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08.04.2015

19:36 Uhr

Einflusssicherung

Frankreich stockt Aktienanteil an Renault auf

Ende April sollte auf der Hauptversammlung der staatliche Einfluss auf Renault eingeschränkt werden. Doch nun stockt Frankreich seinen Aktienanteil am Autobauer auf. Ein Affront gegen Konzernchef Carlos Ghosn.

Der französische Staat hat sich seinen Einfluss beim Autobauer Renault mittels Aktienzukäufen gesichert. AFP

Überraschendes Manöver

Der französische Staat hat sich seinen Einfluss beim Autobauer Renault mittels Aktienzukäufen gesichert.

ParisFrankreich will mit einem vorübergehenden Ausbau des Staatsanteils an Renault seine Macht in dem heimischen Autokonzern sichern. Die Regierung erhöhe ihren Anteil auf knapp 20 von bisher 15 Prozent, teilte das Finanzministerium am Mittwoch mit.

Mit dem Aktienzukauf und dem damit größeren Stimmrecht solle Ende April bei der Renault-Hauptversammlung ein Antrag gekippt werden, der den staatlichen Einfluss verkleinern könnte. Die sozialistische Regierung von Präsident Francois Hollande schien damit Renault und dessen langjährigen Partner Nissan zu überraschen. Beobachtern zufolge dürfte sich Konzernchef Carlos Ghosn öffentlich brüskiert fühlen.

„Das kam völlig unerwartet“, sagte ein hochrangiger Renault-Vertreter. Es zeige eine „sehr ausgeprägte Entschlossenheit des Staates“, künftig bei Entscheidungen zur Zukunft von Renault mitzureden. Renault und Nissan lehnten eine Stellungnahme ab. Wirtschaftsminister Emmanuel Macron verteidigte das Vorgehen damit, dass seine Regierung sich mit allen Mitteln für heimische Unternehmen und ihre Mitarbeiter einsetze. Damit solle „eine fortschrittliche, nachhaltige Form des Kapitalismus gefördert werden, die Arbeiter unterstützt und den Konzernen bei ihrem Wachstum hilft“.

Hintergrund des Aktienkaufs ist eine Vorgabe, die Frankreich 2014 zum Schutz heimischer Industrie-Standorte einführte: Das sogenannte Florange-Gesetz räumt Investoren ein Doppelstimmrecht ein, die Aktien im eigenen Namen erwerben und diese mindestens zwei Jahre lang halten.

Die Vorschrift wurde nach der nordfranzösischen Stahlstadt Florange benannt, wo die Stilllegung von Hochöfen des Stahlriesen ArcelorMittal zu massiven Protesten geführt hatte. Aktionäre können allerdings auf Hauptversammlungen mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit die Rückkehr zum Einstimmrecht pro Aktie beschließen.

Ein entsprechender Antrag liegt für das Aktionärstreffen von Renault am 30. April vor. Die Regierung wolle sicherstellen, dass der Antrag nicht durchkomme, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Nach der Versammlung wolle der Staat seinen Anteil wieder auf 15 Prozent herunterfahren.

„Es sieht so aus, als sei Renault zum Spielball der Politik geworden“, sagte der auf die Automobilbranche spezialisierte Analyst George Galliers. Der Schritt widerspreche eindeutig den Unternehmenszielen. Frankreich versucht derzeit mit einem ähnlichen Vorgehen seine Kontrolle über die Versorger EDF und GDF Suez zu sichern.

Von

rtr

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