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14.01.2010

07:50 Uhr

Drohende Übernahme

Cadbury springen die Helfer gegen Kraft Foods ab

VonKatharina Kort, Katharina Slodczyk

Der britische Schokoladenhersteller Cadbury ist zunehmend auf sich alleingestellt im Abwehrkampf gegen den Lebensmittelanbieter Kraft Foods. Italienische Ferrero will nicht in den Übernahmekampf einsteigen. Kraft selbst zeigt Muskeln und erhöht seine Gewinnprognose.

Dem Schokoladenhersteller Cadbury droht eine Übernahme durch den Lebensmittelanbieter Kraft Foods. Quelle: Reuters

Dem Schokoladenhersteller Cadbury droht eine Übernahme durch den Lebensmittelanbieter Kraft Foods.

HB MAILAND LONDON. Der britische Schokoladenhersteller Cadbury ist zunehmend auf sich alleingestellt im Abwehrkampf gegen den Lebensmittelanbieter Kraft Foods. Der italienische Ferrero-Konzern, Hersteller von Nutella und Rocher, werde nicht für Cadbury bieten, berichteten mit der Situation vertraute Personen.

Ferrero hatte erwogen, das britische Unternehmen gemeinsam mit dem US-Konkurrenten Hershey zu kaufen. Doch man habe sich nicht über eine Aufteilung von Cadbury einigen können, hieß es. Außerdem scheue Michele Ferrero, der 84-jährige Sohn des Unternehmensgründers, die Schulden, die mit der Akquisition einhergehen würden. Offiziell wollte sich Ferrero zu Cadbury nicht äußern.

Vergangene Woche ist bereits der Nahrungsmittelriese Nestlé abgesprungen. Als möglicher weißer Ritter bleibt jetzt nur noch Hershey übrig. Doch Marktbeobachter bezweifeln, dass Hershey ohne Unterstützung von Ferrero oder Nestlé den Cadbury-Kauf stemmen kann. Kraft bleibt daher im Moment der einzige und auch aussichtsreichste Bieter.

Der Hersteller von Philadelphia-Käse, Jacobs-Kaffee und Milka-Schokolade, will 10,4 Mrd. Pfund (knapp zwölf Mrd. Euro) für Cadbury zahlen, das entspricht dem Zwölffachen des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Cadbury lehnt die Offerte als viel zu niedrig ab und stützt diese Argumentation mit kräftigen Zuwächsen bei Gewinn und Umsatz. Zudem hat das Unternehmen den Aktionären eine um zehn Prozent höhere Dividende versprochen.

Am heutigen Donnerstag legt Cadbury nach Börsenschluss in London detaillierte Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vor. Danach ist Kraft am Zuge: Bis Dienstag kommender Woche müssen die Amerikaner gemäß den britischen Regeln für Firmenübernahmen ihr endgültiges Angebot vorlegen. Bis 2. Februar haben die Cadbury-Eigentümer Zeit, die Offerte anzunehmen. Bislang haben sich 1,5 Prozent der Aktionäre dafür entschieden.

Der Großteil hofft dagegen auf einen Nachschlag. Auch Analysten fordern, Kraft müsse seine Offerte von etwa 765 Pence je Cadbury-Aktie auf mehr als 800 aufbessern. Außerdem müsse der Konzern seinen Baranteil erhöhen, um bei Cadbury zum Zuge zu kommen, sagte Martin Deboo von Investec Securities.

Um die Übernahme von Cadbury zu finanzieren, hat Kraft sein Tiefkühlpizzageschäft für 2,6 Mrd. Euro an Nestlé verkauft. Am Dienstag gab der US-Konzern bekannt, dass er 2009 einen höheren Gewinn erwirtschaftet hat als erwartet. Kraft rechnet mit wenigstens zwei Dollar je Aktie für 2009. Ursprünglich war von 1,97 Dollar je Aktie die Rede.

Im Abwehrkampf gegen den Lebensmittelmulti bekommt Cadbury erneut Schützenhilfe von der Politik. Wirtschaftsminister Peter Mandelson hat heimische Großinvestoren wie den Versicherungskonzern Standard Life zu Gesprächen eingeladen. Er will diese offenbar darum bitten, britische Unternehmen vor feindlichen Übernahmen zu schützen. Mandelson hat sich bereits vor einem Monat in das Übernahmepoker eingeschaltet. Kraft müsse mit Widerstand rechnen, falls der Konzern versuchen sollte, mit Cadbury „einen schnellen Dollar“ zu verdienen, warnte er.

Dass sich die Regierung in Übernahmekämpfe einmischt, ist ungewöhnlich im wirtschaftsliberalen Großbritannien. Doch nachdem die Finanzkrise dem Land zugesetzt hat, werden Stimmen lauter, die fordern: Die wirtschaftliche Zukunft des Landes dürfe man nicht allein der Finanzbranche überlassen, man müsse die Industrie fördern.

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