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07.11.2012

14:11 Uhr

Edwin Eichler

Thyssen-Krupp hält Vorstand bei Schienenkartell für entlastet

Die „Schienenfreunde“ trieben jahrelang mit Preisabsprachen ihr Unwesen. Thyssen-Krupp musste mehr als 100 Millionen Euro Strafe zahlen. Doch Vorstand Edwin Eichler habe nichts falsch gemacht, sagen jetzt zwei Gutachten.

Thyssen-Krupp musste für die Beteiligung am Schienenkartell mehr als 100 Millionen Euro Strafe zahlen. dapd

Thyssen-Krupp musste für die Beteiligung am Schienenkartell mehr als 100 Millionen Euro Strafe zahlen.

EssenDer größte deutsche Stahlkonzern Thyssen-Krupp sieht seinen im Zusammenhang mit dem Schienenkartell unter Druck geratenen Stahlvorstand Edwin Eichler entlastet. Zwei Gutachten kämen zu dem Ergebnis, dass der Manager keine Pflichtverletzung begangen habe, teilte der Konzern am Mittwoch in Essen mit. Sowohl die Anwaltskanzlei Freshfields als auch der Münchener Strafrechtsexperte Professor Klaus Volk sähen keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten Eichlers.

Aus dem Kreis der Kartelltäter seien Vorwürfe erhoben worden, Eichler sei im Jahr 2006 Hinweisen auf Absprachen nicht ausreichend nachgegangen, erklärte Thyssen-Krupp. „Diese Vorwürfe beruhten ausschließlich auf angeblichen Kenntnissen vom Hörensagen und haben sich mit den vorliegenden Gutachten in keiner Weise bestätigt.“

Stahlvorstand Edwin Eichler dpa

Stahlvorstand Edwin Eichler

Der Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp hatte die Gutachten im Oktober in Auftrag gegeben, nachdem der Vorwurf aufgekommen war, Eichler sei Hinweisen auf das Schienenkartell 2006 nicht ausreichend nachgegangen. Kurz zuvor war erst ein Kartell von Aufzugsherstellern aufgeflogen, in das Thyssen-Krupp ebenfalls verstrickt war. Vor diesem Hintergrund hätte Eichler damals härter durchgreifen müssen, hieß es von Kritikern. Die damals eingeleiteten Untersuchungen waren folgenlos geblieben, das Kartell „Schienenfreunde“ flog erst im vergangenen Jahr auf.

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Zahlreiche Hersteller - neben Thyssen-Krupp etwa auch Vossloh und die österreichische Voestalpine - sollen über Jahre Preise zum Schaden der Deutschen Bahn abgesprochen haben. Deshalb verhängte das Bundeskartellamt im Juli dieses Jahres Bußgelder in Höhe von insgesamt 124,5 Millionen Euro, von denen Thyssen-Krupp mit 103 Millionen den größten Teil aufgebrummt bekam.

In den Jahren 2004 und 2006 hatte Thyssen-Krupp nach internen Hinweisen Kartelle auf dem deutschen Schienenmarkt festgestellt, bei der ersten Untersuchung sogar mit eigener Beteiligung. Allerdings waren nach eigener Darstellung die Absprachen verjährt. Anlass, die Kunden über das eigene Fehlverhalten zu informieren, sah Thyssen-Krupp dennoch nicht.

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