Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2005

09:02 Uhr

Ein neues Führungsduo muss den Airbus-Mutterkonzern EADS wieder auf Kurs bringen

Machtkampf reißt alte Gräben auf

VonHolger Alich

Leicht gebeugt kauert Philippe Camus auf der Bühne auf seinem schwarzen Ledersessel. Seine Stimme ist ruhig und fest, manchmal huscht sogar ein Lachen über sein Gesicht. Es tut dem scheidenden EADS-Co-Chef sichtlich gut, sich den Frust der vergangenen Monate von der Seele zu reden. „Ich war nicht Täter, ich war Opfer“, erzählt er. Auf der Leinwand neben der Bühne zerfetzt gerade eine computeranimierte Meteor-Rakete ein feindliches Flugzeug.

HB DÜSSELDORF.Für die letzte Neujahrs-Pressekonferenz von Philippe Camus hat sich EADS etwas Besonderes ausgedacht: Statt Camus einen Vortrag halten zu lassen, zu dem die Pressevertreter anschließend Fragen stellen können, organisierte der deutsch-französische Luft- und Raumfahrtkonzern die Konferenz als eine Art Talkshow.

Auf einer kleinen Bühne sitzt die Radio-Journalistin Valérie Lecasble neben dem scheidenden EADS-Chef und befragt ihn zu der unglaublichen Intrigenschlacht der vergangenen Monate, die Camus sein Amt gekostet hat. „Herr Camus, was war eigentlich in den letzten Monaten los?“ Camus: „Die Vorgänge sind gewiss kein Beispiel von Corporate Governance. Das ist kein normaler Prozess gewesen.“

Monatelang hatte in aller Öffentlichkeit ein Machtkampf um die Spitze des größten europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns getobt. Airbus-Chef Noël Forgeard wollte auf Biegen und Brechen den Chefjob bei der Airbus-Mutter EADS. Jetzt ist er am Ziel. Kurz vor Weihnachten verkündete EADS- Großaktionär Arnaud Lagardère, dass er Forgeard als neuen französischen Co-Chef von EADS berufen wird. Camus wechselt zurück zur Lagardère-Gruppe.

Forgeard sah sich selbst immer als „Industriellen“, Camus dagegen bescheinigt er dagegen den engen Horizont eines reinen Finanzexperten. Dazu Camus: „Diese Unterscheidung zwischen einem Industriellen und einem Finanzier halte ich für künstlich.“ Indirekt räumt er ein, dass es bei dem Streit der beiden Ex-Lagardère-Manager nie um Inhalte, sondern nur um Macht ging: „Ich habe mit Noël nie über Fragen der Unternehmensführung gestritten.“ Moderatorin Valérie Lecasble hakt nach: Ob denn in den Gremien nie über die Führungsfrage geredet worden ist, will sie wissen. Camus: „Es hat nie eine Diskussion über die Führungsfrage gegeben.“

Camus will dabei nicht als Verlierer vom Platz gehen und versichert: „Ich bin nicht enttäuscht, ich bin stolz auf das Erreichte.“ Die Art und Weise, wie das neue Führungsduo zusammengestellt worden ist, lässt ihn aber doch erschrocken zurück: „Man wechselt keine wichtigen Führungsposten über eine Pressekampagne.“ Gerade im Ausland sei der dadurch entstandene Image-Schaden für den Konzern „dramatisch“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×