Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.01.2008

17:32 Uhr

Drama in Hessen

Schuhfabrik Rohde: Bilanzen gefälscht

VonSönke Iwersen

ExklusivDie Schuhfabrik Erich Rohde war jahrzehntelang eine Institution im hessischen Schwalmstadt und einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region. Doch im März 2007 stellte die Traditionsfirma plötzlich einen Insolvenzantrag. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft steht fest: Bei Rohde ging es schon seit Jahren nicht mit rechten Dingen zu. Dem Firmenpatriarchen Friedrich Wilhelm Schmitt (73) drohen mehrere Jahre Gefängnis.

Ein aktueller Winterschuh des Schuherstellers Rohde. FOTO: dpa Quelle: dpa

Ein aktueller Winterschuh des Schuherstellers Rohde. FOTO: dpa

HB SCHWALMSTADT. Der deutsche Finanzinvestor Square Four steht kurz vor der Übernahme der Schuhfabrik Erich Rohde im hessischen Schwalmstadt. Wie der Insolvenzverwalter Carsten Koch dem Handelsblatt bestätigte, befinden sich die Verhandlungen in einem fortgeschrittenen Zustand. Ziel sei der Erhalt des Unternehmens. Damit bestätigen sich entsprechende Vermutungen des Branchendienstes „Markt Intern“.

Rohde stellte im März 2007 einen Insolvenzantrag. Betroffen waren 500 Mitarbeiter in Deutschland, 100 in Österreich und 1000 in Portugal. Beim Insolvenzantrag gab der langjährige Geschäftsführer Friedrich Wilhelm Schmitt (73) als Grund für die Misere einen zu milden Winter an. Dies habe das Weihnachtsgeschäft stark beeinträchtigt. Tatsächlich aber rissen ganz andere Probleme die Firma in den Abgrund.

Die Staatsanwaltschaft Marburg ermittelt seit Monaten gegen Schmitt und wirft ihm zahlreiche Vergehen vor – insbesondere Betrugstaten zum Nachteil von Gesellschaftern. Es geht aber auch um Bilanzfälschung und Insolvenzverschleppung. Nach bisherigen Ermittlungen sind die Bilanzen von Rohde seit 2001 falsch. Schmitt versuchte offenbar jahrelang, steigende Verluste durch Scheinbuchungen in zweistelliger Millionenhöhe zu vertuschen. Die Staatsanwaltschaft Marburg gibt gegenüber dem Handelsblatt den Schaden mit mehr als 70 Millionen Euro an. Offenbar habe sich Schmitt aber nicht selbst bereichert, sondern sogar sein privates Vermögen in die Firma gesteckt und verloren.

Die Schuhfirma Rohde wurde 1947 von Erich Rohde gegründet. Die Jahresproduktion liegt bei knapp sechs Millionen Paar Schuhen, der Umsatz inklusive der Lizenzmarke Daniel Hechter umfasst knapp 100 Mill. Euro. 2007 hat Rohde sein österreichisches Werk mit rund 100 Mitarbeitern geschlossen. Die Mitarbeiterzahl in Deutschland sank von 500 auf 400.

Der nun als Käufer im Raum stehende Finanzinvestor Square Four hat seinen Sitz in Frankfurt. Die Gesellschaft ist spezialisiert auf Unternehmensübernahmen aus der Insolvenz Transaktionen bei mittelständischen Unternehmen in Sondersituationen bis 150 Millionen Euro Umsatz. Der Geschäftsführer Lewin Berner sagte dem Handelsblatt, dass Ziel seiner Beteiligung sei jeweils ist die Sanierung und der langfristige Erhalt der übernommenen Unternehmungen. Zu Einzelheiten bei Rohde wollte er sich nicht äußern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×