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25.01.2010

12:01 Uhr

EADS

Mit neuer Finesse in das Pokerspiel um den A400M

VonMarkus Fasse, Rüdiger Scheidges

Im Streit um die Finanzierung des Militärtransporters A400M erhöht der Airbus-Mutterkonzern EADS den Druck. Sollten die Verhandlungen über den Transporter nicht bis Ende Januar abgeschlossen werden, will der Konzern Verhandlungskreisen zufolge eine mögliche Kapitalerhöhung ins Spiel bringen.

Airbus-Chef Tom Senders vor dem Militärtransporter A400M: Fortführung "existenzgefährdend". Quelle: Reuters

Airbus-Chef Tom Senders vor dem Militärtransporter A400M: Fortführung "existenzgefährdend".

MÜNCHEN/BERLIN. "Anfang Februar schließen wir die Bücher", sagte ein EADS-Sprecher. Eine Fortführung des Projekts unter den bestehenden Vertragsbedingungen sei "existenzgefährdend", bekräftigte er die Einschätzung des Unternehmens. Ebenso existenzgefährdend sei aber auch ein Abbruch des A400M-Projekts, der die Rückzahlung von fünf Mrd. Euro an die Bestellnationen zur Folge hätte.

Die von EADS womöglich geplante Kapitalerhöhung könnte die Bundesregierung unter Druck setzen, die dann ihren Einfluss auf das deutsch-französische Gemeinschaftsunternehmen verlieren könnte. In dem Konzern besteht zwischen Daimler und dem französischen Staat seit Jahren eine fragile Machtbalance. Während Frankreich seinen Anteil mindestens halten will, verringert Daimler sein Engagement seit Jahren. Ein Teil der Daimler-Aktien ist seit 2007 unter Vermittlung der Bundesregierung bei Banken geparkt.

Berlin weigert sich jedoch nach wie vor, die Mehrkosten für die A400M zu übernehmen. "Verschiedene Vorschläge liegen auf dem Tisch. Aber egal was passiert, es wird keine Erpressung geben", sagte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg jetzt an die Adresse von EADS. "Weniger für dieselbe Summe zu bekommen ist für mich nicht akzeptabel", bekräftigte der Minister. Deutschland ist mit 60 Maschinen Hauptabnehmer der A400M. Ein 2003 geschlossener Liefervertrag sichert dem Bund Festpreise zu. Insgesamt beinhaltet das A400M-Projekt 180 Maschinen zum Festpreis von 20 Mrd. Euro.

Hintergrund der harten Haltung des deutschen Ministers ist auch ein vom Handelsblatt veröffentlichtes, streng vertrauliches Prüfergebnis von Pricewaterhouse Coopers, für das sich zu Guttenberg nach Informationen des Handelsblatts am Mittwoch auch vor dem Haushaltsausschuss des Bundestags rechtfertigen muss. Die Wirtschaftsprüfer sind zu dem Schluss gekommen, dass EADS bis zu 7,6 Mrd. Euro Belastungen aus dem A400M-Projekt allein schultern könne.

Das Wirtschaftsprüferteam fällte auch äußerst kritische Urteile über das gesamte Management des A 400M-Projekts durch EADS. "Wir sind der Überzeugung, dass das Unternehmen keine normale Finanzkontrolle für die Begleitung ihrer Programme besitzt", heißt es dort etwa. "Wir stellen fest, dass der begleitende Budgetansatz die tatsächlichen Kosten des A400M Projektes permanent im erheblichen Ausmaß unterschätzt hat. Daraus schließen wir, dass alle Kostenansätze höchstens beschränkte Aussagekraft besitzen."

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