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13.03.2011

07:47 Uhr

E10-Kommentar

Biosprit hat große Zukunft

VonThorsten Giersch

Die Politik hält an E10 fest. Das erregt Kritik. Doch langfristig geht es nicht ohne Biosprit. Deswegen brauchen Konzerne Druck, stärker in die Technik zu investieren. Ein Kommentar von Thorsten Giersch..

Griff ins Umwelt-Glück? E10 hatte einen miesen Start. Quelle: dpa

Griff ins Umwelt-Glück? E10 hatte einen miesen Start.

Der Streit um den neuen Biosprit E10 belegt, wie hart der Kampf gegen den Klimawandel in der praktischen Umsetzung ist. Die Einführung des Bio-Sprit E10 geriet zum Desaster. Die Fehler liegen bei der Politik genauso wie bei der Mineralölindustrie: Autofahrer meiden E10, weil sie nicht rechtzeitig informiert wurden und das Image des Bio-Sprits miserabel ist.

Das Kernproblem: Die deutschen Politiker wollen E10 durchsetzen, obwohl der Nutzen für die Umwelt gegen Null geht. Das ist gründlich misslungen. Doch das Spiel ist an dieser Stelle nicht zuende, es beginnt gerade erst. Denn so falsch es derzeit wirkt, so sinnvoll ist das Festhalten am Bioethanol auf lange Sicht. Statt jetzt stur E10 durchzudrücken, müssen Politik und Unternehmen weiter denken und wirklich umweltfreundliche Techniken entwickeln.

Keine Frage: Aus Lebensmitteln wie Mais Benzin zu produzieren, so dass der Hunger auf der Welt genauso verstärkt wird wie die Brandrohdung der Urwaldes, ist Wahnsinn. Aber die Hoffnung liegt ja in den Biotreibstoffen der zweiten Generation. Die werden nicht aus Lebensmitteln, sondern aus Algen und Gräsern gewonnen.

Zwar wird an der Technik längst geforscht, doch das Engagement von Politik und Unternehmen ist eher halbherzig: Die Internationale Energie-Agentur geht davon aus, dass in den nächsten 25 Jahren rund 335 Milliarden Dollar in den Ausbau der Biotreibstoff-Industrie gesteckt werden. Das hört sich viel an, 13,5 Milliarden pro Jahr sind aber zu wenig, um sich rasch genug vom Öl unabhängig zu machen.

Vor allem die Konzerne sind viel zu zurückhaltend. Beispiel Exxon Mobil: Der Ölmulti hat sein Entwicklungsbudget für Bio-Treibstoffe gerade auf 600 Millionen Dollar angehoben. Angesichts der Unsummen, die der Konzern zum Beispiel für die Tiefseebohrungen nach Öl ausgibt, ist diese Summe eher läppisch.

Die Konzerne brauchen Druck Sie investieren nur in Projekte nur dann hinreichend große Summen, wenn sie sich einen finanziellen Vorteil davon versprechen. Vor diesem Hintergrund wäre es ein fatales Signal, wenn die Politik jetzt von den Strafzahlungen abrückt, die Mineralölbetriebe zahlen müssen, wenn sie zu wenig Biosprit verkaufen.

Viel besser wäre es, Biosprit langfristig im Verhältnis zum klassischen Benzin attraktiver zu machen. Das kann nur über den Preis gelingen. Deshalb müssen die Steuern auf Öl steigen. Denn noch ist Biosprit verhältnismäßig teuer und Benzin verhältnismäßig billig - so dass der Preis an der Tankstelle derzeit praktisch gleich ist. Je teurer Benzin wird, desto mehr investieren Ölkonzerne in Biosprit - und umso umweltfreundlicher und billiger wird er damit langfristig.

Ein höherer Ölpreis hätte einen weiteren Vorteil: Der Zwang zur Effizienz würde steigen. Auch wir Deutschen verbrauchen zu viel Öl. Nicht zuletzt die Autos könnten deutlich effizienter sein. E10 sollte für Autofahrer und für die Hersteller zum Feigenblatt werden. Das ging schief. Die Politik muss daraus lernen.

Kommentare (10)

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Comet

13.03.2011, 08:29 Uhr

Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft. Wasser sowie Sonnenenergie sind, solange es Leben auf dieser Erde gibt, in uneingeschränkter Menge verfügbar.

Account gelöscht!

13.03.2011, 10:17 Uhr

Ja, wenn Biosprit nur aus Gras und Algen produziert würde. Aber wir sollten noch einen drauf setzen. Und wenn dieses Gras und die Algen nur in Deutschland produziert werden. Denn nur so können wir gewährleisten, dass in anderen Ländern keine Wälder für unseren Biosprit gerodet werden!

Account gelöscht!

13.03.2011, 10:19 Uhr

Ja, wenn Biosprit aus Gras und Algen produziert würden. Aber wir müssen noch einen draufsetzen: wenn diese in Deutschland produziert werden. Denn nur so können wir sicherstellen, dass durch unseren Mobilitätshunger keine Wälder in fremden Ländern gerodet werden.

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