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16.01.2007

17:39 Uhr

Eisenerzproduktion

Bedrohlicher Engpass

VonDirk Heilmann

Die Eisenerzproduktion wächst kräftig, doch die Nachfrage steigt noch schneller. Es ist vor allem der gewaltige Infrastruktur-Aufholbedarf in China, der sie treibt. Die Rohstoffriesen reagieren darauf, doch oftmals können sie der Entwicklung nur zuschauen. Der enorme Boom der vergangenen Jahre hat die Kapazitäten an Mensch und Material aufgezehrt

Riesenkipper im Eisenerztagebau Mount Whaleback im australischen Bundesstaat Western Australia. Die Mine gehört BHP Billiton. Foto: ap

Riesenkipper im Eisenerztagebau Mount Whaleback im australischen Bundesstaat Western Australia. Die Mine gehört BHP Billiton. Foto: ap

LONDON. Warum erschließen die großen Rohstoffkonzerne nicht mehr neue Eisenerzminen? Leigh Clifford, Chef von Rio Tinto, hat die Frage schon zu oft gehört. Seufzend erhebt er sich aus dem Ledersessel in seinem Büro, holt einen Weltatlas aus dem Regal und schlägt die Afrika-Karte auf. „Hier, zum Beispiel Kongo“, sagt er und setzt den Finger mitten in den grünen Urwald. „Das Potenzial ist groß, aber wo die Mineralien sind, gibt es keinerlei Infrastruktur. Das ist wahrscheinlich tausend Kilometer von der Küste entfernt.“ Diamanten kann man im Aktenkoffer ausfliegen, Erze nicht. Sie brauchen eine Eisenbahnstrecke und einen Hafen – ganz zu schweigen von der politischen Stabilität, die ein auf Jahrzehnte angelegtes Investment erfordert.

Und dann sind da noch die Investoren: Sie wollen vor allem Cash. Statt die Abermilliarden Gewinne des aktuellen Booms in neue Projekte zu stecken, sollen die Konzerne sie lieber ausschütten, fordern Analysten und Fondsmanager. Sie sehen die Gefahr, dass sie sonst von Kostensteigerungen aufgefressen werden. Die Chefs der Rohstoffgiganten müssen also die richtige Balance zwischen den Erwartungen der Kunden und der Anleger finden.

Drei Milliarden Dollar hat Rio Tinto, einer der drei großen Eisenerzförderer, seit Ende 2003 in den Ausbau seiner Produktion in Australien gesteckt. Eine weitere Milliarde soll bis 2008 folgen. Dann wird der Ausstoß der gigantischen australischen Erzminen des Konzerns innerhalb von fünf Jahren von 130 auf 217 Mill. Tonnen im Jahr gewachsen sein. Auch Konkurrent BHP Billiton will hier eine weitere Milliarde ausgeben.

Die beiden britisch-australischen Konzerne beherrschen zusammen mit dem brasilianischen Weltmarktführer Companhia Vale do Rio Doce (CVRD) fast drei Viertel des Eisenerzhandels. Ein komfortables Oligopol, das gewaltige Preissteigerungen ermöglicht. Einen Preissprung um 71,5 Prozent mussten die Stahlhersteller Ende 2004 verdauen, plus 19 Prozent waren es ein Jahr später, und 9,5 Prozent schlugen die Rohstoffkonzerne im Dezember drauf.

Die Eisenerzproduktion wächst kräftig, doch die Nachfrage steigt noch schneller. Es ist vor allem der gewaltige Infrastruktur-Aufholbedarf in China, der sie treibt. Die Rohstoffriesen reagieren darauf, aber es dauert viele Jahre, bis eine neue Mine mit der Produktion beginnt.

Die größten Erzproduzenten sind heute Australien, Brasilien und China. In Australien wird Eisenerz nach Schätzungen der Regierung im laufenden Jahr Kokskohle als Exportprodukt Nummer eins überflügeln. Beides sind Vorprodukte für Stahl. Wie in den sechziger Jahren die japanischen Stahlkonzerne, so drängeln sich heute die chinesischen um Beteiligungen an neuen Minenprojekten auf dem Kontinent. In Brasilien hat CVRD kürzlich die Erzmine Brucutu eingeweiht, die mit zwölf Millionen Tonnen die größte Startkapazität aller Zeiten aufweist. Von 270 Mill. Tonnen 2006 will der Konzern seine Produktion auf 400 Mill. 2011 steigern. Das wäre eine Vervierfachung in nur zehn Jahren. Auch hier sind Chinesen als Co-Investoren dabei.

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