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05.06.2013

13:54 Uhr

Ein Besuch beim VW-Jäger

Kia will die Großen ärgern

VonLukas Bay

So wie Samsung den übermächtigen Apple-Konzern jagt, bläst der koreanische Autokonzern Kia zum Angriff auf die Marktführer. Was den Erfolg des VW-Verfolgers ausmacht – und was ihn gefährdet.

Der Konkurrenz die Rücklichter zeigen: Der K9 soll in den USA als Quoris verkauft werden und die Oberklasse erobern.

Der Konkurrenz die Rücklichter zeigen: Der K9 soll in den USA als Quoris verkauft werden und die Oberklasse erobern.

SeoulAlles begann mit einem Fahrrad: 1951, als der VW Käfer in Deutschland die Straßen zurückzuerobern begann, tobte in Korea der Krieg zwischen Nord und Süd. Unterstützt von amerikanischen und chinesischen Truppen lieferten sich die verfeindeten Bruderstaaten harte Gefechte, ein Großteil der Bevölkerung hungerte. Doch abseits vom politischen Chaos arbeiteten koreanische Ingenieure bereits an einer Neuentwicklung, um das Land wieder zu Wohlstand zu führen: am ersten rein koreanischen Fahrrad.

Es war kein technisches Wunderwerk, aber ein Symbol für das neue industrielle Selbstbewusstsein, das sich zwischen den Trümmern und Reisfeldern entwickelt hatte. Bisher hatten die Koreaner nur Bauteile für ausländische Konzerne gefertigt. Sieben Jahre lang hatten sie gelernt, nun wollten sie selbst mitmischen. Aus Kyungsung Precision Industry wurde Kia, was übersetzt soviel heißt wie „über Asien hinaus wachsen“. 23 Jahre später baute das Unternehmen das erste rein koreanische Auto, den „Brisa“.

Die Geschichte von Kia

1944

Kias Vorgängerunternehmen Kyungsung beginnt mit der Produktion von Fahrradbauteilen, die damals noch per Hand gefertigt werden.

1951

Sieben Jahre später gelingt die Massenproduktion von Koreas erstem Fahrrad aus eigenen Bauteilen.

1961

Auch das erste koreanische Motorrad kommt von Kia.

1962

Nur ein Jahr später baut das Unternehmen auch den ersten in Korea gebauten Truck, den K-360.

1973

Das erste große Kia-Autowerk entsteht Anfang der 70er. Am Standort Sohari werden anfangs noch Auftragsmodelle für Ford gefertigt.

1974

Ein Jahr später entsteht mit dem Brisa der erste Pkw aus koreanischer Produktion. Der Name leitet sich aus dem Brasilianischen ab.

1986

Das erste internationale Erfolgsmodell wird der Pride, der weltweit auch als Ford Festiva und Mazda 121 verkauft wird.

1998

Nachdem Kia in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist, übernimmt Hyundai den einstigen Konkurrenten. Die Hyundai-Kia Automotive Group entsteht.

Heute ist der lange belächelte koreanische Autobauer in der Weltspitze der Hersteller angekommen. 2,7 Millionen Fahrzeuge hat Kia im vergangenen Jahr verkauft. Seit 2008 haben die Koreaner ihren weltweiten Absatz fast verdoppelt. Kein Autokonzern konnte in den vergangenen fünf Jahren so stark zulegen. Werden die Verantwortlichen nach den Vorbildern gefragt, sprechen sie nicht von VW, nicht von GM und nicht von Toyota, sondern von Samsung – dem koreanischen Elektronikriesen, der Apple das Fürchten lehrt. Kia will wie Samsung sein – und die Großen der Branche jagen.

Wir haben uns auf die Reise ins Land des koreanischen Angreifers gemacht. Sie beginnt im Entwicklungszentrum Namyang, dem größten Entwicklungszentrums des Konzerns. Dort feilen 10.000 Ingenieure an der Zukunft des Kia-Konzerns. An futuristischen Vorhaben wie Lack, der seine Kratzer selbst repariert, Autofenstern, die ihre Farbe dem Wetter anpassen, aber vor allem an neuen Modellen.

Fotos sind hier nicht erlaubt, etliche Erlkönige sind auf dem 1,65 Millionen Quadratmeter großen Gelände unterwegs. 70 Kilometer Straße wurden angelegt, um die Fahrzeuge zu testen. Eine Hochgeschwindigkeitsstrecke, belgisches Kopfsteinpflaster, indische Buckelpisten. Alle neuen Modelle werden im Sandsturm und im Eiskanal getestet. Doch bei einem Blick auf das Entwicklungsgelände sieht man auch alte Bekannte: BMWs und Audis drehen hier ihre Runden. Wie beim Fahrrad 1961 lernen die Koreaner von der ausländischen Konkurrenz, um es dann besser zu machen.

Kommentare (16)

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Bengel01

05.06.2013, 15:34 Uhr

Solange die Freunde nur beinahe lächerlich anmutende Fahrzeuge in die Oberklasse schicken, braucht sich die etablierte Konkurrenz wohl kaum zu fürchten. Das im Artikel abgebildete Modell lehnt sich im Design offenbar an den Opel Insignia und die BMW 5er Reihe an, vermanscht die Designelemente dann irgendwie und sieht am Ende nur noch "wie gewollt und nicht gekonnt aus". Gut dass die Koreaner freiwillig auf die Markteinführung in Europa verzichten (solch billige Imitationen bauen schließlich schon die Chinesen).

Account gelöscht!

05.06.2013, 15:40 Uhr

Das ist wie gefakte Markenklamotten kaufen.

Einfach nur armselig.

Account gelöscht!

05.06.2013, 17:12 Uhr

Einmal reinsetzen und dann reichts eh schon...vermurkstes Plastig irgendwie hingepfuscht wohin man schaut oder wenns reicht irgendwo Holznachahmungen drangeklatscht.

Sorry aber KIA ist KIA und BMW bleibt BMW.

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