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07.02.2005

09:46 Uhr

Durchschlagende Erfindungen prägen Unternehmenshistorie

Der erste Weltkonzern aus Gütersloh: Miele

VonUli Schulte Döinghaus

Gleich zwei Weltkonzerne beheimatet die ostwestfälische Provinzstadt Gütersloh. Doch während bei Bertelsmann immer wieder mal mit anderen internationalen Standorten liebäugelt, setzt Miele bewusst auf die deutsch-westfälischen Tugenden Qualität, Solidität und Zuverlässigkeit. Die Erfolgsgeschichte eines Familienunternehmens.

HB GÜTERSLOH. In der ostwestfälischen Provinzstadt Gütersloh sind zwei Weltkonzerne gut zu Fuß zu erreichen. Nur eine knappe Dreiviertelstunde braucht ein Spaziergänger, zwei bis drei Kilometer vielleicht, um von der Bertelsmann- zur Miele-Zentrale zu gelangen und damit zu zwei Leuchttürmen deutscher Wirtschaftsgeschichte und -gegenwart.

In der Gütersloher Alltagswahrnehmung spielen beide Unternehmen die ihnen seit jeher assoziierten Rollen. Bertelsmann verkörpert die omnipräsente Weltläufigkeit, ein wenig glamourös hier, ein bisschen kapriziös da und immer mal wieder gut für diskrete Warnungen, man werde vielleicht doch das Hauptquartier nach New York verlagern, wenn nicht ...

Solche Töne sind aus der Unternehmenszentrale der Miele & Cie. KG, Carl-Miele-Straße 29, nie zu vernehmen, jedenfalls nicht öffentlich. Denn Miele gilt in der Stadt als die Verkörperung deutsch-westfälischer Tugenden: Qualität, Solidität, Beständigkeit, Heimattreue, Zurückhaltung und Prinzipientreue – Eigenschaften, mit denen man entweder einen Schützenverein oder ein Unternehmen begründen kann, dessen Produkte in aller Welt Wertschätzung genießen.

Kontinuität ist Trumpf: Bis heute ist das Unternehmen im Familienbesitz. Die Familie Miele besitzt 51 Prozent, die Familie Zinkann 49 Prozent. Inzwischen wird das Unternehmen von den Urenkeln der Gründer geführt.

Miele trug anfangs den komplizierten Namen „Spezialfabrik für Milchzentrifugen, Buttermaschinen, Wasch-, Wring- und Mangelmaschinen“. Dafür warb das junge Unternehmen mit einer einfachen und eingängigen Botschaft: „Immer besser“ – geschmückt mit einem westfälischen Wappenross, seit über 100 Jahren. Die Firmengründer Carl Miele, ein gelernter Maurer, und der Geschäftsreisende Reinhard Zinkann schrieben diesen Slogan 1901 auf die „Hera“, ihre erste Holzbottichwaschmaschine, jenes Haushaltsgerät, das ihren Weltruf begründete. Die Erfindung war, verglichen mit den Kraftwagen und Fluggeräten jener Zeit, keine geniale Tat, aber durchschlagend: Es handelte sich um die Anwendung des Prinzips der Buttermaschine auf Wäschestücke anstatt auf Milchrahm.

Schon wenige Jahre nach Gründung und Ansiedlung in Gütersloh konnten die Gründerfamilien mit einer „Weltmarke“ werben. Zudem konnten sie sich als der bedeutendste Arbeitgeber in Stadt und Region darstellen. Die Zahl der Beschäftigten stieg von 60 im Jahr 1907 auf 1 500 im Jahr 1922.

Damals hüpften die Gütersloher Kinder auf den Straßen zu einem Abzählreim, auf den die Firmenhistoriker bis heute stolz sind: „Meine Mutter hat ’ne Miele, die wäscht alles weiß und rein. Wer von Euch hat keine Miele? Eins, zwei, drei, der muss es sein.“

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