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29.05.2011

13:57 Uhr

EADS

Gallois will feindliche Übernahme verbieten

Daimler will beim Rüstungskonzern EADS aussteigen, ein neuer Investor ist nicht in Sicht. EADS-Chef Gallois fordert deswegen nun ein Veto-Recht gegen mögliche feindliche Übernahmen - es geht um Europas Sicherheit.

Der Militärtransporter A400M von EADS. Quelle: dpa

Der Militärtransporter A400M von EADS.

FrankfurtAngesichts der Ausstiegspläne von Großaktionär Daimler fordert der Chef des Luft- und Raumfahrtriesen EADS ein Vetorecht gegen feindliche Übernahmen. „Es geht ja nicht um Handtaschen oder Luxusgüter, es geht um eine Industrie von nationalem Interesse. Daher muss es ein Vetorecht gegen feindliche Übernahmen geben“, sagte EADS-Chef Louis Gallois dem Magazin „Focus“ laut Vorabbericht vom Sonntag. Es gebe Wege, den Regierungen von Frankreich und Deutschland den entsprechenden Einfluss einzuräumen.

Daimler hält 15 Prozent der Aktien an EADS selbst und übt die Stimmrechte von weiteren 7,5 Prozent aus, die bei einem Bankenkonsortium liegen. Der Stuttgarter Autokonzern kommt damit auf denselben Stimmenanteil wie der französische Staat und der französische Rüstungs- und Medienkonzern Lagardere zusammen. Daimler hat mehrfach angedeutet, sich von der Hälfte seiner Beteiligung trennen zu wollen. Dabei hatte Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber vor kurzem den Bund als möglichen Aktionär ins Spiel gebracht.

Die Bundesregierung möchte die deutsch-französische Balance im EADS-Eigentümerkreis nicht aufgeben. Da ein privater deutscher Investor, der ein Aktienpaket von Daimler übernehmen könnte, nicht in Sicht ist, wird auch über einen Kauf der Daimler-Anteile durch den Staat diskutiert. Dagegen gibt es in der Regierungskoalition allerdings Vorbehalte.

Nicht nur die künftige Eigentümerstruktur beim Luft- und Raumfahrtkonzern sorgt für Unruhe. Kritik übte EADS-Chef Gallois im Interview mit dem „Focus“ auch am zögerlichen Kurs der Bundesregierung bei Rüstungsprojekten. „In Deutschland warten wir auf mehr Klarheit. Im Moment ist offen, welche Rüstungsvorhaben die Politik vorantreiben will und welche nicht.“ Als Manager wünsche er mehr Informationen: „Selbst schlechte Nachrichten sind besser als Ungewissheit.“

Im zivilen Flugzeugbau erwartet Gallois künftig einen noch härteren Wettbewerb und Allianzen unter den Rivalen: „Um 2020 rechne ich mit sechs statt zwei Herstellern, die im Segment der 150- bis 180-sitzigen Jets konkurrieren.“ So wollen der kanadische Hersteller Bombardier und der brasilianischer Flugzeugbauer Embraer, die sich bisher auf kleinere Regionalflugzeuge spezialisiert haben, in Zukunft auch größere Passagiermaschinen bauen und damit dem Airbus A320 und der Boeing 737 zunehmend Konkurrenz machen.

Um sechs verschiedene Flugzeuge zu entwickeln, seien die Entwicklungskosten in der Branche aber zu hoch. „Das gibt der Markt nicht. Einige der neuen Hersteller werden daher Partnerschaften eingehen müssen“, so der EADS-Chef.

Von

rtr

Kommentare (1)

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29.05.2011, 13:50 Uhr

Der Titel hätte hier auch lauten können: Frankreich fordert EU-Staaten zu mehr Rüstung auf. Und EADS-Chef Louis Gallois fordert darüberhinaus ein Vetorecht gegen Übernahmeversuche von deustchen Firmen.

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