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02.08.2016

16:48 Uhr

Einstieg bei Ibeo

ZF schließt technische Lücke beim Roboterauto

VonMartin-W. Buchenau

Der Autozulieferer ZF steigt bei Ibeo ein. Die Firma ist Marktführer bei Lidar-Technologie und Software zur Umgebungserkennung. Mit dem Deal schließt ZF eine weitere technologische Lücke beim autonomen Fahren.

Das Unternehmen rückt den Branchenführern Bosch und Continental näher. dpa

Autozulieferer ZF

Das Unternehmen rückt den Branchenführern Bosch und Continental näher.

StuttgartZF schließt beim autonomen Fahren eine weitere technologische Lücke. Der drittgrößte deutsche Automobilzulieferer hinter Bosch und Continental beteiligt sich mit 40 Prozent an der Ibeo Automotive Systems GmbH. Das 2009 gegründete Unternehmen mit Sitz in Hamburg ist Marktführer in der Entwicklung von Lidar-Technologie sowie Software zur Umgebungserkennung. die Technologie wird künftig im Audi zu sehen sein und ist schon beim Tesla auf der Straße.

Ibeo verwendet dabei Lasertechnologie, die ZF zur Umgebungserkennung noch fehlte. „Mit der Lidar-Technologie und Sensorfusion stärken wir gewissermaßen Auge und Gehirn zukünftiger Autogenerationen und kommen so der Vision des unfallfreien Fahrens wieder ein Stück näher.“ Bosch hingegen hat sich noch nicht für Lidar entschieden. Allerdings wissen auch die Schwaben, dass eine dritte Sensortechnologie neben Radar und Video nötig sein wird, um autonomes Fahren zu ermöglichen.

„Mit Lidar haben wir Zugriff auf eine entscheidende Technologie der Umfeld- und Objekterkennung“, begründet der ZF-Vorstandsvorsitzende Stefan Sommer den Einstieg bei Ibeo. „Lidar-Sensoren ergänzen die von uns bisher genutzte Radar- und Kameratechnik – vor allem aber bringt die von Ibeo geleistete Fusion dieser drei Sensor-Technologien die Voraussetzung für das autonome Fahren.“

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Der Autozulieferer ZF will mit neuen Kooperationen Technologielücken schließen. Den Anfang macht ein neues vernetztes Bremskonzept. Denn der Konzern hat noch Rückstand auf die Marktführer Bosch und Continental.

Lidar (aus dem Englischen: „Light Detection and Ranging“) bezeichnet ein Verfahren, bei dem ein Lichtpuls ausgesendet wird und über die Laufzeit und Lichtgeschwindigkeit eine Entfernung berechnet werden kann. Lidar ist eine dem Radar verwandte Methode zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung. Statt der Radiowellen werden Laserpulse verwendet. Die mit ZF entwickelte Lidar-Generation wird die Umgebung dreidimensional abbilden können und ohne rotierende Spiegel auskommen und damit kompakter, glaubt ZF. Vorstandschef Sommer kündigte an, die verbleibenden Technologielücken nach und nach zu schließen.

„Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit– mit ZF haben wir einen starken Partner an Bord, der zielstrebig die Megatrends Sicherheit und Autonomes Fahren gestaltet“, bewertet Ibeo-Geschäftsführer Ulrich Lages den ZF-Einstieg. Die Belegschaft soll in kurzer Zeit von derzeit 50 auf 250 steigen. Der Umsatz soll derzeit im zweistelligen Millionen-Bereich liegen. Lages hält nach Informationen aus Branchenkreisen noch über 50 Prozent der Ibeo-Anteile.

ZF ist mit der Milliarden-Übernahme von TRW auf einen Umsatz von knapp 30 Milliarden Euro gewachsen und den Branchenführern Bosch und Conti näher gerückt. Mit TRW bekam der Getriebe und Fahrwerkshersteller Zugang zu Fahrerassistenzsystemen, die für das Autonome Fahren unverzichtbar sind.

Dass ZF sich jetzt eine Technologie wie Lidar zulegt, zeigt, dass ZF den Premiumanspruch als Technologieführer bei seinem Stammgeschäft Getriebe und Fahrwerk auch bei den zugekauften Assistenzsystemen einlösen will. Der ehemalige US-Konzern TRW hatte bislang seine Stärken eher als Massenhersteller denn als Technologieführer.

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