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09.12.2011

15:06 Uhr

Druckmaschinenhersteller

Koenig & Bauer signalisiert Interesse an Manroland

Eine Woche nach der Pleite kann der weltweit drittgrößte Druckmaschinenhersteller Manroland offenbar auf eine Übernahme durch einen der großen Konkurrenten hoffen. Ein Lichtblick kommt auch von den Banken.

Banken leihen Manroland ungefähr zehn Millionen Euro. dpa

Banken leihen Manroland ungefähr zehn Millionen Euro.

FrankfurtDer Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer (KBA) hat Interesse an seinem insolventen Konkurrenten Manroland signalisiert. „Wir haben dem Insolvenzverwalter unser Interesse bekundet, Verhandlungen gibt es aber nicht“, sagte Vorstandschef Claus Bolza-Schönemann in Frankfurt. Er ließ offen, welche Teile von Manroland sein Unternehmen übernehmen könnte. KBA konkurriert mit Manroland vor allem bei Rollendruckmaschinen für
Zeitungen.

Manroland hatte vor zwei Wochen Insolvenz beantragt, nachdem die Eigentümer Allianz und MAN kein frisches Kapital nachschießen wollten. Insolvenzverwalter Werner Schneider sucht seitdem nach Interessenten, die das Unternehmen ganz oder in Teilen übernehmen könnten.

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Der Druckmaschinenhersteller Manroland steht kurz vor der Pleite.

Der Industriezweig ist von hohen Überkapazitäten geprägt, eine Konsolidierung ist aus Sicht von Experten zwingend notwendig. Laut Bolza-Schönemann könnten Heidelberger Druck und KBA die gesamten Aufträge von Manroland abdecken. Aber auch dann gäbe es noch Überkapazitäten am Markt, sagte der KBA-Chef, der im Oktober das Amt übernommen hatte.

Die größten deutschen Firmenpleiten

Platz 16

Schlott

Druckerei/1480 Beschäftigte

(Quelle: Statista)

Platz 15

Hansa

Pflegeheim/1600 Mitarbeiter

Platz 14

Mäc Geiz

Discounter/1600 Mitarbeiter

Platz 13

Sellner

Autozulieferer/1600 Mitarbeiter

Platz 12

Escada

Modekonzern/2200 Mitarbeiter

Platz 11

Q-Cells

Solarindustrie/2300 Mitarbeiter

Platz 10

Schiesser

Textilhersteller/2300 Mitarbeiter

Platz 9

Edscha

Autozulieferer/2300 Mitarbeiter

Platz 8

Wadan-Werften

Schiffsbau/2400 Mitarbeiter

Platz 7

Honsel

Autozulieferer/3000 Mitarbeiter

Platz 6

Karmann

Autozulieferer/3400 Mitarbeiter

Platz 5

Quimonda

Chiphersteller/4600 Mitarbeiter

Platz 4

Manroland

Maschinenbauer/6500 Mitarbeiter

Platz 3

Woolworth

Kaufhaus/9300 Mitarbeiter

Platz 2

Schlecker

Drogeriekette/25.000 Mitarbeiter

Platz 1

Arcandor

Handel und Touristik/52.000 Mitarbeiter

Für das kommende Geschäftsjahr stellte er trotz des schwachen Marktumfeldes ein leichtes Wachstum bei Umsatz und Ergebnis in Aussicht. Der Vorsteuergewinn könnte auf rund 20 Millionen Euro klettern.
KBA ist stärker als seine Wettbewerber in Nischenmärkten aktiv. Dazu zählen unter anderen Systeme für Gelddruck und Druck auf Metallwaren.

Seit der Pleite des Konzerns vor zehn Tagen ringt der Insolvenzverwalter Schneider um die Zukunft des Traditionsunternehmens, das neben dem Hauptsitz im bayerischen Augsburg auch zwei große Standorte im hessischen Offenbach und im sächsischen Plauen betreibt. Insgesamt hat Manroland rund 6.500 Mitarbeiter. „Wir brauchen jemanden, der den Markt bereits kennt, in welcher Intensität und welchen Randbereichen auch immer“, sagte Schneider gegenüber der „Welt“.

Die Branche hat insgesamt mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Neben Manroland sind in Deutschland auch die Branchenriesen Heidelberger Druck und Koenig & Bauer daheim. Namen möglicher Interessenten wollte Schneider allerdings nicht nennen.

Hoffnungsschimmer für die Beschäftigten

In der vergangenen Woche hatte die Rettung von Manroland eine erste wichtige Hürde genommen. Ein Konsortium aus 15 Banken stellte dem Augsburger Unternehmen am Freitag einen Massekredit in Höhe von insgesamt 55 Millionen Euro zur Verfügung. Damit kann Manroland zunächst ganz normal weiterarbeiten und seine Verbindlichkeiten gegenüber Kunden und Lieferanten erfüllen. Das Geld stehe „ab sofort zur Verfügung“, sagte Werner Schneider der Nachrichtenagentur dapd. Mit dem Kredit ist Schneider zufolge die Produktion für die kommenden Monate gesichert. Die Arbeitsplätze können nach Einschätzung des Insolvenzverwalters aber nicht alle erhalten bleiben.

Von Staatshilfen für Manroland in einer Situation, in der die gesamte Branche mit massiven Überkapazitäten zu kämpfen hat, hält Koenig & Bauer nichts. „Was wir sehr kritisch sehen, sind staatliche Hilfen für in Probleme geratene Wettbewerber“, sagte Bolza-Schünemann. Die IG Metall hatte von den drei Bundesländern mit Manroland-Werken Bürgschaften gefordert. Sie und die Anteilseigner sollten rasch Hilfen zur Verfügung stellen. Die Manroland-Besitzer Allianz Capital Partners und MAN hatten Manroland pleite gehen lassen, nachdem Kapitalspritzen aufgezehrt waren und die Banken Kredite über 150 Millionen Euro nicht verlängern wollten. Zudem war ein Schweizer Investor als Interessent abgesprungen.

Kommentare (2)

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enttaeuscht

09.12.2011, 18:59 Uhr

Sehr geehrter Herr Diekmann,

So wie ihr Haus das Unternehmen gekauft hat, ist Ansich schon sehr bedenklich. Haben die Mitarbeiter nicht in den Jahren 2006/2007/2008 sogut wie den gesamten Kaufpreis den ACP bezahlt hat zurückgezahlt. Es wurden alle Gewinne aus dem Unternehmen abgezogen und den Mitarbeitern zusätzlich noch das Geld aus der Tasche genommen. Nun sehen Sie zu und lassen ein Unternehmen sterben, als Unternehmer sind Sie in der Pflicht. Gerade unter dem Hintergrund das die Gewinne Jahre lang abgezogen wurden um die Kredite zurückzubezahlen die zum Kauf des Unternehmens aufgenommen wurden.

Jeder Unternehmer geht ein gewisses Risiko ein, aber gerade die Allianz versucht sich da wegzustehlen.

Ich kann die Haltung ihres Hauses nicht nachvollziehen.

printman

09.12.2011, 22:09 Uhr

Zweimal Minus ergeben in dem Falle noch lange kein Plus. Es dürfte sich bei der Aussage Bolza-Schünemanns eher um eine der bekannten KBA-Marketingmaschen handeln: Wir können alles- nur können wir es selten beweisen..."

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