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17.05.2016

16:03 Uhr

Druckmaschinenhersteller

So können selbst Druckereien überleben

VonMartin Wocher, Martin-W. Buchenau

Rechtzeitig zur Weltleitmesse Drupa gibt sich die Branche zuversichtlich: Für die Hersteller von Druckmaschinen geht es langsam wieder aufwärts – neue Techniken und die Digitalisierung helfen dabei.

Maschinenbauer Heidelberger Druckmaschinen blickt optimistisch in die Zukunft. dpa

Druckmaschinen-Hersteller Heideldruck

Maschinenbauer Heidelberger Druckmaschinen blickt optimistisch in die Zukunft.

Düsseldorf/StuttgartFälschungssichere Etiketten, haushohe Plakatwände aus Kunststofffolie mit griffiger Werbebotschaft oder individuelle Botschaften auf handelsüblichen Fußbällen – die Druckindustrie lebt schon lange nicht mehr von Millionenauflagen, sondern sucht ihr Glück in der – meist lukrativeren - Nische. Zum Glück für die Hersteller von Druckmaschinen: Nach Jahren des Niedergangs mit tiefroten Spuren in der Bilanz und einer teilweisen Halbierung der Belegschaft geht es bei Heidelberger Druck & Co. langsam wieder aufwärts.

Rechtzeitig zur Weltleitmesse Drupa, die Ende Mai in Düsseldorf startet, übt sich die Branche in Optimismus. „Der Auftragseingang ist in diesem Jahr deutlich im Plus“, sagte der Chef von Koenig & Bauer, Claus Bolza-Schünemann, jüngst dem Handelsblatt. Er erwartet steigende Umsätze. Den Trend nach oben bestätigt auch Markus Heering, beim Maschinenbauverband VDMA für die Druckindustrie zuständig: „Die Situation hat sich normalisiert“, sagte er am Dienstag. „Für die Druckereien lohnt es sich wieder zu investieren.“

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Jahrelang haben die sich seit der Wirtschaftskrise 2008/9 mit Neuanschaffungen zurückgehalten und angesichts der Überkapazitäten und des ruinösen Wettbewerbs lieber nach und nach ihren Kapitalstock angegriffen. Jetzt müssen sie neue Maschinen kaufen, um den Strukturwandel weiter voranzutreiben und gleichzeitig ihre Konkurrenzfähigkeit nicht zu verspielen. Das durchschnittliche Alter der Maschinen liegt nach Einschätzung des Branchenverbandes VDMA bei über 15 Jahren. Für 2016 erwartet der Branchenverband BVDM nun eine Zunahme der Investitionen um sieben Prozent. „Die Motive für den teilweise kräftigen Anstieg sind primär Ersatzbeschaffung, Kapazitätserweiterung und Rationalisierung“, heißt es bei den Druckern.

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Zur Fußball-EM erreicht die Sammelleidenschaft großer und kleiner Fans ihren Höhepunkt. Neben dem Einzelhandel profitieren davon auch die deutschen Druckereien. Das Nischengeschäft wird für die Branche zum Lichtblick.

Dabei soll ausgerechnet die Digitalisierung für neue Umsätze und Geschäftsmodelle sorgen. Jahrelang galt das Internet jahrelange als potenzieller Totengräber für Maschinenhersteller und Druckereien: Die veränderte Mediennutzung hin zu Onlineangeboten ließ die Auflagen von Zeitungen und Zeitschriften rapide zurückgehen – das Brot-und-Butter-Geschäft beispielsweise für Koenig & Bauer. „Vor zehn Jahren haben wir noch 60 Prozent des Konzernumsatzes in medienorientierten Printmärkten erzielt“, sagte unlängst Bolza-Schünemann. „Heute liegen wir bei gut zehn Prozent.“

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