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19.01.2006

08:23 Uhr

Electrolux drohen Engpässe

AEG Nürnberg streikt

VonMarkus Fasse

Das Nürnberger AEG-Werk steht vor einem harten Arbeitskampf. In einer Urabstimmung sprachen sich am Mittwoch mehr als 96 Prozent der Belegschaft für einen unbefristeten Streik aus – deutlich mehr als erwartet.

MÜNCHEN/STOCKHOLM. Notwendig für einen Arbeitskampf wären lediglich 75 Prozent gewesen. Nach Angaben der IG Metall soll die Produktion ab dem morgigen Freitag stillstehen. Damit steuert der Konflikt bei AEG auf einen neuen Höhepunkt zu. Mit dem unbefristeten Streik wollen die 1 750 verbliebenen Beschäftigten des Haushaltsgerätewerks den Abschluss eines Sondertarifvertrags durchsetzen.

Die Verhandlungen für einen solchen Sozialpakt hatten Arbeitnehmer und Gewerkschaft bereits begonnen, doch die Gespräche verliefen frostig. „Bislang ist kein Angebot auf den Tisch gekommen“, sagt Betriebsratssprecher Harald Dix. Und Jürgen Wechsler von der Nürnberger IG Metall warf dem Unternehmen sogar Wortbruch vor. „Electrolux hatte uns eine solche Vereinbarung zugesagt“, klagten die Gewerkschaftssprecher am Mittwoch.

Am Sitz des Mutterkonzerns Electrolux in Stockholm zeigte sich ein Unternehmenssprecher enttäuscht über das Votum für den Streik. Electrolux sei weiter für einen konstruktiven Dialog offen, hatte aber gefordert, bis Ende Januar auf Streiks zu verzichten. „Niemand gewinnt: Die Beschäftigten verlieren einen großen Teil ihres Einkommens, die Produktion wird auf längere Sicht sinken“, sagte der Sprecher. Produktionsengpässe erwartet er zunächst nicht. „Wir werden auf unsere Läger zurückgreifen.“ Wie lange die Reserven reichen, wollte er nicht sagen.

Da wird die Gewerkschaft in Nürnberg konkreter. Man stelle sich auf einen Arbeitskampf ein, der Wochen dauern könne, sagte der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Mit dem Streik im Nürnberger Stammwerk muss der Mutterkonzern nach Angaben der Gewerkschaft am Tag mit rund 3 500 Geräten weniger rechnen, das ließe sich kaum kompensieren, sagt die IG Metall. So seien die Läger höchstens noch mit Ware für zwei Wochen gefüllt. „Im Bereich hochwertiger Einbaugeräte reicht der Vorrat nur zwei Tage“, sagte Betriebsratschef Dix. Die Produktion in Polen sei erst im Probelauf, vor Mitte des Jahres könne Electrolux auf die neue Fertigung nicht zurückgreifen.

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