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20.05.2016

12:11 Uhr

Einigung beim Haustarif

Neue Altersteilzeit und 4,8 Prozent mehr Geld für VW-Arbeiter

Bei den Verhandlungen zum Haustarifvertrag bei VW haben sich IG Metall und der Konzern geeinigt. Die 120.000 Beschäftigten erhalten spürbar mehr Geld. Teils ganz neue Vorzeichen gibt es aber für ihre Altersteilzeit.

Volkswagen Mitarbeiter bei einer Kundgebung im VW Werk in Wolfsburg (Niedersachsen): Obwohl noch keine Details zur Einigung zwischen IG Metall und Arbeitgeber an Licht gekommen sind, gehen Beobachter davon aus, dass Pilotabschlusses aus der Metall- und Elektrobranche auch Teil der Lösung im VW-Haustarif sein dürfte. dpa

Volkswagen

Volkswagen Mitarbeiter bei einer Kundgebung im VW Werk in Wolfsburg (Niedersachsen): Obwohl noch keine Details zur Einigung zwischen IG Metall und Arbeitgeber an Licht gekommen sind, gehen Beobachter davon aus, dass Pilotabschlusses aus der Metall- und Elektrobranche auch Teil der Lösung im VW-Haustarif sein dürfte.

Wolfsburg/HannoverTrotz Diesel-Skandals erhalten die 120.000 Beschäftigten im VW-Haustarif spürbar mehr Geld. Die Tarifeinkommen steigen in einem ersten Schritt ab September um 2,8 Prozent und ab August nächsten Jahres um weitere 2 Prozent. Damit kopiert Volkswagen im Wesentlichen die jüngst erfolgte Einigung im Flächentarif der Metallbranche.

„Die VW-Mitarbeiter zahlen nicht mit für die Krise“, sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine zur Bekanntgabe der Ergebnisse am Freitag in Hannover. Der neue Vertrag läuft 20 Monate bis Anfang 2018 und justiert auch die Regeln der Altersteilzeit neu.

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Die Einkommen der 120.000 Haustarif-Mitarbeiter steigen über die gesamte Laufzeit je nach Eingruppierung um mindestens rund 100 Euro brutto pro Monat. In den höchsten Tabellenstufen, etwa für erfahrene Akademiker, ziehen die Einkommen über die zwei Stufen um gut 330 Euro brutto pro Monat an.

Das Ergebnis war mit Spannung erwartet worden, vor allem weil der Konzern mit der Diesel-Affäre in seiner größten Krise steckt. Meine sagte, in den schwierigen Zeiten bei VW sei es ein guter Kompromiss, der das Unternehmen nicht überfordere. Meines Gegenüber Martin Rosik sprach von einem wettbewerbsfähigen Gesamtpaket und wertete vor allem die Neuaufstellung der Altersteilzeit als Gewinn für den Autobauer.

VW-Haustarif: Die großen Hürden kommen erst noch

VW-Haustarif

Die großen Hürden kommen erst noch

IG Metall und VW haben sich auf einen neuen Haustarifvertrag verständigt. Dem angeschlagenen Unternehmen verschafft das eine dringend notwendige Atempause. Doch die wahren Probleme sind noch nicht gelöst. Ein Kommentar.

IG-Metall-Chef und VW-Aufsichtsrat Jörg Hofmann sagte: „Mit dem erzielten Tarifergebnis ist ein wichtiges Zeichen gesetzt - die Beschäftigten erhalten einen fairen Anteil für ihre gute Leistung und sie müssen nicht für die Fehler des Managements zurückstecken.“

Im Vergleich zum jüngst ausgehandelten Metall-Flächentarif gibt es feine Unterschiede beim VW-Haustarif. So fließt in der Fläche eine Einmalzahlung von 150 Euro, im VW-Haustarif sind es 200 Euro Zuschuss für die Rente. Die Laufzeiten der zweistufigen Entgelterhöhung sind zudem nicht deckungsgleich, ebenso ist die Gesamtlaufzeit bei VW mit 20 Monaten bis Ende Januar 2018 einen Monat kürzer als in der Fläche.

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