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10.06.2012

17:44 Uhr

Düsteres Szenario

Die Welt ohne Strom

VonMiriam Schröder

Marc Elsberg beschreibt in seinem Buch „Blackout“, wie eine Welt ohne Strom zu Grunde geht. Das Erschreckende daran: Das Buch ist nicht unrealistisch.

Was wäre, wenn es von heute auf morgen keinen Strom mehr gäbe? Dieses Horrorszenario beschreibt „Blackout“. dpa

Was wäre, wenn es von heute auf morgen keinen Strom mehr gäbe? Dieses Horrorszenario beschreibt „Blackout“.

DüsseldorfGrausam ist zum Beispiel die Szene mit den Kühen, die vor Schmerzen brüllen. Wenn der Strom ausfällt, funktionieren auch die Melkmaschinen nicht. Und weil die Bauern mit den Händen nicht so viele Tiere auf einmal melken können, schwellen die Euter der Kühe langsam an, bis sie platzen. Tausende verenden qualvoll.

Der Tod der Viecher ist nur ein Ausschnitt aus dem Horrorszenario, das Marc Elsberg in seinem Buch "Blackout" entwirft. Eine Gruppe von Terroristen legt mit Hilfe manipulierter Software das europäische und das amerikanische Stromnetz lahm. Als Erstes geht das Licht aus. Dann brechen die Wasser- und die Nahrungsmittelversorgung zusammen, Krankenhäuser müssen den Betrieb einstellen, und die Kommunikation wird gestoppt. Supermärkte und Tankstellen schließen. In den Häusern versagen die Heizungen, in den Atomkraftwerken fallen die Kühlanlagen aus. Mit Waffen verteidigen die Menschen ihr letztes Brot. Nach einer Woche ohne Strom steht die westliche Welt vor dem GAU.

"Blackout" führt dem Leser drastisch vor Augen, wie verwundbar die moderne Zivilisation ist. Ohne Strom funktioniert keine Klospülung, kein Bankautomat und kein Dialysegerät. "Strom ist wie Blut im menschlichen Körper - beide müssen fließen, sonst bricht das jeweilige System zusammen", heißt es in dem Buch. Das "System" ist mehr als ein Netz aus Leitungen. Ihrer Sicherheit beraubt, verlieren die Menschen auch den Glauben an den Staat. In Spanien setzt das Militär die Regierung ab. In Den Haag brennt das Parlament.

Was diesen Roman so ungemein fesselnd macht: Er ist nicht unrealistisch, im Gegenteil. Die Strompreise steigen drastisch. Immer wieder kommt es zu Ausfällen, auch in Deutschland. Vor zwei Wochen erst lag die Schweriner Innenstadt eineinhalb Stunden im Dunkeln. Eon-Chef Johannes Teyssen bezeichnete die Stromversorgung im letzten Winter kürzlich im Handelsblatt als "Ritt über die Rasierklinge".

Mit einem länderübergreifenden Ausfall wie in "Blackout" rechnet zwar niemand ernsthaft. Dennoch hat der Deutsche Bundestag vor zwei Jahren eine Studie erstellen lassen, in der Folgen eines großräumigen Stromausfalls für Deutschland skizziert werden. Elsberg hat sie in sein Buch einfließen lassen. Zudem hat er mit Experten aus der Energie- und IT-Branche und dem Katastrophenschutz gesprochen.

Kommentare (23)

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Novaris

09.06.2012, 09:40 Uhr

Die Welt ohne Strom kann auch ohne Terroranschlag schneller Realität werden, wie Alle denken : Durch einen Sonnensturm (wird erwartet in 2012/2013), der Transformatoren zerstört, die nur sehr zeitaufwändig zu ersetzen sind. (ca. 3 Jahre) Nur Schweden hat sich bisher auf dieses mögliche Szenario eingestellt und vorgesorgt.
Was ist dann mit der Kühlung der Anlagen in den Atomkraftwerken ?? Fukushima X 635 ????

kaielves

09.06.2012, 10:04 Uhr

Liebe Miriam,

die ach-so-unerträglichen Untergangshysteriker predigen das schon lange und sind vorbereitet. Es ist nun auch wahrlich nicht das erste Buch zur Thematik.

Aber schön das nun auch die Qualitätsjournalisten aufschliessen.

Irgendwann seit ihr dann sogar mal auf der Höhe eurer Leser. Das geht aber nicht mit: Überholen ohne einzuholen.

Da aber den Massen, selbst wenn die Szenarien bekannt sind, lieber Kredite für Schafscheiss aufnehmen braucht man nicht weiter missionieren.

Survival of the fittest - wenige kommen recht unbeschadet durch (übrigens nicht zwingend "die Reichen"), viele andere nicht.

Oeconomicus

09.06.2012, 11:22 Uhr

Video-Interview mit Marc Elsberg über
"Blackout. Morgen ist es zu spät"

[7:45 Min]

http://www.youtube.com/watch?v=CgVwmtQuv24

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