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16.01.2007

17:39 Uhr

Eisenerz

Stahlhersteller suchen eigene Rohstoffquellen

VonMarkus Hennes

Der Erzmarkt ist wegen der immensen Nachfrage aus China praktisch leer gefegt. Aus dieser Knappheit schlagen die größten Erzkonzerne Kapital: Wegen ihrer überragenden Marktstellung können sie die Preise nach Belieben diktieren. Stahlhersteller mit Zugang zu eigenen Rohstoffquellen profitieren von der aktuellen Marktlage.

DÜSSELDORF. Die Weltstahlindustrie muss erneut eine kräftige Steigerung der Rohstoffpreise verkraften. Als erster Vertreter der Branche hat Chinas größter Stahlproduzent Baosteel einen Vertrag über Erzlieferungen in diesem Jahr geschlossen. Danach wird Baosteel dem weltgrößten Erzkonzern CVRD aus Brasilien für Feinerz ab April 9,5 Prozent mehr zahlen als im Vorjahr.

Der Markt ist wegen der immensen Nachfrage aus China praktisch leer gefegt. Das Land steigerte seine Stahlproduktion im vergangenen Jahr um 19,2 Prozent auf mehr als 420 Mill. Tonnen Rohstahl. Aus dieser Knappheit schlagen die drei weltgrößten Erzkonzerne, CVRD sowie die beiden australischen Konkurrenten Rio Tinto und BHP Billiton, Kapital: Sie kontrollieren 75 Prozent des internationalen Erzhandels und können wegen ihrer überragenden Marktstellung die Preise nach Belieben diktieren. Denn verglichen mit den Rohstoffgiganten, sind die größten Stahlkonzerne Leichtgewichte: So kommen die drei größten Stahlproduzenten der Welt, Arcelor Mittal, Nippon Steel aus Japan und Posco aus Südkorea, zusammen nur auf 15 Prozent Marktanteil.

Stahlhersteller, die Zugang zu eigenen Rohstoffquellen haben, profitieren von der aktuellen Marktlage. „Diese Firmen erzielen derzeit Gewinnmargen von 30 bis 40 Prozent“, rechnet Philippe Varin, Chef der niederländisch-britischen Corus-Gruppe, vor. Corus strebt deshalb ein Bündnis mit der indischen Tata Steel oder CSN aus Brasilien an. Beide Konzerne verfügen über eigene Erzvorkommen. Auch der weltgrößte Stahlproduzent Mittal Steel, der im Juni 2006 den Luxemburger Konkurrenten Arcelor schluckte, hatte schon vor Jahren Anstrengungen unternommen, die Vormachtstellung der Eisenerzproduzenten zu brechen. Mittal kaufte sich vor allem in Stahlunternehmen ein, die über eigene Rohstoffquellen verfügten. Der größte deutsche Stahlhersteller Thyssen-Krupp verfolgte dagegen eine andere Strategie. Er konzentrierte sich auf die Produktion qualitativ hochwertiger Stahlprodukte vor allem für die Automobilindustrie. Auch der deutsche Konkurrent Salzgitter ging diesen Weg. Trotz steigender Preise wird sich Salzgitter nicht an einem Rohstoffproduzenten beteiligen, betonte ein Konzernsprecher am gestrigen Montag.

Branchenkenner erwarten, dass der Pilotabschluss von Baosteel die Richtschnur für die noch ausstehenden Preisverhandlungen der Erzkonzerne mit anderen Stahlproduzenten wird. Hoffnungen der Konkurrenten, einen niedrigeren Abschluss erzielen zu können, schwinden, nachdem die koreanische Posco und der italienische Stahlproduzent Ilva ebenfalls Preiserhöhungen von 9,5 Prozent akzeptiert haben.

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