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21.03.2014

09:24 Uhr

Druckmaschinenhersteller

Koenig & Bauer mit Verlust trotz Sparprogramm

Koenig & Bauer rutscht weiter in die Krise. Der Maschinenbauer muss einen Verlust von 138 Millionen Euro verzeichnen. Ein wichtiges Marktsegement ist in den vergangenen Jahren um drei Viertel geschrumpft.

Walzen von Druckmaschinen werden zum Beispiel in der Würzburger Montagehalle des Druckmaschinenherstellers Koenig und Bauer bearbeitet. dpa

Walzen von Druckmaschinen werden zum Beispiel in der Würzburger Montagehalle des Druckmaschinenherstellers Koenig und Bauer bearbeitet.

MünchenDer krisengeschüttelte Druckmaschinen-Hersteller Koenig & Bauer hat 2013 tiefrote Zahlen geschrieben. Vor Steuern türmte der Würzburger Konzern nach Angaben von Freitag einen Verlust von 138,1 Millionen Euro auf. Vor Jahresfrist stand noch ein Plus von 3,7 Millionen in den Büchern. Analysten hatten mit geringeren Verlusten gerechnet. Netto belief sich der Fehlbetrag auf 153,7 Millionen Euro, nach einem Mini-Gewinn von 400.000 Euro im Jahr zuvor. Die Aktionäre gehen deshalb leer aus und bekommen keine Dividende. Beim Umsatz erfüllte der Maschinenbauer die Erwartungen. Die Erlöse gingen um 15 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro zurück.

Koenig & Bauer (KBA) nannte eine Vielzahl von Gründen für die Rückgänge: Krise in Europa, weniger Wachstum in Schwellenländern, negative Währungseffekte und die seit Jahren andauernde Branchenkrise. Als zweitgrößter Druckmaschinenbauer der Welt leiden die Würzburger wie ihre Konkurrenten darunter, dass das Internet Printmedien wie Zeitungen, Zeitschriften oder Katalogen nach und nach das Wasser abgräbt. Schmökern oder Stöbern lässt sich auch online und noch dazu kostenlos. Immer weniger Verlage bestellen daher neue Druckmaschinen. Der Markt für Rotationsanlagen ist laut KBA seit 2006 um fast drei Viertel geschrumpft. 2013 ging zudem der Boom bei Anlagen für den Druck von Banknoten zu Ende, der den Konzern jahrelang in der Gewinnzone gehalten hatte.

Die größten Maschinenbauer Deutschlands

Platz 10 – Rolls-Royce Power Systems

Umsatz 2012: 3,02 Milliarden Euro

Die deutsche Firma mit Hauptsitz in Friedrichshafen hieß bis Januar 2014 noch Tognum. Sie bietet Dieselmotoren und Antriebssysteme an und ist seit 2007 an der Börse notiert.

Platz 9 – SMS Group

Umsatz 2012: 3,24 Milliarden Euro

Die SMS Group ist der Dachgesellschaft SMS Holding GmbH untergeordnet und verarbeitet Stahl und Nichteisenmetalle. Alleinaktionär ist die Familie um den deutschen Unternehmer Heinrich Weiss.

Platz 8 – MAN

Umsatz 2012: 4,26 Milliarden Euro (MAN Power Engineering)

Die „Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg“ wurde bereits 1758 gegründet und war zunächst für Eisenverarbeitung zuständig. Seit 2011 hält Volkswagen die Mehrheit am Konzern.

Platz 7 – Knorr-Bremse

Umsatz 2012: 4,3 Milliarden Euro

Das größte Unternehmen für Bremssysteme von Schienen- und Nutzfahrzeugen wurde 1905 gegründet und ist nicht an der Börse notiert. Der Hauptsitz liegt in München.

Platz 6 – Kion

Umsatz 2012: 4,73 Milliarden Euro

Die Wiesbadener Kion Group wurde 2006 gegründet, baut Gabelstapler und Lagertechnikgeräte. Sie ging aus der Linde AG hervor und ist seit 2013 an der Börse.

Platz 5 – Thyssen-Krupp

Umsatz 2012: 5,64 Milliarden Euro (Thyssen-Krupp Industrial Solutions)

Deutschlands größter Stahlkonzern sitzt in Essen und entstand 1999 in Folge der Fusion von Hoesch-Krupp und Thyssen. Die historischen Wurzeln reichen in die Phase der industriellen Revolution in Deutschland zurück.

Platz 4 – Gea

Umsatz 2012: 5,72 Milliarden Euro

Das börsennotierte Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Düsseldorf und ist auf die Herstellung von Prozesstechnik und Komponenten im Maschinenbau spezialisiert. Es wurde 1881 gegründet.

Platz 3 – Voith

Umsatz Geschäftsjahr 2012/13: 5,73 Milliarden Euro

Die Wurzeln des Heidenheimer Maschinenbau-Unternehmens gehen bis in das Jahr 1867 zurück. Voith befindet sich im Besitz der Gründerfamilie. Das Unternehmen beliefert unter anderem Wasserwerke, Automobilhersteller und die Papierindustrie.

Platz 2 – Linde

Umsatz 2012: 15,28 Milliarden Euro

Die Linde Group sitzt in München und betreibt weltweit ihr Kerngeschäft mit Gasen und Prozess-Anlagen. Das 1879 gegründete Unternehmen ist börsennotiert und im Dax gelistet.

Platz 1 – Siemens

Umsatz Geschäftsjahr 2012/13: 18,59 Milliarden Euro (Siemens Industry)

Das Dax-Unternehmen mit Sitz in Berlin und München ist Deutschlands größter Technologiekonzern. Die Firma wurde 1847 von Werner Siemens gegründet und setzt den Fokus auf Elektrotechnik.

Weil Koenig & Bauer nicht mehr an eine Erholung der Branche glaubt, wird das Unternehmen umgebaut und der strikte Sparkurs samt Job-Kahlschlag geht weiter. Die Zahl der festen Mitarbeiter - ohne die Beschäftigten bei neu dazugekommenen Tochterfirmen - ging zum Jahresende auf 5347 zurück. Deutlich mehr als 1000 weitere Stellen sollen noch wegfallen, hieß es am Freitag. Zuletzt hatte KBA von bis zu 1500 Jobs gesprochen. Zudem will sich das Unternehmen stärker auf Digital- und industriellen Kennzeichnungsdruck sowie auf das Bedrucken von Verpackungen aus Karton, Blech oder Glas konzentrieren. Die Neuausrichtung werde auch 2014 Kosten verursachen, teilte KBA mit. 2013 schlug sie mit gut 155 Millionen Euro zu Buche.

Wegen dieser Sonderlasten werde auch in diesem Jahr vor Steuern ein Verlust anfallen. Beim Umsatz rechnen die Franken mit einem Rückgang auf einen Wert zwischen 1,0 und 1,1 Milliarden Euro. "Für 2015 erwarten wir jedoch eine signifikante Trendwende in den Ergebniszahlen und spätestens 2016 soll KBA wieder nachhaltig profitabel wirtschaften", bekräftigte Vorstandschef Claus Bolza-Schünemann.

Von

rtr

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