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31.01.2012

12:46 Uhr

Einigung mit Outokumpu

Thyssen-Krupp wird seine Edelstahlsparte los

Thyssen-Krupp kann seine Edelstahlsparte Inoxum verkaufen. In der vergangenen Nacht einigten sich die Betriebsräte des Industriekonzerns mit dem finnischen Stahlkocher Outokumpu auf die Details des Deals.

Thyssen-Krupp wird sein Edelstahl-Sorgenkind los

Video: Thyssen-Krupp wird sein Edelstahl-Sorgenkind los

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Frankfurt/EssenDer Einigung zufolge wird nach der Übernahme die Produktion von Edelstahl am Standort Krefeld im kommenden Jahr eingestellt, Ende 2016 soll diese dann in Bochum geschlossen werden. Outokumpu wird dabei auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2015 verzichten, wie die IG Metall und Thyssen-Krupp mitteilten.

Der Einigung waren harte Verhandlungen zwischen Vertretern der Unternehmen und den Betriebsräten vorangegangen, die von Protesten der Inoxum-Mitarbeiter begleitet wurden. Die Arbeitnehmer haben bei Thyssen-Krupp eine mächtige Position, ihre Zustimmung war daher dringend nötig. Andernfalls hätten sie den laufenden Umbau von Thyssen-Krupp erheblich stören können. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will das Konglomerat zu einem Technologiekonzern umformen.

Hintergrund zu Outokumpu

Das Unternehmen

Outokumpu gehört nach eigenen Angaben zu den weltweit sechs größten Herstellern von Edelstahl.

Firmensitz

Seinen Hauptsitz hat Outokumpu in Espoo vor den Toren von Helsinki, wo auch der Handyhersteller Nokia ansässig ist.

Angestellte

Die Finnen beschäftigen knapp 8.500 Mitarbeiter in 30 Ländern.

Verluste

2010 machte das Unternehmen - wie schon in den vorangegangenen zwei Jahren - Verluste: Bei einem Umsatz von 4,2 Milliarden Euro betrug das Minus zuletzt 124 Millionen Euro.

Im laufenden Jahr

Im dritten Quartal 2011 war ein erneuter Verlust von 135 Millionen Euro aufgelaufen. Konzernchef Mika Seitovirta erklärte bei der Bekanntgabe der erneut negativen Zwischenbilanz: „Es ist extrem wichtig für uns zu handeln, um die finanzielle Situation in allen Unternehmensteilen zu verbessern.“

Name

Benannt ist der Konzern nach der Stadt Outokumpu im östlichen Finnland. Dort war mit der Entdeckung von Kupfervorkommen 1910 der Startschuss für das Unternehmen gefallen.

Der Verkauf von Inoxum ist Teil der Neuausrichtung – und eine Möglichkeit, Geld in die Kasse zu bekommen. Die Sparte wird den Angaben zufolge mit 2,7 Milliarden Euro bewertet. Die Summe setzt sich aus einem Baranteil, der Übernahme von Schulden und Pensionsverpflichtungen sowie einem Aktienpaket von 29,9 Prozent, das Thyssen-Krupp künftig an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen Outokumpu/Inoxum halten wird.

Hiesinger kann nun nicht nur die Schulden senken, sondern erhält zudem Mittel für Investitionen in Wachstumsgeschäfte wie die Technologiesparte. Nach den Milliardenabschreibungen auf die neuen Stahlwerke in Übersee will er das Technologiegeschäft stärken, in dem ThyssenKrupp unter anderem Aufzüge, Maschinen und U-Boote herstellt.

Outokumpu verspricht sich von der Übernahme eine bessere Wettbewerbsposition. Der Markt für Edelstahl ist in Europa hart umkämpft, die meisten Anbieter schreiben Verluste. Mit der Fusion und der einhergehenden Stilllegung von Kapazitäten in Krefeld und Bochum soll ein Teil der Überkapazitäten beseitigt werden.

Durch den Zusammenschluss von Inoxum und Outokumpu entsteht ein neuer Weltmarktführer im Edelstahlbereich mit 18.000 Beschäftigten und mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

31.01.2012, 09:31 Uhr

@Redaktion
Der Name von ThyssenKrupp ist ThyssenKrupp.Den sollte Sie nicht verändern.
Die 29,9 Prozent Anteile haben nicht nur Auswirkungen auf die Sperrminorität.

Martin_Murphy

31.01.2012, 09:39 Uhr

Danke für den Hinweis. Wir haben uns bei fusionierten Firmen auf die Schreibweise mit Bindestrich entschieden.

HDWG

31.01.2012, 10:01 Uhr

Auf betriebsbedingte Kündigungen wird bis Ende 2015 verzichtet, Bochum wird ein Jahr später, 2016 geschlossen.
Ein Schelm, wer böses dabei denkt.
Da hat die IG Metall ja einmal mehr eine wahrhaft mitgliederfreundliche, arbeitsplatzerhaltende Vereinbarung getroffen.
Glückwunsch!

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