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21.09.2016

20:01 Uhr

E-Mail belastet Audi im Abgas-Skandal

„Ganz ohne Bescheißen“ wird es schwierig

Die Affäre um manipulierte Abgaswerte wird auch für die VW-Tochter Audi immer unangenehmer: „Ganz ohne Bescheißen“ seien die US-Grenzwerte nicht einzuhalten, hieß es demnach im Jahr 2007 in einer E-Mail eines Ingenieurs.

Audi in der Klemme

Aufgedeckt - „Ganz ohne Bescheißen“ arbeitet der Konzern nicht

Audi in der Klemme: Aufgedeckt - „Ganz ohne Bescheißen“ arbeitet der Konzern nicht

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New YorkDie VW-Tochter Audi gerät wegen ihrer Rolle im Abgas-Skandal weiter unter Druck. Bereits 2007 habe ein Ingenieur einem größeren Kreis von Managern des Autoherstellers in einer E-Mail geschrieben, dass man es „ganz ohne Bescheißen“ nicht schaffen werde, die US-Grenzwerte beim Schadstoffausstoß von Dieselwagen einzuhalten. Das berichteten „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR am Mittwoch unter Berufung auf Erkenntnisse der Anwaltskanzlei Jones Day, die im Auftrag des VW-Aufsichtsrats die Dieselaffäre aufklären soll.

Audi war kurz nach Bekanntwerden der Schummel-Vorwürfe gegen VW ebenfalls ins Visier der US-Ermittler geraten. Die Ingolstädter stehen im Verdacht, eine entscheidende Rolle beim Abgas-Schwindel gespielt haben. Audi hat zwar eingeräumt, eine unter US-Recht illegale Software zur Abgaskontrolle eingesetzt zu haben. Eine gezielte Täuschung stritt man bislang aber stets ab. Zu den neuen Details wollte sich ein Audi-Sprecher am Mittwoch nicht äußern.

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Der Audi-Chef galt in der Abgasaffäre bislang als unbescholten. Doch die Beurlaubung seines erst zu Jahresbeginn angetretenen Entwicklungsvorstandes Stefan Knirsch belastet nun auch ihn. Stadlers Rolle ist paradox.

Etwa 85.000 Dieselwagen aus dem VW-Konzern mit größeren 3,0-Liter-Motoren, die von Audi stammen, wurden in den USA mit verbotener Abgastechnik ausgestattet. Der Konzern ringt bei diesen Autos noch immer mit den Behörden um eine Lösung zur Beseitigung der Programme. Bei weiteren rund 480 000 kleineren Dieselwagen mit 2,0-Liter-Motoren hat sich VW bereits mit dem US-Umweltamt EPA und Hunderten weiteren Zivilklägern auf Schadenersatz und einen Plan zum Rückruf oder Rückkauf der Fahrzeuge geeinigt.

VW hatte im September 2015 nach Vorwürfen der EPA eingeräumt, seit 2008 Hunderttausende Dieselwagen in den USA mit einer Betrugs-Software zum Austricksen von Abgastests ausgerüstet zu haben. Dem Bericht von SZ, NDR und WDR zufolge haben die US-Behörden zahlreiche Informationen zusammengetragen, wonach Manager und Ingenieure von Audi an der Entwicklung und der Einführung jener Manipulations-Software beteiligt waren.

Weltweite Untersuchungen von Behörden im Abgas-Skandal

Untersuchungen

...bei der Abgasbehandlung zogen weltweit Untersuchungen von Behörden nach sich. Ähnlich wie das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gingen die Behörden in Frankreich und Großbritannien vor. Die Regierung in Paris stellte bei eigenen Nachmessungen an 86 Modellen deutliche Abweichungen und Normverstöße fest.

Weitere Betrugssoftware...

...konnte die eingerichtete Kommission allerdings nicht nachweisen - auch wenn sie mangels ausreichender Informationen mancher Anbieter nicht ausschließen wollte, dass es sie gibt. Die französischen Autohersteller legten daraufhin ähnlich wie in Deutschland Pläne vor, um die Emissionswerte zu verbessern.

Auch das britische Verkehrsministerium...

...fand bei der Nachmessung von knapp 40 verschiedenen Automodellen keine Hinweise auf betrügerische Manipulationen wie bei VW. Jedoch lagen die Stickoxid-Werte im realen Straßenbetrieb um ein Vielfaches über den Prüfstandswerten.

In den Vereinigten Staaten...

...durchleuchtete die Umweltbehörde EPA die Branche, konnte aber nach eigenen Angaben bislang nur bei Volkswagen Fehlverhalten feststellen. Neben den Wolfsburgern nahmen die Aufseher bislang nur Daimler besonders unter die Lupe. Im April forderte das Justizministerium nach Klagen von US-Anwälten die Stuttgarter auf, das Zustandekommen der offiziellen Abgaswerte in den USA intern und unter Einbeziehung der Behörden zu untersuchen - noch ohne Ergebnis.

Südkorea...

...hatte im November nach dem Bekanntwerden der Abgas-Affäre bei VW ebenfalls verschärfte Untersuchungen an Diesel-Modellen von weiteren Unternehmen angekündigt. Abgesehen von Volkswagen warf die Regierung in Seoul auch Nissan die Manipulation von Abgaswerten vor.

In Japan...

...ordneten Behörden ähnliche Nachtests an. Neben Mitsubishi räumte auch Suzuki Motor ein, eine nicht zulässige Testmethode angewandt zu haben. Betroffen waren 26 Modelle.

In Russland...

...wurden Unterlagen über Abgaswerte von Daimler angefordert. Die Aufsichtsbehörden stellten aber keine Verstöße fest.

In den Niederlanden...

...wollte die Regierung Mitte 2016 über Schadstofftests informieren. Zuvor hatte das Umweltinstitut TNO im Auftrag der Regierung schon Emissionstests bei verschiedenen Modellen durchgeführt. In dem Bericht kam man zu dem Schluss, dass die Stickoxid-Werte auf der Straße vielfach höher waren als im Labor. Die Untersuchung zog bislang jedoch keine Konsequenzen nach sich.

In Italien...

...bekam Volkswagen von der Wettbewerbsbehörde eine Millionenstrafe aufgebrummt. Bei anderen Herstellern hätten Tests dagegen keine Hinweise auf Vorrichtungen zur Manipulation ergeben - auch nicht bei Fiat, hieß es aus dem Verkehrsministerium im Juni. Bei Nachtests des deutschen KBA war Fiat zuvor herausgestochen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht nun die EU-Kommission am Zug, Nachmessungen bei den Modellen durchzusetzen.

Bei der Aufklärung des Skandals gerät das Top-Management zunehmend in den Fokus der Ermittlungen. Wie „Spiegel online“ am Dienstag meldete, gaben Zeugen an, Audi-Chef Rupert Stadler habe bereits im Jahr 2010 von den Manipulationen Kenntnis bekommen. Die Aufklärer von Jones Day wollten ihn dazu ausführlich im Rahmen der internen Untersuchung befragen. Kurz zuvor war Audi-Entwicklungschef Stefan Knirsch ins Visier geraten, weil er von dem Betrug gewusst haben soll.

Von

dpa

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