Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2009

15:57 Uhr

Einigung mit IG Metall

Getrag erhält Standorte, aber streicht Stellen

VonTino Andresen

Entspannung im Konflikt zwischen dem Autozulieferer Getrag und der IG Metall: Das baden-württembergische Unternehmen und die Gewerkschaft haben sich jetzt auf ein Restrukturierungskonzept geeinigt. Das Werk in Ludwigsburg wird nun zwar nicht geschlossen, wie von Getrag angedroht. Allerdings wird es an eine kleinere Produktionsstätte verlegt. In diesem Zusammenhang streicht der Getriebebauer auch Stellen.

Teile von Getrag stecken auch im Mini von BMW. Foto: pr Quelle: gms

Teile von Getrag stecken auch im Mini von BMW. Foto: pr

DÜSSELDORF. Ludwigsburg soll der Einigung zufolge Kompetenzzentrum für Steuerräder werden, in dem dann 111 Menschen arbeiten sollen. Wesentliche Teile der Produktion würden zusammen mit den zugehörigen Arbeitsplätzen an die 60 und 85 Kilometer entfernten Standorte Neuenstein und Rosenberg verlegt. "Um die Kostenstruktur an die weltweit veränderten Rahmenbedingungen der Automobilbranche anzupassen" müsse im Raum Ludwigsburg noch eine kleinere Produktionsstätte gefunden werden, teilte Getrag am Mittwoch mit.

"Die personelle Überkapazität von 215 Stellen wird mit Hilfe von Arbeitsmarktinstrumenten in den kommenden 30 Monaten verringert, wenn es aus konjunkturellen Gründen notwendig ist." Ein Unternehmenssprecher sagte im Gespräch mit Handelsblatt.com, dabei handele es sich beispielsweise um Abfindungsregelungen, die Nichtverlängerung von befristeten Verträgen oder die Möglichkeit, in den vorgezogenen Ruhestand zu gehen. Auch bei günstigem Konjunkturverlauf werde eine dreistellige Zahl von Arbeitsplätzen verschwinden.

"Es wird grundsätzlich keine betriebsbedingten Kündigungen geben", teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der Sprecher sagte Handelsblatt.com, mit dem neuen Restrukturierungskonzept ließen sich die als unbedingt notwendig erachteten Einsparungen in Höhe von 27 Mio. Euro verwirklichen. Da die Banken diese Einsparungen schon bislang zur Bedingung für ihre Unterstützung gemacht hätten, gehe er davon aus, dass sie die Pläne mittrügen.

"Mit diesem Konzept können wir über die Reduzierung von strukturellen Sach- und Personalkosten das notwendige Einsparvolumen erreichen", sagte Dieter Schlenkermann, Vorsitzender der Geschäftsführung des in Probleme geratene Getriebeherstellers. Als Teil davon hat sich Getrag mit IG Metall und Betriebsrat verständigt, den Tarifvertrag zur Standort- und Beschäftigungssicherung weiterzuführen. Auch am Standort Untergruppenbach sollen aber 130 Stellen gestrichen werden, wie das Unternehmen bereits im November angekündigt hatte. "Uns ist bewusst, dass wir von den Mitarbeitern eine Menge verlangen, aber nur so können wir alle Standorte erhalten und auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten", sagte Schlenkermann.

Getrag musste in den vergangenen Monaten etliche Rückschläge verkraften. So sagte der US-Autokonzern Chrysler eine Bestellung über 700 000 Doppelkupplungsgetriebe wieder ab, obwohl der Getriebebauer zu diesem Zweck eigens ein Werk in den USA errichtet hatte. Die Schwaben haben den Detroiter Autoriesen deshalb bereits verklagt. Wegen der Probleme hatte Getrag zum Jahresende 2008 den rund 80 Zeitarbeitern gekündigt. Außerdem bestätigte das Unternehmen Gespräche mit Autoherstellern über finanzielle Hilfen. Der Umsatz der Unternehmensgruppe mit rund 13 600 Mitarbeitern lag im Jahr 2007 bei 2,6 Mrd. Euro. Die Geschäftsführung rechnet nach früheren Informationen für dieses Jahr mit einem Umsatzrückgang von bis zu 25 Prozent.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×