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11.01.2007

11:02 Uhr

EADS buhlt um Rüstungsauftrag

Wenn Opa vom Krieg erzählt

VonMarkus Fasse

Es geht um den größten Rüstungsauftrag der US-Geschichte: 179 Tankflugzeuge will die Luftwaffe in einer ersten Tranche bestellen – entweder bei Boeing oder bei EADS. Die Europäer gehen mit ihrer Flugzeugtochter Airbus ins Rennen und ziehen dabei alle Register. Selbst Veteranen und Ex-Generäle kommen zum Einsatz.

So soll der A330-Tanker aussehen. Computeranimation: EADS

So soll der A330-Tanker aussehen. Computeranimation: EADS

WASHINGTON. Wenn Charles Coolidge den Raum betritt, dann verteilt er erst einmal Kröten. Der nette, ältere Herr setzt die grünen Stofftierchen gerne als Sympathieträger für seine Sache ein. Sie tragen ein blaues T-Shirt der US Air Force, ihr Ärmel ziert das Sternenbanner. Und auch die Abkürzung auf dem T-Shirt ist immer einen Lacher wert: „Ohne Sprit tritt niemand einem anderen in den Hintern.“ Rätseln die Beschenkten über das merkwürdige Präsent, und sie rätseln oft, dann tritt Coolidge, pensionierter General der US-Luftwaffe, gerne zum Aufklärungsunterricht an. Tanker-Kröten, das sind im Militärjargon Luftbetankungsflugzeuge.

Tanker-Kröten gehören zu Coolidges Familie. Er ist Großvater, am liebsten erzählt Opa vom Krieg. Als der noch kalt war, flog er eine KC-135 von Boeing. Da gibt es viele Anekdoten zu berichten rund um das Kunststück, Kampfjets bei Tempo 800km/h mit einem Saugrüssel in der Luft zu betanken. An der Technik habe sich nichts geändert, sagt Coolidge, sein Sohn fliegt heute noch das gleiche Flugzeug – und genau das ist Großvaters Thema. „Wenn unsere Politiker jetzt nicht handeln“, sagt er, „dann steigt mein Enkel in die gleichen uralten Maschinen.“

Deshalb und für einen kleinen Nebenverdienst verteilt Coolidge Kröten und Argumente in Washington. KC-30 heißt das Tankflugzeug, für das Coolidge die Werbetrommel rühren soll. Seine Auftraggeber sind der amerikanische Rüstungskonzern Northrop Grumman und der europäische Luftfahrtriese EADS. Es geht um den größten Rüstungsauftrag der US-Geschichte. Und das ist EADS viel Geld wert.

Die Lobbyisten der Europäer sind in Washington längst in Stellung gebracht. Während im fernen Europa die EADS-Manager nach dem Desaster um die Lieferverzögerungen und dadurch bedingte Milliardenausfälle beim Riesenairbus A380 noch ihre Wunden lecken, sehen sie in den USA jetzt eine einmalige Chance. Die Dimensionen, die hier in Rede stehen, sind Mitteleuropäern nur schwer zu vermitteln.

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