Amerikaner an der Spitze.

„Es würde mir besser gefallen, wenn wir mehr als nur ein Standbein heute und in Zukunft hätten“, sagt Hilde Bjoernland, eine Wirtschaftsprofessorin an der Norwegian Business School in Oslo. Andere mögliche Standbeine würden zurzeit allerdings eher abgesägt werden, fügt sie hinzu.

In der Industrieproduktion beträgt der durchschnittliche Stundenlohn etwa 44 Euro - das sind 31 Prozent mehr als in Deutschland und sogar 65 Prozent mehr als in den USA. Den exportorientierten Unternehmen macht zudem die starke Krone zu schaffen, die sich in den vergangenen dreieinhalb Jahren gegenüber einem Währungskorb der wichtigsten Handelspartner um 24 Prozent verteuert hat. Dahinter stand nicht zuletzt der Wunsch von Investoren, sich angesichts der Finanzkrise im ölreichen Norwegen abzusichern.

Außerhalb der Ölbranche fällt es Unternehmen dadurch schwer, zu wachsen und sich zu entwickeln. Von den 20 größten börsennotierten norwegischen Unternehmen wurde lediglich eines in den vergangenen 40 Jahren gegründet, das nicht zur Ölbranche zählt. Es handelt sich dabei um den Krebsmittel-Spezialisten Algeta. Die Hälfte der Konzerne entfällt direkt oder indirekt auf die Ölbranche.

Die Ingenieurin Annett Kildal wurde ungewollt Teil dieses Trends, als sie in der REC-Fabrik in Glomfjord ihren Arbeitsplatz verlor und stattdessen nun den „perfekten Job“ in der Ölbranche 1300 Kilometer südlich in Bergen annahm.

Kommentare (8)

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Pythia

01.10.2012, 09:03 Uhr

Auch Griechenland, an 10. Stelle der Weltrangliste bezüglich Öl- und Erdgasvorkommen, wird wohl in naher Zukunft das gleiche Schicksal leile, wenn der Segen sich nicht schon jetzt sich als Fluch in der griechischen Gesellschaft etablieren würde.

herbert

01.10.2012, 10:43 Uhr

Die Norweger machen alles dicht um bloss nicht nmit dem Euro in Kontakt zu kommen. Kein Euro und auch keine EU !
Diese Arroganz wird in einigen Jahren zum Elend für dieses Land.
Wenn das Oel nicht mehr fliesst wird Norwegen plötzlich das Schutzschild der EU brauchen.

Es gibt ja den Deutschen und seine Regierung, die dann alles bezahlt, damit Norwegen gerettet werden kann.

Burlefot

01.10.2012, 11:25 Uhr

Gesundheitsversorgung ist nicht gratis, die Kosten werden aus Steuermitteln gedeckt und nicht extra ausgewiesen. Erziehung ist auch nicht gratis: Kindergarten kostet Geld. Nachmittagsbetreuung nach den Schule auch.

Dass eine Kranken schwester in Stavanger keine Wohnung findet, ist weniger den Kosten, als verfehlter Wohnungspolitik zuzurechnen - liberalisierter Markt, bei dem Baufirmen und Makler die Preise nach oben druecken.

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