Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.10.2014

16:53 Uhr

Drei wollen Omega Pharma

Bieterkampf um belgische Pharmafirma

Gleich drei Konzerne würden gern die belgische Pharmafirma Omega Pharma übernehmen, darunter der deutsche Arzneimittelhersteller Boehringer Ingelheim. Der hatte von Großübernahmen bisher immer abgesehen.

Boehringer Ingelheim möchte die belgische Pharmafirma Omega Pharma kaufen. Doch die Konkurrenz ist groß. dpa

Boehringer Ingelheim möchte die belgische Pharmafirma Omega Pharma kaufen. Doch die Konkurrenz ist groß.

Bangalore/FrankfurtDer Arzneimittelhersteller Boehringer Ingelheim ist einem Agenturbericht zufolge an einer Übernahme der belgischen Omega Pharma interessiert. Allerdings habe das Familienunternehmen aus Ingelheim bei Mainz scharfe Konkurrenz.

Denn auch der Generika-Konzern Actavis, die Pharmafirma Perrigo sowie die französische Sanofi hätten ihren Hut in den Ring geworfen, berichtete die Agentur Bloomberg unter Verweis auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Endgültige Angebote für Omega Pharma, die mehr als vier Milliarden Euro Wert sein könnte, seien bis Anfang November fällig.

Bei Actavis und Boehringer Ingelheim waren zunächst keine Stellungnahmen erhältlich. Omega-Pharma-Chef Marc Coucke hatte im Juli erklärt, das Unternehmen prüfe zusammen mit der Beteiligungsfirma Waterland verschiedene Optionen. Einem Insider zufolge wurde dazu das Bankhaus Morgan Stanley engagiert. Die Investmentbank hatte eine Stellungnahme abgelehnt.

Omega Pharma mit Sitz im belgischen Nazareth ist auf frei verkäufliche Arzneimittel und Gesundheitsprodukte spezialiert. Dazu zählen Bodysol-Pflegeduschen, Dermalex-Präparate gegen Hautexzeme, das Allergie-Mittel Prevalin und das Präparat Paranix gegen Kopfläuse. Im ersten Halbjahr erzielte Omega Pharma einen operativen Gewinn von 148,6 Millionen Euro - ein Plus von 22 Prozent binnen Jahresfrist.

Der Umsatz erhöhte sich um sechs Prozent auf 649,8 Millionen Euro. Das Unternehmen war 1987 von zwei Pharmazeuten geründet worden - darunter der aktuelle Konzernchef Coucke. Von 1998 an war Omega Pharma an der Börse in Brüssel gelistet, bis Coucke und die Beteiligungsfirma Waterland 2011 den Rückzug vom Börsenparkett einleiteten.

Rezeptfreie Präparate - in der Fachwelt OTC-Produkte (over the counter) genannt - werfen zwar weniger Marge ab als verschreibungspflichtige Originalmedikamente. Das Geschäft mit solchen Mitteln ist aber weniger risikoreich und liefert zumeist stabile Erträge. Das könnte für Boehringer Ingelheim ein Grund sein, sich Omega anzuschauen. Denn aktuell laufen eine Reihe von Medikamenten aus dem Patent, darunter das Herzmittel Micardis. Mit den Belgiern könnte Boehringer einen Teil der daraus folgenden Umsatzdelle ausbügeln.

Von Großübernahmen hatte der Konzern mit einem Jahresumsatz von rund 14 Milliarden Euro aber bislang Abstand genommen. Boehringer ist im OTC-Geschäft keine unbekannte Größe. Die Sparte Consumer Health Care kam mit Mitteln wie dem Schmerzpräparat Thomapyrin und Zantac gegen Sodbrennen 2013 auf Jahreserlöse von rund 1,5 Milliarden Euro.

Zuletzt gab es einige Milliardendeals in der Pharmabranche. So schluckte Bayer für gut zehn Milliarden Euro die OTC-Sparte des US-Pharmariesen Merck & Co, zu der etwa Coppertone-Sonnencreme, das Allergiemittel Claritin und die Fußpflege-Mittel der Marke Dr. Scholl's gehören.

Der Schweizer Pharmariese Novartis plant mit dem britischen Rivalen GlaxoSmithKline ein Gemeinschaftsunternehmen für solche Produkte, das dann künftig Marken wie Voltaren-Schmerzmittel und die Zahnpasta Sensodyne umfassen würde. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×