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17.04.2012

11:28 Uhr

Drohende YPF-Verstaatlichung

Repsol-Aktionäre verlieren Milliarden

Die von Argentiniens Regierung angestrebte Verstaatlichung der Repsol-Tochter YPF sorgt in Spanien, bei der EU und bei Anlegern für Empörung. Die Folgen der Enteignung wären in mehrfacher Hinsicht gravierend.

Demonstranten reklamieren in Buenos Aires die größte Erdölfirma des Landes für die Argentinier. dapd

Demonstranten reklamieren in Buenos Aires die größte Erdölfirma des Landes für die Argentinier.

Buenos Aires, MadridDie drohende Verstaatlichung der argentinischen Tochter YPF hat Repsol am Dienstag auf Talfahrt geschickt. Die Aktien des spanischen Ölkonzerns fielen um bis zu neun Prozent auf ein 22-Monats-Tief von 15,90 Euro. Dies ist der größte Kurseinbruch seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Repsol verlor damit binnen eines Tages knapp zwei Milliarden Euro an Börsenwert.

Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner hatte am Montag trotz internationaler Proteste angekündigt, sie werde den Kongress um die Zustimmung für eine Übernahme von 51 Prozent der Repsol-Tochter YPF bitten und legte einen entsprechenden Gesetzesentwurf vor. Die Regierung hat die Mehrheit in beiden Parlamentskammern. Energie sei lebenswichtig, begründete Kirchner den Schritt, den Repsol in einer ersten Reaktion als „illegal“ bezeichnete.

In einer Erklärung, die bei einem Treffen der Präsidentin mit ihren Ministern und Gouverneuren verlesen wurde, wird YPF zum „öffentlichen Versorgungsunternehmen“ erklärt. Die verstaatlichten Anteile sollen zwischen dem argentinischen. Staat und den erdölfördernden Provinzen aufgeteilt werden.

Bislang hält Repsol 57 Prozent der YPF-Anteile. Die größte Erdölfirma Argentiniens verfügt über zwei Fünftel der vermuteten Ölreserven des Repsol-Konzerns und steuert rund ein Viertel des Betriebsgewinns bei.

„Die Unwägbarkeiten rund um die Enteignung von YPF wird die Aktie kurzfristig stark belasten“, schrieben die Analysten von Macquarie Equities Research in einem Kommentar. Sobald Klarheit herrsche, könnte sich allerdings eine Chance zum Einstieg eröffnen. Ihre Kollegen von der Citigroup und Merrill Lynch senkten die Kursziele für Repsol auf 20,50 beziehungsweise 23,80 Euro.

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

17.04.2012, 12:07 Uhr

Die natürlichen Ressourcen eines Landes sollten generell nicht privaten Unternehmen überlassen werden. Insbesondere im Energiesektor. Die Liberalisierungswelle der letzten 20 Jahren hat nicht zu einem höheren Wettbewerb geführt, im Gegenteil! Auch in Deutschland beherscht ein Oligopol den Markt.

TheStatesman

17.04.2012, 12:29 Uhr

Öl und Gewinne gehören Repsol, denn der Staat Argentinien hat das Öl mitsamt der YPF in den 1990ern aus freien Stücken an Repsol verkauft.

Tricheur

17.04.2012, 12:51 Uhr

Das ist der Wind der über Rohstoffunternehmen demnächst auf der Welt wehen wird, entweder Verstaatlichung wie in Afrika, Venezuela und jetzt Argentinien oder wie in Australien hohe Steuern.
Das ist aber berechtigt da Rohstoffe allen Menschen gehören nicht nur Konzernen oder Aktionäre und diese mehr an den Gewinnen beteiligt werden müssen.

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