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18.02.2014

09:20 Uhr

EEG-Umlage

BDI fordert weniger Strom-Rabatte für Unternehmen

Deutsche Firmen im internationalen Wettbewerb und mit hohem Energieverbrauch sollen weiterhin von der EEG-Umlage profitieren. Doch allen anderen Unternehmen will auch der BDI strengere Auflagen auferlegen.

In der Aluminium-Industrie, hier die Essener Trimet AG, werden laut BDI weiterhin Rabatte benötigt. dpa

In der Aluminium-Industrie, hier die Essener Trimet AG, werden laut BDI weiterhin Rabatte benötigt.

BerlinDer Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) hat sich dafür ausgesprochen, dass weniger Unternehmen in den Genuss der Rabatte bei der Ökostrom-Umlage kommen. BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber sagte am Dienstag im Deutschlandfunk, die Rabatte sollten künftig nur noch Betriebe erhalten, die energieintensiv sind und im internationalen Wettbewerb stehen.

Entlastungen bräuchten weiterhin Papier-, Chemie-, Aluminium- und Elektroindustrie. Auch Kunststoff-, Zemenent-, Glas- und in einigen Teilen die Textilindustrie seien sehr stromintensiv. Branchen, auf die die genannten Kriterien nicht zutreffen, sollten dagegen nicht weiter begünstigt werden, forderte Kerber. Als Beispiel nannte er den Schienenverkehr.

Kerber äußerte sich zuversichtlich, dass die Bundesregierung und die EU-Kommission in ihrem Streit über das Thema zu einer Lösung finden, die auch den Interessen der deutschen Industrie gerecht wird.

Ausgewählte Firmen, die von der EEG-Umlage befreit sind

Allgemeines

Insgesamt 2098 Unternehmen sind im Jahr 2014 von der EEG-Umlage ausgenommen. Das entspricht einer begünstigen Strommenge von voraussichtlich 107 Terawattstunden – das sind etwa 18 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Alleine 2014 bleiben den Firmen damit rund 5,1 Milliarden Euro an Kosten erspart.

Befreit werden können Unternehmen, die mindestens eine Gigawattstunde Strom im Jahr verbrauchen und deren Stromkostenanteil mehr als 14 Prozent beträgt.

Aurubis

Extrem viel Strom wird in der Metallherstellung benötigt. Der Kupferproduzent Aurubis beziffert die Entlastung durch die Befreiung in den Jahren 2010 bis 2012 auf 102 Millionen Euro.

BASF

Zu den energieintensiven Unternehmen in Deutschland zählen viele Chemiebetriebe. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat berechnet, dass ein Ende der EEG-Umlagebefreiung allein im Stammwerk jährliche Mehrkosten von mehr als 300 Millionen Euro bedeuten würde. Für 2014 stehen allerdings nur noch Betriebe in Leuna und Rudolstadt auf der Liste.

Bogestra – Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen

Ein Kompromiss mit der EU könnte sich darin andeuten, dass die Befreiung für Unternehmen ausgesetzt wird, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen. Dazu zählen etwa Straßenbahngesellschaften – insgesamt 72 Schienenbahnunternehmen sind in Deutschland befreit. Die volle EEG-Umlage würde die Bogestra jährlich 1,28 Millionen Euro kosten.

Schwarzwaldmilch

Nicht nur Industrieunternehmen sind befreit, auch Lebensmittelbetriebe. So gehört auch die Schwarzwaldmilch Offenburg zu den von der EEG befreiten Unternehmen.

Storck

Ein Werk des Süßwarenherstellers („Merci“, „Toffifee“ etc.) in Berlin ist von der EEG-Umlage ausgenommen.

Vion

Die Betriebe des Schweineschlachters Vion sind zum großen Teil von der EEG-Umlage befreit. Die Stromkosten müssen mindestens 14 Prozent der Bruttowertschöpfung des Unternehmens ausmachen, um in Frage zu kommen. Gegen Vion wurde etwa in der ZDF-Sendung Frontal der Vorwurf erhoben, durch den Einsatz von Werkverträgen statt Festangestellten unter diese Schwelle zu kommen.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia waren am Montag zusammengetroffen. Beide seien auf einem guten Weg, auch wenn noch nicht alle Kritik ausgeräumt sei, sagte Kerber.

Die EU-Kommission hat ein Verfahren gegen Deutschland eingeleitet, weil sie in den Rabatten bei der Ökostrom-Umlage Beihilfen sieht. Gabriel will den Kreis der Begünstigten nur begrenzt verringern. Inzwischen handelt es sich um knapp 2100 Unternehmen.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Euroaus

18.02.2014, 10:43 Uhr

Die Lösung wäre ganz einfach: Gar keine EEG-Rabatte mehr!
Das wäre das sofortige Ende dieses asozialen EEG!
Dann würde der ganze PV-Müll wieder von den Dächern entfernt, die Verspargelung der Landschaft durch Windmühlen rückgängig gemacht und die Faulgas-Anlage sofort abgestellt werden.

HofmannM

18.02.2014, 14:14 Uhr

So ein Heuchlerverein dieser BDI!
Anstatt gegen diese industrie- und volkwirtschaftlich Vernichtende Energiewende auf Basis eines Zwangssubventionsgesetzes EEG sturm zu laufen, betreibt dieser verkommene Erneuerbare Energie BDI-Lobbyverein ein gemetzel unter den deutschen Unternehmen/Mittelstand.
Schafft endlich diese perfide und asoziale EEG ab und beendet diese Energiewende endgültig. Bevor die deutsche Gesellschaft/Wirtschaft sich endgültig in ihre Bestandteile zerlegt. Danke!

DINO

18.02.2014, 14:48 Uhr

Warum darf die Hausfrau nicht erfahren, wie teuer die ALU-Folie tatsächlich ist, die sie verschwenderisch in der Küche missbraucht ! Hat auch was mit Umweltschutz zu tun,oder !

Und der Mitbewerber, der seine ALU-Folie hier verkaufen möchte, zahlt einen Umweltzuschlag !

Manche Übertreibungen würden sich von (fast) selbst lösen, mit wirksamen REGELN !

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