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03.02.2012

14:37 Uhr

Durchbruch

Merck erwirbt neuen Krebs-Wirkstoff

Händeringend suchte das Pharmaunternehmen Merck zuletzt nach neuen Medikamenten. Nun haben die Darmstädter sich die Exklusivrechte für einen neuen, vielversprechenden Krebswirkstoff gesichert.

Der US-Pharmariese Merck könnte schon bald ein neues Krebsmedikament vermarkten. dpa

Der US-Pharmariese Merck könnte schon bald ein neues Krebsmedikament vermarkten.

San FranciscoDer Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck verstärkt seinen zuletzt eher dünnen Nachschub an neuen Medikamenten. Merck erwarb jetzt von der in San Francisco ansässigen Biotechfirma Threshold Pharmaceuticals Rechte zur gemeinsamen Entwicklung und zum exklusiven weltweiten Verkauf der Substanz TH-302 zur Krebsbekämpfung. Threshold habe die Option, die Substanz in den USA gemeinsam mit Merck zu vermarkten, teilte das Darmstädter Traditionsunternehmen am Freitag mit. Umsatzerwartungen und Prognosen, wann der Wirkstoff auf den Markt kommen soll, nannte Merck nicht. 

Merck zahlt Threshold zunächst 25 Millionen Dollar. Dazu kommen in diesem Jahr an Entwicklungserfolge geknüpfte weitere 35 Millionen Dollar. Zudem winken Threshold noch einmal 20 Millionen Dollar, wenn eine Studie mit der Substanz zum Einsatz bei Bauchspeicheldrüsenkrebs erfolgreich ist. Die Summe aller potenziellen Meilensteinzahlungen liegt Threshold zufolge bei 525 Millionen Dollar. 

„Durch die Ergänzung unserer Pipeline um TH-302 erhalten wir die große Chance, unser onkologisches Entwicklungsprogramm bei einigen unterschiedlichen Tumortypen zu erweitern“, erklärte Susan Jane Herbert, die bei Merck für die Geschäftsentwicklung der Pharmasparte zuständig ist. Threshold bleibt in den USA für die Entwicklung des Wirkstoffs zum Einsatz bei Weichteilsarkomen hauptverantwortlich. Die Entwicklung der Substanz in allen anderen Krebsarten wollen die Unternehmen gemeinsam angehen. Merck kommt für 70 Prozent der weltweiten Entwicklungskosten auf. Außerhalb der USA liegt der Verkauf des Wirkstoffs allein bei Merck. Threshold soll prozentual zweistellig an den Umsätzen beteiligt werden. 

Die Substanz TH-302 soll dann wirksam werden, wenn in Tumoren Sauerstoffmangel herrscht. Das ist bei vielen festen, bösartigen Geschwüren der Fall, die Gewebe mit niedriger Sauerstoffkonzentration enthalten. Auch bei Lymphomen und bestimmten Leukämietypen soll es diese Unterversorgung mit Sauerstoff geben. Damit käme der Wirkmechanismus von TH-302 bei vielen Krebsarten in Betracht. Im September 2011 begann eine Phase-III-Studie mit der Substanz zum Einsatz bei Weichteilsarkomen. Darüber hinaus wird die Substanz auch in einem Test der Phase II zum Einsatz bei Bauchspeicheldrüsenkrebs erprobt. Zu diesem Test sollen noch im Februar Daten veröffentlicht werden. Neue Medikamente müssen drei Phasen der Erprobung am Menschen bestehen. 

Merck konzentriert sich in seiner Pharmasparte Merck Serono unter anderem auf die Gebiete Krebs, neurodegenerative Erkrankungen, Multiple Sklerose und Fruchtbarkeitsbehandlungen. Da Mercks Pipeline an Neuentwicklungen relativ trocken ist, sucht das Unternehmen derzeit verstärkt nach neuen Wirkstoffen. Vereinbarungen mit kleineren Biotechfirmen sind ein Weg, um sich neue Wirkstoffe zu sichern. Auch das Krebsmedikament Erbitux, ein wichtiger Umsatzträger des Konzerns, entstand aus einer solchen Übereinkunft heraus.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

03.02.2012, 15:44 Uhr

Die Entwicklung eines wirksamen Medikamentes könnte sicher als Durchbruch gewertet werden, der Einkauf der Rechte mit dem Scheckbuch eher nicht. u9x4i5

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