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09.03.2012

15:21 Uhr

Ein Jahr nach Fukushima

Wie der Atom-Gau Deutschland verändert hat

VonTobias Döring

Vor einem Jahr zerstörte der Tsunami das japanische Atomkraftwerk Fukushima. Folgen hatte das nicht nur für die Region. Die Katastrophe stellt die deutsche Energiepolitik auf den Kopf - und mit ihr eine ganze Branche.

Die Reaktorgebäude 6 (Mitte links) und 5 (Mitte rechts) des Atomkraftwerks Fukushima, aufgenommen am 28. Februar 2012. dapd

Die Reaktorgebäude 6 (Mitte links) und 5 (Mitte rechts) des Atomkraftwerks Fukushima, aufgenommen am 28. Februar 2012.

DüsseldorfEs ist der 11. März 2011. Die Uhr zeigt Viertel vor drei, als vor der Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu das Unglück beginnt. Unter dem Meeresboden bebt die Erde. 9,0 beträgt die Intensität auf der Momenten-Magnitudenskala. Das Beben erwischt die Insel und ihre Bewohner heftig.

Dann kommt der Tsunami. Eine gute halbe Stunde nach dem Beben trifft die Flutwelle auf Land. Rollt über alles hinweg, was sich ihr in den Weg stellt. Auch über das Kernkraftwerk Fukushima mit seinen sechs Blöcken. Damit wird die Katastrophe zum atomaren Gau. In den Tagen darauf folgen Kernschmelzen und Explosionen. Strahlung wird freigesetzt, Land und Wasser verseucht, Menschen und Tiere verstrahlt. Ein Unglück und kein Ende.

In Deutschland beginnt in den Tagen nach der nuklearen Katastrophe von Fukushima das politische Umdenken. Die Öffentlichkeit ist schockiert vom Anblick des zerstörten Atommeilers und den hilflosen Rettungsmaßnahmen. Vier Tage nach dem Unglück lässt Bundeskanzlerin Angela Merkel sieben der ältesten Atomkraftwerke sofort vom Netz gehen. Zunächst nur für drei Monate.

Mit dem Ende des Atom-Moratoriums vollzieht die schwarz-gelbe Bundesregierung endgültig die Kehrtwende in der Energiepolitik. Die Laufzeitverlängerung wird zurückgenommen, acht der 17 deutschen Kernkraftwerke werden nie wieder ans Netz gehen. Die Kanzlerin ruft die Energiewende aus, Deutschlands Strom soll grün werden.

Heute, ein Jahr nach Fukushima, hat sich viel getan. Aber vieles ist auch liegen geblieben, aufgeschoben oder einfach versandet. Im Jahr 2022 soll auch der letzten Meiler abgeschaltet werden. Dann wird Deutschland ohne Kernkraftwerke auskommen müssen. Fossile Energieträger, Erneuerbare Energien und Kombi-Kraftwerke müssen es dann richten.

Doch bei der Energiewende hakt es an allen Ecken und Enden. Dabei stehen nicht nur Fragen der Energiesicherheit und des Klimaschutzes auf der Agenda. Anfang des Jahres beschäftigte sich Deutschland zwar mit der Gefahr eines kollabierenden Stromnetzes. Mittlerweile steht aber vor allem die Umsetzung der „Wende“, die politische Organisation, wieder im Mittelpunkt des Interesses. Viele Ministerien sind zuständig, vor allem das Umwelt- und das Wirtschaftsressort sind sich nur selten einig. Als sich Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vor wenigen Tagen auf die Kürzung der Solarförderung einigten, galt das schon als großer Wurf. Denn eigentlich herrscht Dauerstreit.

Kommentare (46)

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btw

09.03.2012, 15:39 Uhr

Tchernobyl hat lediglich in der Region verändert, wie Dai-ichi.
In Japan wird die Nordregion entk0oppelt werden müssen, samt Sonderprogrammen, wie das finanziert werden soll.
Ganz einfach: In tchernobyl hat man Platz.
In Japan nicht.
Vorher nachdenken haben unsere Masters of the Universe nicht drauf: dafür ist ihr Leben ebenso zu kurz wie unseres auch.
Und die Moritat von der Geschicht?
Und investiere nicht in Risiken, die Du die kennst.
Dagegen ist Griechenland geradezu ein Sonntagsausflug.

mitlebender

09.03.2012, 15:49 Uhr

In Deutschland macht man das ganz anders: man setzt weiter auf stromintensive low-end verbraucherverhalten und lacht noch über technologische hinterwälderler, die kein stromkabel in der luft haben wollen, weil - man könnte das ebenso einbuddeln.
Dass diese Tsunami auf Dauer ggf ganz Japan weggefegt hatte, weniger wegen der Welle, sondern wegen verantwortungslosen Vorgehens.
Das ist eine Übung, wie sie der BRD gestern der Welt vorgeführt hatte mit dem Zapfenstreich, nur, daß dass der in Japan bereits gezündet wurde am 11.03.2011.

alles_fit_in_den_reaktoren

09.03.2012, 15:53 Uhr

Und immer noch steht offen: wann die Reaktorblöcke 5 und 6 hochgehen werden.

Aber: wir haben das ja alles im Griff.

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