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24.06.2017

11:51 Uhr

Eine Branche im Umbruch

Papierfabriken setzen auf Verpackungen

Papier wird aus Holz gemacht, besser gesagt aus Zellstoff. Für viele Fabriken der deutschen Papierbranche stimmt die Antwort. In einer schwäbischen Produktionsanlage setzt man hingegen auch auf ein anderes Material.

Die Geschäftsführer der Papierfabrik Scheufelen, Ulrich Scheufelen (l) und Stefan Radlmayr, stehen vor einer Papiermaschine, auf der Graspapier aufgerollt wird dpa

Papierfabrik Scheufelen

Die Geschäftsführer der Papierfabrik Scheufelen, Ulrich Scheufelen (l) und Stefan Radlmayr, stehen vor einer Papiermaschine, auf der Graspapier aufgerollt wird

LenningenDie Fabrik ist riesig, die Hallen sind endlos lang. Wie groß die Anlage ist? „Mehr als 13 Hektar“, sagt der Chef. 2000 Menschen haben hier, in der Papierfabrik Scheufelen in Lenningen bei Stuttgart, mal gearbeitet. Das ist lang her, nach einer Insolvenz und mehreren Eigentümerwechseln sind es nur noch 330. Die Anlage wirkt stellenweise wie ein Industriemuseum - eine 60 Meter lange Produktionsmaschine, Baujahr 1905, steht verstaubt und unbenutzt in einer Halle. Museum? Scheufelen-Chef Stefan Radlmayr ist anderer Ansicht - er will die altehrwürdige Firma auf Innovationskurs trimmen. Seine Geschäftsidee: Papier aus Gras.

2016 stiegen Finanzinvestoren ein, die nach eigenen Angaben langfristig bleiben wollen. Seither sitzt Radlmayr - Mitgesellschafter des Investors Radial Capital - auf dem Chefsessel des 1855 gegründeten Traditionsunternehmens. Im Jahr zuvor, 2015, hatte Scheufelen einen Umsatz von 110 Millionen Euro und ein Minus von 23 Millionen Euro gemacht. Inzwischen laufe es besser und der Verlust sei verringert worden, sagt Radlmayr. „Aber wir müssen noch deutlich zulegen.“ Zahlen für 2016 verrät der Manager nicht.

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Die Papierhersteller legen immer mehr Produktionsanlagen still. Die Branche leidet seit Jahren unter Überkapazitäten. Die Unternehmen müssen neue Wege gehen – und stellen ihre Maschinen um.

Neben ihm stehen riesige Papierrollen in der Fabrik, die meisten weiß, einige gräulich grün. Letztere sind seine große Hoffnung: Es ist besagtes Papier aus Gras. „Die Qualität des Papiers ist sehr hoch, die Belastung für die Umwelt sehr gering“, sagt der Firmenchef. Man brauche nur halb so viel Chemie, Wasser und Energie wie bei der Herstellung von Papier aus konventionellem Material. Das Heu kommt von der Schwäbischen Alb.

Scheufelen ist ein Beispiel für die angespannte Lage in der deutschen Papierbranche. Seit Jahren geht die Nachfrage nach grafischem Papier - also vor allem Druckpapier, etwa für Zeitungen - wegen der Digitalisierung zurück. 2016 sank der Absatz von grafischem Papier deutscher Fabriken um 3,6 Prozent auf 8,35 Millionen Tonnen, wie aus dem Jahresbericht des Verbands Deutscher Papierfabriken (VDP) hervorgeht.

Also düstere Perspektiven? Überhaupt nicht, meint Arne Kant von dem auf die Papierbranche spezialisierten Beratungsunternehmen Pöyry. „Zu denken, dass die Papierbranche ein sterbender Schwan ist, ist völlig falsch.“ Die Branche sei zwar in einem radikalen Umbruch, aber insgesamt seien die Aussichten positiv. Dabei verweist Kant auf die steigende Nachfrage nach Hygiene- und Verpackungspapier, etwa durch den boomenden Online-Handel samt Paketbestellungen.

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