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13.09.2012

20:37 Uhr

EADS und BAE Systems

Politik lässt Euphorie wegen Mega-Fusion missen

Der Luftfahrtkonzern EADS ist ein politisch brisantes Gebilde, gilt es doch deutsche und französische Interessen auszutarieren. Dass jetzt die britische BAE Systems mit an Bord soll, macht es der Politik nicht einfacher.

Airbus-Modelle auf der Berliner Luftfahrtausstellung. Reuters

Airbus-Modelle auf der Berliner Luftfahrtausstellung.

ParisDie angestrebte Mega-Fusion der europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems hat die Regierungen der an den Unternehmen beteiligten Länder unter Zugzwang gesetzt. Weder Berlin noch Paris, Madrid oder London positionierten sich am Donnerstag eindeutig zu dem Geschäft. Die Aktien beider Unternehmen stürzten derweil ab, weil Zweifel an den erwünschten Synergie-Effekten des Zusammenschlusses laut wurden.

Der geplante Zusammenschluss mit BAE sei eine „einmalige Gelegenheit“ für das Unternehmen, schrieb EADS-Chef Tom Enders in einem Brief an seine Mitarbeiter, der AFP vorlag. Noch sei zwar „nichts sicher“, die beiden Unternehmen würden zusammen aber in der Raumfahrt, der Verteidigung und der Sicherheit zu einem Konzern "internationalen Ausmaßes" werden, hieß es in dem auf Mittwoch datierten Schreiben.

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US-Konzerne dominieren das globale Rüstungsgeschäft. Noch. Mit dem geplanten Zusammenschluss der deutsch-französischen EADS und der britischen BAE würden sich die Gewichte verschieben - wenn die Fusion die Hürden nimmt.

Der europäische Konzern EADS und das britische Unternehmen BAE Systems hatten am Mittwochabend bekanntgegeben, über eine Fusion zu verhandeln. Die Airbus-Mutter EADS soll demnach an dem künftigen Konzern 60 Prozent der Anteile halten, BAE 40 Prozent. Der neue Konzern wäre das größte Rüstungsunternehmen der Welt und deutlich größer als US-Konkurrent Boeing. Die Gespräche mit den an den Unternehmen beteiligten Regierungen hätten im Juli begonnen und seien „auf einem guten Weg“, sagte ein Vertrauter von Enders.

Gegen wen EADS und BAE antreten

Umkämpfter Markt

Die Politik spielt immer eine große Rolle bei Rüstungsfirmen, schließlich ist sie nicht zuletzt der wichtigste Kunde. Das spiegelt sich auch in der Konkurrenzsituation der Konzerne wieder. Ein Überblick.

Boeing

Der Erzrivale von EADS und dessen Tochterfirma Airbus, momentan vor allem bei Verkehrsflugzeugen mit über 100 Sitzplätzen. Die beiden Konzerne sind führend auf dem Weltmarkt. Verkaufsschlager sind die Mittelstreckenflieger der Baureihen A320 und B737. Airbus hatte in den vergangenen Jahren die Nase vorn, doch Boeing konnte den Konkurrenten im ersten Halbjahr bei den Auslieferungen überholen.

Boeing

Boeing liefert gleichzeitig so etwas wie die Blaupause für die geplante Fusion der Europäer. Der Konzern hatte 1997 den heimischen Wettbewerber McDonnell-Douglas übernommen und damit sein militärisches Standbein ausgebaut. Im ersten Halbjahr steuerte das Rüstungs- und Sicherheitsgeschäft zusammen mit der Raumfahrt knapp die Hälfte zum Gesamtumsatz bei. Zu den Produkten gehören Kampfhubschrauber (AH-64 Apache), Kampfjets (F/A-18), Transportflugzeuge (C-17 Globemaster III) sowie unbemannte Drohen und Aufklärungsmaschinen (E-3 Awacs).

Boeing

Vor allem nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erwies sich die Rüstungssparte als wertvoll. Boeing profitierte von den steigenden Militärausgaben der USA und konnte damit die Bestelleinbrüche bei den Passagiermaschinen abfedern. Momentan sind Verkehrsjets die Renner, während das Rüstungs-Standbein mit Einschnitten in den Militärbudgets vieler Staaten klarkommen muss.

Lockheed Martin

Amerikas größter Rüstungskonzern. Das Unternehmen stellt die Kampfjets F-16, F-22 und F-35 her sowie die Transportflieger C-130J Super Hercules und die riesige C-5 Galaxy. Daneben baut Lockheed-Martin unter anderem gepanzerte Fahrzeuge, Raketen, Hubschrauber und Radaranlagen. Weitere Standbeine sind die Raumfahrt- sowie Informationstechnik.

Northrop Grumman

Hersteller von unbemannten Drohnen wie dem Global Hawk, von Radaranlagen, Steuersystemen oder Raketen. Bekanntestes Produkt ist der futuristisch aussehende Tarnkappenbomber B-2.

General Dynamics

Der Konzern baut unter anderem Kriegsschiffe und U-Boote, stellt Artilleriesystem und Munition her und steckt hinter dem US-Kampfpanzer Abrams. Ziviles Standbein sind die Gulfstream-Geschäftsflugzeuge.

Deutschland, Frankreich und Spanien sind Anteilseigner von EADS. Während die französische Regierung die Fusionspläne aus „Gründen der Vertraulichkeit“ zunächst nicht kommentieren wollte, hieß es in deutschen Regierungskreisen, die Bundesregierung führe „konstruktive Gespräche“. Laut dem Wirtschaftsministerium in Berlin wurde die Bundesregierung „um Unterstützung dieser Fusion gebeten“.

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Einer Fusion müssten mehrere Regierungs- und Wettbewerbsbehörden zustimmen. Wahrscheinlich ist, dass EADS und BAE dafür einen Teil ihrer Aktivitäten aufgeben müssen. Bis 10. Oktober müssen die Unternehmen das Zustandekommen oder Scheitern des Geschäfts verkünden. Diese Frist setzen die Londoner Börsenregeln. Für das Projekt bleibt also weniger als ein Monat, um wichtige Hürden zu nehmen.

Was EADS und BAE alles herstellen

EADS - Airbus

Der weltgrößte Hersteller von Passagierflugzeugen bietet eine breite Palette an: vom 100 Sitze zählenden A318 bis hin zum Superjumbo A380, in dem 500 Menschen Platz finden. Insgesamt gibt es 14 Modelle. Mehr als 6000 Airbus-Flugzeuge sind weltweit unterwegs. Airbus stellt aber auch Militärflugzeuge her, darunter den Transporter A400M. Airbus kam 2011 auf einen Umsatz von 33,1 Milliarden Euro, davon 2,5 Milliarden Euro aus dem Rüstungsgeschäft.

Astrium

Dahinter verbirgt sich das europäische Raumfahrtgeschäft von EADS. Hergestellt werden beispielsweise Satellitensysteme. Bekanntestes Produkt sind die Ariane-Raketen, mit denen Satelliten ins Weltall transportiert werden. Astrium kam 2011 auf einen Umsatz von fünf Milliarden Euro.

Cassidian

Diese Sparte produziert beispielsweise Drohnen. Über Cassidian ist EADS auch am Eurofighter-Konsortium beteiligt und Anteilseigner beim Raketensystemanbieter MBDA. Dieser Geschäftsbereich machte 2011 rund 5,8 Milliarden Euro Umsatz.

Eurocopter

Der Hersteller von Zivil- und Militärhubschraubern kommt auf einen weltweiten Marktanteil von rund 30 Prozent. Zu den bekanntesten Produkten gehören der militärisch genutzt Tiger und der zivile EC225 Super Puma. Diese Sparte erlöste 2011 rund 5,4 Milliarden Euro.

BAE - Electronic Systems

Dieser Unternehmensteil ist auf Elektronik zur Flug- und Motorsteuerung spezialisiert, stellt aber auch Kriegsgeräte und Nachtsichtsysteme her. Er kam 2011 auf einen Umsatz von 5,4 Milliarden Pfund.

Cyber and Intelligence

Ein Teil dieses Geschäftsbereiches von BAE ist in den USA angesiedelt. Geliefert werden beispielsweise Nachrichten und Informationen in Echtzeit an Regierungen und Truppen. Auch Sicherheits-Soft- und Hardware bietet das Unternehmen an. Der Umsatz betrug 2011 etwa 1,4 Milliarden Pfund.

U.S. Platforms & Services

Kriegsgeräte, aber auch Schiffsreparaturen werden unter diesem Namen angeboten. Aktiv ist diese BAE-Sparte in den USA, Großbritannien, Schweden und Südafrika. Einnahmen 2011: 5,3 Milliarden Pfund.

International Platforms & Services

Diese Sparte ist in Saudi-Arabien, Indien, Australien und dem Oman vertreten. Sie hält auch einen Anteil von 35 Prozent am Raketen-Hersteller MDBA.

Bislang ist bei EADS die zivile Luftfahrt das Hauptgeschäft. BAE ist im Rüstungsbereich stark und baut alles vom Panzer über Kampfjets bis zum Flugzeugträger. EADS hat weltweit über 133.000 Mitarbeiter, BAE rund 87.000.

Die Kurse beider Unternehmen an den Börsen stürzten ab: Die EADS-Aktie verlor in Paris mehr als zehn Prozent. Der Kurs der BAE-Aktie sank in London um mehr als sieben Prozent.

Von

afp

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

13.09.2012, 23:32 Uhr

Na dann wollen wir dem Hintze mal die Daumen drücken, dass das traditionelle Verarschen und Ausverkaufen der Deutschen Interessen hier vielleicht doch einmal ein Ende findet.

Größter Profiteuer aller Strukturveränderungen nach der Gründung 2000 war immer nur Frankreich - außer Cassidian liegt jeder dominierende Firmen-Sitz dort.

Es muss gelingen, die Franzen zur Reduktion ihrer Macht zu drängen, um unseren in Anbetracht der Kapitalverhältnisse zwischenzeitlich lächerlich geringwertigen Einfluss zu wahren bzw. zu steigern.

Dass jetzt Cassidian von den Briten dominiert werden soll und von dort aus gesteuert werden könnte, erfordert absolut gleichwertige Kompensation! Konzernsitz in Ottobrunn zum Beispiel, anstatt Zentralisierung in Toulousse.

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