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03.09.2013

10:04 Uhr

E-Mobilität

Siemens gibt Stromtankstellen auf

Der Traum vom benzinlosen, umweltfreundlichen Fahren – so schön er ist, rentabel scheint er nicht. Siemens gibt sein Geschäft mit Tankstellen für Elektroautos auf. Als Auto-Partner konnte lediglich Volvo gewonnen werden.

Auf deutschen Straßen sind bisher nur wenige Elektroautos unterwegs. Die EU will das ändern und E-Autos auch mittelfristig weiter fördern. Siemens gibt sein Geschäft mit Stromtankstellen trotzdem auf. dpa

Auf deutschen Straßen sind bisher nur wenige Elektroautos unterwegs. Die EU will das ändern und E-Autos auch mittelfristig weiter fördern. Siemens gibt sein Geschäft mit Stromtankstellen trotzdem auf.

MünchenSiemens gibt sein Geschäft mit Tankstellen für Elektroautos auf. „Wir steigen aus diesem Geschäft aus, das stimmt, weil sich der Markt langsamer entwickelt als ursprünglich erwartet“, bestätigte eine Sprecherin am Dienstag einen Bericht der „Welt“. „Wir suchen zusammen mit dem Betriebsrat intern eine Lösung für die Mitarbeiter des Geschäftsfelds.“ Angaben zur Zahl der Betroffenen machte sie nicht.

Siemens hatte Elektro-Mobilität unter dem früheren Chef Peter Löscher zwar groß als Zukunftsthema propagiert, war aber nur zögerlich auf den nach wie vor kleinen Markt für E-Autotechnik vorgedrungen. Als Auto-Partner hatten die Münchner lediglich die schwedisch-chinesische Volvo gewonnen.

Mehr Autos aus der Steckdose

Ziel

Eine Million Elektroautos sollen bis 2020 auf Deutschlands Straßen rollen. Dieses Ziel hatte die Bundesregierung 2009 ausgegeben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigt es seitdem immer wieder. Experten und Manager der Autobranche halten dies jedoch für kaum erreichbar. Mit bestehenden finanziellen Anreizen sei bis 2020 maximal eine Zahl von 600.000 Elektrofahrzeugen denkbar, sagte Henning Kagermann, Chef der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE). Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche teilt diese Einschätzung.

NPE

Zur NPE gehören unter anderem Vertreter von Industrie, Wissenschaft und Politik. Momentan sind in Deutschland über 43 Millionen Pkw zugelassen, 2012 wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) rund 3000 E-Autos neu zugelassen. Momentan fahren 7100 reine Elektroautos auf Deutschlands Straßen und 65.000 Hybrid-Fahrzeuge mit Elektro- und Kraftstoffmotor.

Bisherige Förderung

In Deutschland sind Elektroautos von der Kraftfahrzeugsteuer befreit. Der Zeitraum für diese Steuerbefreiung wurde im Herbst von fünf auf zehn Jahre ausgedehnt. Danach gilt eine Steuerermäßigung von 50 Prozent. Die Forschung im Bereich Elektromobilität wird vom Staat mit 1,5 Milliarden Euro gefördert. Daneben bezuschusst der Bund auch Wasserstoff als Antriebsform.

Künftige Anreize

In Zukunft sollen Elektro-Dienstwagen steuerlich bevorteilt werden. Daneben will Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) für Elektroautofahrer neben finanziellen auch andere Anreize schaffen wie beispielsweise Sonderparkplätze oder die Möglichkeit der Benutzung von Busspuren durch Elektroautos. Denkbar sind demnach auch freie Zufahrtsmöglichkeiten für E-Lieferwagen in Innenstädte.

Kaufprämie

Eine direkte Förderung für den Kauf von Elektroautos lehnt die Bundesregierung weiter ab. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) fordert solche Prämien seit langem. Und auch die Grünen haben einen entsprechenden Zuschuss angemahnt.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

03.09.2013, 10:48 Uhr

Viel zu früh, nach meiner Meinung.

Es ist primitiv, nur auf das schnelle Geld zu schauen. Viele Projekte brauchen einfach viel Zeit, um ihre Durchbruchs-Reife zu entwickeln - entsprechend erfordert es LANGEN ATEM im Vorlauf.

Dass DIE größte wirtschaftliche Potenz Deutschlands diesen großen Trumpf - nachhaltig und langatmig in Vorleistung zu gehen - kaum mehr ausspielt, ist ein
Armutszeugnis für den gesunden Menschenverstand.

Offensichtlich wird dort nur kurzfristiges Rendite-Gegeier angelsächsischer Manier bedient - Deutschlands Tugenden aber liegen u.a. bei 'Soliditiät', 'Verlässlichkeit' und 'Nachhaltiger Treue'.

Rmartin

03.09.2013, 11:51 Uhr

Siemens hat den Trend erkannt: Das Elektroauto auf Batteriebasis ist eine Totgeburt, die nur von den EU-Politikern (vergeblich) am Leben gehalten wird. Es ist im Prinzip das gleiche Drama wie bei der von der EU gepushten Einführung der Energiesparlampe, die - kaum eingeführt - schon von der LED-Technologie ersetzt wird. Die Zukunft gehört dem Elektroauto mit Brennstoffzelle, das wird aber noch eine Weile dauern, alles andere ist nur Nischen- bzw. Übergangstechnologie.

Arno

04.09.2013, 09:52 Uhr

Ich kann das mit der Brennstoffzelle nicht nachvollziehen, der Wirkungsgrad ist schlecht wie ein Verbrenner, Herstellung von Wasserstoff viel Energieaufwendiger als Benzin, seit 50Jahren wird diese "bald" kommen... Mein E-Auto als Familienkutsche fährt seit Jahren brav mit einer Batterie, wo liegt das Problem?

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