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23.10.2013

18:15 Uhr

Einigung mit Haniel?

US-Konkurrent will Pharmahändler Celesio kaufen

McKesson steht offenbar kurz davor, ein Übernahmeangebot für den Stuttgarter Rivalen Celesio abzugeben. Als Verkaufspreis sind vier Milliarden Euro im Gespräch. Mit der Fusion entstünde ein Gigant des Pharmahandels.

Pharmadienstleister Celesio AG in Stuttgart: „Das geht in Richtung 23 Euro.“ dapd

Pharmadienstleister Celesio AG in Stuttgart: „Das geht in Richtung 23 Euro.“

FrankfurtMilliardenübernahme im Pharmagroßhandel: Der Stuttgarter Arzneimittelhändler Celesio geht Finanzkreisen zufolge für rund vier Milliarden Euro in amerikanische Hände. Der US-Branchenprimus McKesson sei sich mit dem Celesio-Mehrheitseigentümer Haniel so gut wie einig und werde die Übernahme bereits am Donnerstag ankündigen, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Celesio gehört mit gut 22 Milliarden Euro Jahresumsatz zu den größten Pharmahändlern Europas. Gelingt McKesson der Zukauf entsteht ein globaler Branchengigant mit mehr als 100 Milliarden Euro Jahresumsatz und etwa 75.000 Beschäftigten.

Mit einer Einigung mit Haniel haben die Amerikaner bereits die Mehrheit an Celesio sicher - der Duisburger Mischkonzern Haniel hält 50,01 Prozent an dem Unternehmen. McKesson werde mehr als 22 Euro je Celesio-Aktie bieten, sagten die mit dem Vorgang vertrauten Personen. "Das geht in Richtung 23 Euro", sagte einer der Insider. An der Börse gewann die im Nebenwerteindex MDax notierte Celesio-Aktie 6,1 Prozent und ging bei 21,73 Euro aus dem Handel.

Werden die Nettofinanzschulden von Celesio von zuletzt 1,6 Milliarden Euro hinzugerechnet käme die Transaktion auf einen Gesamtwert von bis zu 5,5 Milliarden Euro. Gemessen daran wäre es die drittgrößte Übernahme in Deutschland in diesem Jahr.

Die größten Pharmahändler in Deutschland

Platz 6 – Diverse

Knapp neun Prozent des deutschen Marktes verteilen sich auf diverse Händler.

Platz 3 – Sanacorp

Der Sanacorp Pharmahandel hat ihren Sitz in Planegg. Das Unternehmen ging aus zwei genossenschaftlich organisierten Pharmagroßhandlungen hervor. Sanacorp kommt auf einen Marktanteil in Deutschland von rund 16 Prozent.

Platz 3 – Alliance Healthcare

Alliance Healthcare gehört zum Unternehmen Walgreens Boots Alliance. Die Briten nahmen den Großhändler mit Sitz in Frankfurt Anfang 2013 von der Börse. Seit dem April 2013 trägt die Firma ihren neuen Namen, zuvor hieß Alliance Healthcare Andreae-Noris Zahn. Der Marktanteil beträgt ebenfalls etwa 16 Prozent.

Platz 3 – Celesio

Celesio (ehemals Gehe) gehört seit 2014 zum US-Konzern McKesson und ist in Deutschland die Nummer drei unter den Pharmagroßhändlern. Die Stuttgarter kommen hierzulande auf einen Marktanteil von etwa 16 Prozent.

Platz 2 – Noweda

Noweda mit Sitz in Essen ist eine Genossenschaft. Das Unternehmen gehört mehr als 8000 Apothekern. Noweda bringt es auf einen Marktanteil rund 17 Prozent.

Platz 1 – Phoenix

Phoenix ist der größte Pharmahändler in Deutschland. Das Unternehmen mit Sitz in Mannheim gehört zur Merckle-Gruppe. Der Marktanteil beträgt rund 27 Prozent.

Stand: September 2016, Quelle: Handelsblatt-Recherche

Mit Celesio würde McKesson ein Unternehmen im Umbruch übernehmen. Celesio ist momentan dabei, ein europäisches Apotheken-Netzwerk unter der Dachmarke "Lloyds" aufzubauen. Bereits bis Ende dieses Jahres sollen in Europa 100 Pilotapotheken unter der Marke Lloyds firmieren. Celesio hatte sich wieder ganz auf die zwei Sparten Pharmagroßhandel und Apotheken konzentriert, nachdem die Erschließung komplett neuer Geschäftsfelder misslang. Die Gewinnaussichten bei Celesio sind momentan wegen des harten Rabattwettbewerbs in der Branche um die Gunst der Apotheken eher mager. Erst im August hatten die Stuttgarter deswegen ihr Ergebnisziel für dieses Jahr gekippt.

Dennoch sind die Amerikaner bereit, viel Geld für Celesio hinzulegen. McKesson würde mit dem genannten Preis annähernd das Zehnfache des aktuell von Analysten erwarteten operativen Jahresgewinns (Ebitda) von Celesio bieten. Der Mehrheitsaktionär Haniel könnte mit dem Verkauf seines Anteilspakets fast zwei Milliarden Euro einnehmen. Die Familienholding hatte 1973 die Mehrheit am Celesio-Vorgänger Gehe übernommen, der 2003 dann in Celesio umbenannt wurde.

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