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05.05.2012

14:35 Uhr

Eine Pleite nach der anderen

Der Solarbranche droht das bittere Aus

VonMassimo Bognanni

Die Hersteller von Solaranlagen witterten goldene Zeiten. Die Industrie boomte, Fabriken schossen aus dem Boden. Doch das Blatt hat sich gewendet. Die deutschen Unternehmen haben schlicht die Konkurrenz verschlafen.

Solarzellen: Zu Anfang schienen die Hersteller vor goldenen Zeiten zu stehen. AFP

Solarzellen: Zu Anfang schienen die Hersteller vor goldenen Zeiten zu stehen.

Als wolle sie mit dem Debakel nichts zu tun haben, versinkt die Sonne in strahlendem Gold hinter den Wellblechhallen der Conergy AG. Im Werk hat die Spätschicht begonnen. Rund 50 Mitarbeiter betreten die Arbeitsfläche. Sie überwachen, wie Roboter die Solarzellen mit Folien und einer Glasscheibe zu Photovoltaik-Modulen verschmelzen. Die Abteilung im Erdgeschoss ist alles, was von der Solarzellenproduktion geblieben ist. Einst arbeiteten in dem Werk 800 Menschen, heute sind es 320. Conergy lässt die Solarzellen nun in China produzieren und einfliegen. Das ist günstiger. Im ostdeutschen Frankfurt werden sie nur noch zu Modulen weiterverarbeitet.

"Wir können die Solarzellen-Produktion jederzeit wieder aufnehmen", sagt Conergy-Vorstand Alexander Gorski. Doch Gorski klingt nicht wie jemand, der noch an Solarzellen "Made in Germany" glaubt. "Außer Bosch, die jährlich Hunderte Millionen Euro in die Modernisierung der Produktion und Entwicklung stecken, sehe ich in Europa kein Unternehmen, das in den kommenden Jahren profitabel Solarzellen herstellen kann", sagt Gorski. Zu groß sei das Überangebot auf dem Weltmarkt, zu hochwertig seien die Zellen, die in China mit billigen Arbeitskräften und gewaltigen Skaleneffekten produziert würden.

Als vor einem Jahr die Bundesregierung beschloss, Deutschland solle sich künftig mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen, schienen Solaranlagenhersteller vor goldenen Zeiten zu stehen. Ein Jahr später droht der Branche in Deutschland stattdessen das Aus. Im Dezember beantragte das Berliner Unternehmen Solon Insolvenz, ebenso Solar Millennium aus Erlangen. Im Februar legte Schott Solar Fertigungslinien still. Im März waren Scheuten Solar und Solarhybrid pleite. Anfang April traf es Q-Cells, einst größter Solarzellenhersteller der Welt.

Wie konnte das passieren? Die Suche nach der Antwort auf diese Frage führt ganz in den Osten der Republik, nach Frankfurt an der Oder; in das Epizentrum des Bebens der Solarbranche. Neben Conergy produzieren hier auch First Solar und die Odersun AG. Sie alle stehen vor dem Aus - und in der 60.000-Einwohner-Stadt sind 2.000 Arbeitsplätze in Gefahr.

Als Frankfurt 2005 beschloss, auf die Sonnenseite zu wechseln, boomte die Solarindustrie. Binnen wenigen Jahren hatte sich die Wattzahl der in Deutschland installierten Photovoltaikanlagen vervielfacht. Die Unternehmen übertrafen sich mit Rekordgewinnen. Neue Fabriken wurden gebaut, bevorzugt im subventionierten Osten.

Kommentare (62)

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Revisor

05.05.2012, 14:50 Uhr

"Die deutschen Unternehmen haben schlicht die Konkurrenz verschlafen"
naja.. Die Unternehmer haben alle Potentiale ausgeschöpft - sprich die EEG-Subventionen auf Kosten der Steuerzahler für eine falsche Energiepolitik - und jetzt ist die Party nach China umgezogen....

azaziel

05.05.2012, 15:03 Uhr

Immer und immer wieder wird eindrucksvoll in Theorie und Praxis bewiesen, dass Subventionen Geld verschwenden, Unternehmen durch falsche Anreize in die Irre fuehren und voellig erfolglos bleiben. Nicht immer endet das Abenteurer so oeffentlich wie in der Solarindustrie. Oft werden sinnlose Subventionen ueber die Jahrzehnte verschleppt. Kohle- und Agrarfoerderung sind unsere Zeugen. Und nie lernt der Politiker oder der Waehler hinzu, wie das neuerliche Gerede vom euro[paeischen Wachstumspaket bezeugt.

Account gelöscht!

05.05.2012, 15:04 Uhr

Stellen Sie sich vor, man hätte großflächig Solarmodule montiert welche mit einer stabilen Laufzeit von mindest 20Jahre gerechnet wurden. Und schon früher als nach 10Jahren bemerken Sie, das die erhoffte Leistung der Solarmodule nachläßt. Natürlich wenden Sie sich an den Hersteller welcher allerdings längst vom Markt verschwunden ist. Und Fr.Merkel verabschiedet sich wirtschaftspolitisch von anderen Energiequellen und nickt lächelnd zustimmend der Lobby zu, "nur Kernkraftwerke sichern bezahlbaren Grundlaststrom". Tatsächlich war es sehenden Auges klar erkennbar, technisch nicht ausgereifte Solaranlagen können aufgrund der geographischen Lage Deutschlands nicht wirtschaftlich betrieben werden.

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